Kahlschlag: So sieht die „Sphäre Wildnis“ heute aus. Für die IG Wall „eine sinnlose Abholzerei“.
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Kahlschlag: So sieht die „Sphäre Wildnis“ heute aus. Für die IG Wall „eine sinnlose Abholzerei“.

IG Wall legt nach

Kirchheims hölzerner Zankapfel: Erneut Kritik an Baum-Pflanzungen

  • Bert Brosch
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Zu viel Beton, zu wenige Bäume und noch dazu die falschen: Die IG Wall legt Kritik an den Vorbereitungen für Kirchheims Großprojekte nach. Der Bürgermeister spricht von „traditionellen Falschaussagen“.

Kirchheim – Constanze Friemert, Vorsitzende der Interessengemeinschaft (IG) Wall, erhebt Vorwürfe gegen die Verantwortlichen der Landesgartenschau und des Projekts „Kirchheim 2030“: zu viel Beton, zu wenig Bäume und noch dazu die falschen. Bürgermeister Maximilian Böltl (CSU) weist die Kritik zurück und ärgert sich über die „traditionellen Falschaussagen“ der IG.

Der Verein „IG Wall“ gründete sich 2019 aus Protest gegen die Abholzungen am Wäldchen und Wall gegenüber des Gymnasiums für die Landesgartenschau 2024 und dem neuen Ortszentrum Kirchheim 2030. Mittlerweile sind es knapp 100 Mitstreiter, die regelmäßig auf Missstände aus ihrer Sicht hinweisen.

„So viel kann Kirchheim niemals durch Anpflanzungen kompensieren“

Nun ging es um Bäume, speziell Klimabäume. Welche sollen oder können es sein? Wie viele müssten gepflanzt werden, um die Rodungen und Betonbauten zu kompensieren? Constanze Friemert kam in ihrem Vortrag, der sich auf Zahlen von IG-Wall-Mitglied Heinrich Kröninger stützte, zum Ergebnis, dass die beiden Projekte viel zu viel Bäume und Büsche abholze, zu viel Beton verbaut werde, der wiederum enorme Mengen an CO2 durch die Herstellung von Zement erzeuge. „So viel, wie hier gebaut wird, kann Kirchheim niemals durch die Anpflanzung von Bäumen kompensieren“, sagte Friemert. „Zudem werden die absolut falschen Bäume gepflanzt, die hier entweder nicht wachsen oder heimische Bäume verdrängende Neophyten sind.“ Ein Walnussbaum oder eine Trauerweide etwa würden an den geplanten Standorten nicht wachsen, eine Robinie, Sumpfeiche oder Freemans-Ahorn verdrängten heimische Arten, viel besser seien Vogelkirsche, Feldahorn oder Silberpappel. „Die tauchen in dem Pflanzgutachten des Büros Sinai so gut wie nicht auf“, so Friemert.

Es war einmal: So sah es in der „Sphäre Wildnis“ im Sommer aus, als man die Besuchergruppen durchführte.

Bürgermeister Böltl weist diese Vorwürfe zurück und verweist auf die wissenschaftlichen Ausarbeitungen der Landesanstalt für Wein- und Gartenbau sowie Veröffentlichung der Gartenamtsleiterkonferenz in Zusammenarbeit mit dem Bund deutscher Baumschulen. „Im Hinblick auf eine zukunftsträchtige Bepflanzung, die auch dem Klimawandel standhält, sind die gewählten Baumarten das Gerüst einer robusten zukunftsorientierten Bepflanzung im Ortspark. Neben den Klimabäumen werden auch immer heimische Baumarten gepflanzt“, sagt Böltl.

Friemert kritisiert die Abholzungen am Wall. „Da standen 63 große, gesunde Bäume, davon wurden 50 sinnlos gefällt, zusätzlich haben wir 486 Stümpfe von kleineren Bäumen gezählt.“ Böltl konnte diese Zahlen nicht bestätigen, er betont aber: „Entsprechende Ausgleichsmaßnahmen wurden durchgeführt.“

Wall „annähernd kahlgeschlagen“

Ein großer Kritikpunkt der IG Wall ist die enorme Menge an Beton, die für Häuser, Wege und Co. benötigt wird. Eine Tonne Beton erzeuge 590 Kilo CO2, „nur für den absolut unnötigen Dammweg zwischen den beiden Seeteilen am Rathaus wird 30,7 Tonnen CO2 erzeugt – dafür bräuchte man als Ausgleich 82 ausgewachsene, große Buchen für 30 Jahre“, sagte Friemert. Diese Bäume habe es ja gegeben am Wall, aber der wurde „annähernd kahlgeschlagen“. Mit den vielen Gebäuden müsste man Tausende Bäume pflanzen, „dafür gibt es in und um Kirchheim gar keinen Platz. Also gibt’s nur die Devise: Weniger Beton, mehr Grün, gewachsene Natur stehen lassen“, forderte Friemert.

Böltl kann diese Anschuldigungen nicht nachvollziehen. Kirchheim 2030 sei ein „Ökologieprojekt, ein ganzheitliches Vorbild, nach dem sich inzwischen viele Kommunen aus ganz Bayern bei uns erkundigen.“ Ihn ärgere, dass es schon Tradition sei, „dass die IG Bürger durch Falschaussagen verunsichert. Destruktives und Missgunst haben aber bei uns keinen Platz.“

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