Eine Lehrerin
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Die Luftqualität im Klassenzimmer will die Gemeinde Kirchheim checken. (Symbolfoto)

Bei Orange: Lüften!

Per CO2-Ampel: Gemeinde checkt Luftqualität in Klassenzimmern

  • Bert Brosch
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Auch die Gemeinde Kirchheim überlegt, Luftfilteranlagen für die Grundschulen anzuschaffen. Erst einmal will sie mit einer CO“-Ampel aber herausfinden, wo überhaupt Bedarf ist.

Kirchheim – Intensiv diskutierte der Gemeinderat die Anschaffung von Luftfilteranlagen für die Grundschule. Die VFW hatte einen entsprechenden Antrag gestellt. Die Verwaltung sagte klar Nein, für 30 Räume würden Kosten von 100 000 Euro entstehen. Der Gemeinderat will nun in jedem Zimmer eine „CO2-Ampel“ aufstellen und erst einmal die Luftqualität messen. Dann soll über die Luftfilter entschieden werden.

Gefördert wird die Anschaffung der Luftreinigungsgeräte nach Angabe der Gemeindeverwaltung nicht, weil alle Klassenzimmer durch das Öffnen von Fenstern und Türen ausreichend belüftet werden könnten. Die Gemeinde müsste also die vollen 100 000 Euro berappen plus Montagekosten. Zudem dürfe man die erhöhte Lärmbelastung durch ein solches Gerät von 40 bis 60 Dezibel (dB) je nach Hersteller nicht vernachlässigen. Selbst mit Filteranlagen muss regelmäßig gelüftet werden, damit genug Sauerstoff im Raum ist. Außerdem könne ein solches Gerät nur die indirekte Ansteckung, etwa durch Aerosole, auf ein Minimum reduzieren, erläuterte die Verwaltung im Gemeinderat, eine direkte Ansteckung durch Tröpfchen- oder Schmierinfektion könne trotzdem stattfinden. Also müssten weiterhin die Schutzmaßnahmen aufrecht erhalten bleiben.

„Ein Luftreinigungsgerät im Klassenzimmer wäre eindeutig zu laut“

Eine Befragung der Schulleitungen habe keinen konkreten Bedarf ergeben. Die Rathausverwaltung lehnt die Anschaffung der Luftreinigungsgeräte für die gemeindlichen Grundschulen folglich ab.

Michaela Harlander (SPD), ausgebildete Physikerin, hatte sich selbst schlau gemacht und auch eigene Messungen durchgeführt. „Ich habe zu Hause bei mir gesucht, was in etwa 40 bis 60 dB laut ist, und fand heraus, dass meine Waschmaschine im Schleudergang 34 dB erzeugt. Ein Luftreinigungsgerät im Klassenzimmer wäre also eindeutig zu laut und würde wohl schnell ausgeschaltet“, sagte Harlander. Auch das von Thomas Jännert (FDP) vorgeschlagene leise Gerät scheidet aus. Es habe nur einen geringen Luftdurchsatz, man bräuchte viele Geräte, die über 170 000 Euro kosten würden.

Bei Orange heißt es lüften

Auf Vorschlag von Harlander einigte sich der Gemeinderat auf die Anschaffung von sogenannten „CO2-Ampeln“. Der Anteil von Kohlendioxid korreliere nämlich mit dem Anteil an Aerosolen, diesen winzigen Flüssigkeitstropfen, in denen theoretisch Covid 19-Viren enthalten sein können und die daher eine große Rolle bei der Corona-Ausbreitung spielen. Ein hoher CO2-Wert entspreche daher einem hohen Aerosol-Anteil und reduziere zudem die Aufmerksamkeit und das Lernverhalten Schüler.

In die etwa 30 Zentimeter große Ampel ist ein Infrarotsensor eingebaut, der den CO2-Gehalt in der Raumluft misst. Wird ein bestimmter Wert überschritten, springt die Ampel von Grün auf Orange, dann heißt es: Fenster auf! „Eine Ampel kostet 150 bis 200 Euro, dies wird auch noch gefördert durch den Landkreis“, sagte Harlander. „Nur dort, wo man nicht richtig lüften kann, etwa weil die Fenster zu klein sind, und der Wert hoch bleibt, da wollen wir ein Luftreinigungsgerät einbauen. Ich hoffe, dass die Ampeln rasch kommen.“

Auch Antragsteller Marcel Proffert (VFW) kann mit der Entscheidung gut leben: „Mir ging es darum, im Sinne der Familiengemeinde den bestmöglichen Schutz für Schüler, Lehrer und deren Angehörige trotz offenen Schulbetriebs zu ermöglichen. Dazu gehört es, Maßnahmen, wie den Einsatz von Luftfiltern zur Verringerung der indirekten Ansteckung durch virusbehaftete Aerosole, auch im Gemeinderat zu diskutieren.“

Über alle Entwicklungen rund um das Coronavirus im Landkreis München informieren wir in unserem News-Ticker.

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