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Landwirt Franz Sepp vor der Fläche, auf die die Ställe sollen.

Neubaugebiet nebenan geplant

Landwirt darf Stall nicht bauen, weil Gemeinde Zugezogenen den Gestank nicht antun will

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Der Kirchheimer Landwirt Franz Sepp (54) will einen neuen Stall für eine Bullenmast bauen, um die Zukunft seines Hofs zu sichern. Doch die Gemeinde fürchtet den Gestank - und lehnt ab.

Kirchheim – Die Familie Sepp ist eine der ältesten in Kirchheim. Seit 1770 wird der Hof an der Dorfstraße von der Familie bewirtschaftet. Vier Vorfahren von Franz Sepp waren Bürgermeister in Kirchheim, erstmals 1840, zum letzten Mal bis 1952. „Wir bewirtschaften 105 Hektar, 98 davon gehören uns, der Rest ist langfristig gepachtet“, erzählt Sepp senior (54).

Sein Sohn studiert in Weihenstephan Landwirtschaft, schließt dieses im kommenden Frühjahr mit dem Master ab und soll dann einen Großteil der Landwirtschaft übernehmen. Die Familie baut Kartoffeln und Braugerste an, aber auch Raps, Weizen, Erbsen, Soja, Triticale und Mais. Aktuell hat sie eine Bullenmast mit 84 Tieren.

Geruch genau berechnet

Nah beinander liegen die geplanten Ställe und das Neubaugebiet.

Die Sepps wurden vom Büro Müller BBM, Experten auf dem Gebiet der Geruchsemmissionen, sowie vom Landwirtschaftsamt eingehend beraten. „Die sagten uns: Um langfristig den Betriebsstandort als Viehhalter zu erhalten, müssen wir deutlich wachsen. Und da unser Standort schon so lange existiert, sollte eine Erweiterung, und damit der Erhalt des Betriebs, auch im Sinne der Gemeinde liegen“, unterstreicht Sepp. Laut Müller BBM gebe es mit Geruchsemmissionen durch Westwind und durch eine Verlagerung der Ställe an den Nordrand des Grundstücks keinerlei Probleme. Also wollen die Sepps im Laufe von mehreren Jahren zwei Ställe für bis zu 450 Bullen bauen. „Das machen wir Schritt für Schritt, erst muss mein Sohn richtig reinfinden, dann müssen wir genügend regionale Abnehmer für das Fleisch finden“, sagt Franz Sepp.

Total regional

Die Bullen werden regional an eine benachbarte Metzgerei und an den Münchner Schlachthof verkauft. „Wir erzeugen das Futter für unsere Tiere vor Ort, mästen sie und verkaufen sie auf ganz kurzen Wegen. Damit es wirtschaftlich ist, müssen wir in einer gewissen Größe bauen.“

Den Bauantrag für das Vorhaben, für das Sepp eine gute Million Euro investieren möchte, reichte er bei der Gemeinde am 12. März ein. „Wir mussten jetzt etwas tun, bevor die Gemeinde Tatsachen schafft mit dem neuen Wohngebiet und wir auf unserem Grundstück nicht mehr bauen dürfen.“ Sepp legt großen Wert auf die Feststellung, dass er seine Grundstücke um den Hof „eben nicht wie einige Kollegen“ verkauft, sondern alle behalten hat, damit er erweitern kann. „Jetzt will ich es tun und darf nicht.“

Viele Zweifel

Sein Grundstück nördlich der Hausackerstraße liegt außerhalb des Kirchheimer Ortsgebiets. Da darf er als Landwirt zwar trotzdem bauen, als „privilegiertes Bauvorhaben“. Gemeinde-Anwältin von Staa spricht ihm aber genau dieses Recht ab. „Er müsste eine Wirtschaftlichkeitsberechnung vorlegen, was er nicht getan hat.“ Sepp sagt, diese Berechnung sei fertig im PC, er wollte sie nur noch nicht der Öffentlichkeit präsentieren. 

Landwirt Franz Sepp vor der Fläche, auf die die Ställe sollen.

Die Anwältin zweifelt zudem an, dass Sepp die nötige Menge an Futter für seine Tiere erzeugen kann und dass mit seinem Betrieb samt 450 Tieren ein wirtschaftlicher Gewinn zu erwarten sei. „Außerdem fehlt die notwendige Erschließung des Betriebs.“ Es sei bisher nur ein Feldweg geplant, auch keine ausreichende Versorgung mit Brauch- und Abwasser dargelegt. Sepp kann nur den Kopf schütteln. Er habe alles genau durchgerechnet, bevor er so viel Geld investiert. „Die Gülle der Tiere kommt auf meine Felder, Wasser ist genug da, und natürlich werde ich die Wege für meine Traktoren entsprechend anlegen.“

Doch vor allem geht’s bei aller Kritik um das geplante Neubaugebiet „Westlich der Flurstraße“ mit Einfamilienhäusern. Das machte Bürgermeister Böltl klar. Die zu erwartende Geruchsentwicklung sei mit dem Wohngebiet nicht vereinbar. „Unser Bauvorhaben stammt aus dem Dezember 2017, also vier Monate früher als der Stall-Antrag. Wir wollen den dort nicht haben. Der muss eben weiter raus aus dem Ort ziehen“, sagte Böltl. Man könne doch nicht gegen den Aschheimer Schlachthof sein und dann so einen Betrieb genehmigen, ergänzte der Bürgermeister.

Dorf-Charakter oder Stadt-Flair?

Sepp sagt, er könne nicht irgendwohin ziehen mit dem Stall, da Bullen sehr pflegeintensiv seien. Dann müsse er auch mit dem Wohnhaus umziehen und seinen jetzigen Standort komplett aufgeben. „Die Frage ist doch: Will Kirchheim den dörflichen, ländlichen Charakter wirklich erhalten. Oder ist es nur Fassade im Ortskern?“

Marcel Prohaska (SPD) zeigte sich von der schroffen Abweisung durch den Bürgermeister sehr überrascht. „Viele Kirchheimer essen Fleisch, und die meisten wollen dieses regional erzeugt haben. Wir können nicht einfach sagen, wir schicken den Stall raus ins Moos. Wir legen doch Wert auf unseren Dorf-Charakter in Kirchheim.“ Sepp Dirl (ÖDP) wollte ebenfalls keine generelle Ablehnung des Bauvorhabens beschließen, „allerdings ist der Standort in Sichtweite des Neubaugebiets schon unglücklich“.

Franz Glasl (CSU) sprang seinem Berufskollegen Sepp bei: Damit dieser wirtschaftlich überleben könne, müsse er wachsen. „Das ist natürlich kein Streichelzoo – aber wir müssen dem Bewerber eine sinnvolle Chance bieten.“ Mit 11:1 stimmte der Bauausschuss gegen Sepps Antrag. Nun muss das Landratsamt entscheiden.

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