Schon voll dabei: Die Bagger lichten derzeit das Gestrüpp aus und fällen Bäume.
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Schon voll dabei: Die Bagger lichten derzeit das Gestrüpp aus und fällen Bäume.

Landesgartenschau in Kirchheim

Nach Rodungen: Wieder Ärger um Wall und Wäldchen

  • Bert Brosch
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Für die Landesgartenschau in Kirchheim werden derzeit die ersten Bäume gefällt und Sträucher gelichtet. Das gefällt der IG Wall so gar nicht.

Kirchheim – Im September erfolgt der offizielle Spatenstich für die Landesgartenschau (LGS) 2024. Nun begannen bereits die ersten Rodungen westlich des künftigen Rathaus-Neubaus. Der Verein für Klima-, Natur- und Artenschutz „IG Wall“ ist sauer: „Kirchheim hat kein Geld, schimpft Vorsitzende Constanze Friemert. Nun würden 2000 Quadratmeter gerodet werden für den Aussichtshügel, der 350 000 Euro kostet.

Wie berichtet, rodet das Spezialunternehmen „Huber Landschaft“ aus Rimbach im Auftrag der Gemeinde derzeit auf Höhe des Walls Bäume, dort wo einmal die Sphäre „Wildnis“ entsteht. Drei Bagger mit Spezialanbauten schneiden knapp drei Meter breite Wege aus und lichten den Bewuchs. Mehrere Bäume fällen die Arbeiter – laut der Kirchheim 2024 GmbH bedeutet Fällung, dass die Wurzelstöcke vorläufig liegen bleiben. Vereinzelt waren Bäume mit einem grünen X markiert, sie dürfen stehen bleiben. Im Anschluss an die Arbeiten in der „Wildnis“ finden ab Montag, 8. Februar, im Bereich von Wall und Wäldchen einzelne Fällungen für den Durchstich des „Achters“ statt – dem Geh- und Radweg im neuen Ortspark. Zudem wird der Unterwuchs am Lehrerparkplatz der Grund- und Mittelschule sowie der Bewuchs entlang des Zauns zwischen Jugendzentrum (JUZ) und Grund- und Mittelschule entfernt.

Bleibt stehen: dieser mit einem X markierte Baum. 

Für die IG Wall sind die Baumaßnahmen nicht nachvollziehbar. „Wir sind ja keineswegs gegen die Landesgartenschau, arbeiten mit dem Büro Sinai eng und gut zusammen“, sagt Heinrich Kröniger von der Interessengemeinschaft. „Doch was der Bauausschuss jetzt auf die Schnelle beschlossen hat, das ist einfach unmöglich“ Zur Erinnerung: Im Juni 2020 hatte sich der Gemeinderat geeinigt, aufgrund der unklaren Finanzlage der Gemeinde Einsparungen vorzunehmen, darunter war auch die Aussichtsplattform „Peak“ für 346 000 Euro, die jetzt „Park-Kanzel“ heißt. „Warum muss nun diese Plattform ganz schnell gebaut werden?“, fragt Friemert. Das Argument, man könne den Aushub, den man ansonsten teuer entsorgen müsse, für den Hügel verwenden und so Geld sparen, kauft sie SPD-Gemeinderat Stephan Keck nicht ab. Nach ihren Informationen habe die Kirchheim 2024 GmbH eigenmächtig die Rodungen für den Bau der Plattform beschlossen – ohne das Votum des Gemeinderats. Dies habe der Bauausschuss erst nachträglich abgesegnet.

„So lange wird für die Kanzel nichts gerodet“

Ein Vorwurf, den Maximilian Heyland, der Geschäftsführer der Kirchheim 2024 GmbH, bestätigt. „Wir mussten aus Praktikabilitätsgründen die Aufträge komplett vergeben, dachten, das würde gemeinsam entschieden“, sagt er. Aber jetzt gebe es am 9. Februar eine Nachprüfung im Gemeinderat. Heyland betont: „So lange wird für die Kanzel nichts gerodet.“ Und der Aushub für die Aussichtsplattform stamme von den archäologischen Untersuchungen des Gebiets.

Für Friemert sieht es hingegen so aus, „als ob dieses Waldstück für den Aussichtshügel den geplanten Rodungen für die Wege trickreich untergeschoben wurde“. Die IG Wall wolle eine schöne und ökologische Landesgartenschau – „aber nicht so!“

Stichwort: Wildnis

Das Landschaftsarchitekturbüro „Sinai“ aus Berlin hat den rund zehn Hektar großen Ortspark in fünf sogenannte Sphären eingeteilt: Garten, Wasser, Wiese, Wald und Wildnis. Damit wollen die Planer die neuen architektonischen Landmarken im Park wie Gymnasium und Rathaus zu einem Ensemble zusammenführen.

Die Regierung von Oberbayern hat nun ihre Zustimmung zum vorzeitigen Start erteilt. In der „Wildnis“ sind die Maßnahmen angelaufen. Hier waren früher mehrere „illegale Gärten“ angesiedelt, das Waldstück selbst wurde durch Trampelpfade erschlossen und war häufig zugemüllt. Zur Landesgartenschau soll die „Wildnis“ vorzeigbar und begehbar gemacht sein. Rückzugs- und Ruheräume für die Tier- und Pflanzenwelt sollen erhalten bleiben.

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