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Die grün markierte Fläche umfasst das Projekt „Kirchheim 2030“.

„Kein Verstoß gegen den Naturschutz“

Waldbeschützer blitzen ab: Gemeinderat treibt Pläne für neue Ortsmitte voran

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Bei der Realisierung der neuen Ortsmitte soll ein Wald gerodet werden. Dagegen hatten sich Naturschützer gewehrt. Doch sie blitzten mit ihrem Protest ab. Wie alle Einwender gegen die Pläne.

Kirchheim – Ein wichtiger Schritt hin zur Realisierung von „Kirchheim 2030“ ist getan: Der Gemeinderat hat den Flächennutzungsplans für die neue Ortsmitte entsprechend geändert. Bürgermeister Maximilian Böltl (CSU) hob mehrfach hervor, dass auf der Gesamtfläche von 124,5 Hektar jetzt nur noch 35,5 Hektar bebaut werden, halb so viel wie noch im Plan von 1979 (siehe unten). Alle eingegangen Einwendungen wurden mit den Stimmen von CSU, SPD, FDP und ÖDP abgelehnt.

Insgesamt 79 Bürger-Einwendungen trudelten bei der Gemeinde ein. Eine davon von der Interessengemeinschaft zur Erhaltung von Wall und Wäldchen am neuen Gymnasium. Diesen Vorstoß der „IG Wall“ unterzeichneten 57 Bürger. Er richtete sich gegen „mehrere Verstöße von Naturschutzgesetzen sowie die Entfernung eines 7000 Quadratmeter großen Magerrasen-Biotops zwischen Ludwig- und Hauptstraße nördlich des Jugendzentrums“.

„Gegen Naturschutzgesetze wird hier nicht verstoßen“

Böltl hatte dazu den Landschaftsarchitekten Franz Damm vom Stadtplanungsbüro „Keller Damm Kollegen“ aus München eingeladen. Der Experte wies sämtliche Vorwürfe zurück. „Gegen Naturschutzgesetze wird hier nicht verstoßen“, sagte Damm. Zwar werde das Biotop entfernt und damit der Lebensraum der dort lebenden Tiere, unter anderem von seltenen Tagfaltern und Heuschreckenarten. Nachdem jedoch zwischen der Staatsstraße 2082 und der Wohnfläche nördlich der Schlehenstraße eine Ausgleichsfläche geschaffen werde, „ist das kein Verstoß gegen den Naturschutz“. Das sehe auch die Unter Naturschutzbehörde so.

Außerdem, ergänzte Damm, sei das Biotop, das entfernt wird, ein sogenanntes sekundäres, weil es vom Menschen geschaffen wurde und nicht natürlich entstand. „Genau so ein Biotop können wir also ein paar Hundert Meter weiter wieder entstehen lassen, wir tragen den Oberboden ab und werden sogar einige Soden mit umziehen – dann ist da ganz schnell wieder ein Biotop.“

Böltl: Keinerlei konkrete Rodungspläne

Marcel Proffert (LWK) wollte sich damit nicht zufriedengeben. „Es muss doch eine andere Lösung geben“, monierte er. Wolfgang Heinz-Fischer (FW) bemängelte derweil, dass die Bäume, die entfernt würden, auf Aschheimer Flur aufgeforstet würden. „Zudem verstehe ich nicht, warum jetzt erst großflächig gerodet wird, wenn wir dort zur Landesgartenschau wieder aufforsten.“

Bürgermeister Böltl unterstrich, dass es noch keinerlei konkrete Rodungspläne gebe. „Wir roden nur, was absolut notwendig ist zur Erschließung“, sagte er und Stephan Keck (SPD) ergänzte, dass am Ende sämtlicher Arbeiten Kirchheim deutlich mehr Waldflächen habe, als es jetzt der Fall ist.

Gegen die Stimmen von LWK, Grünen und Freien Wählern wurde der Flächennutzungsplan genehmigt.

Viel Grün, wenig Grau

Bürgermeister Maximilian Böltl erläuterte, welch‘ „außergewöhnliche Leistung“ der Gemeinderat mit der Änderung des Flächennutzungsplans vollbracht habe. Im alten Bebauungsplan aus dem Jahr 1979, der bereits die gleiche Gesamtfläche wie jetzt mit 124,5 Hektar behandelte, plante man noch, über 73 Hektar zu bebauen, so Böltl. Das wären 60 Prozent der Fläche gewesen. Jetzt würden nur noch 35,5 Hektar bebaut, rund 30 Prozent der Fläche. Gleichzeitig steigt die Grünfläche von 11,5 auf knapp 18 Hektar und die landwirtschaftliche Fläche von 40 auf 70 Hektar. Böltl: „Das ist eine vorausschauende ökologische Planung.“

Lesen Sie auch: Anwohner wehren sich gegen Kunstrasenplatz - doch Gemeinderat hält an Plänen fest

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