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Giftzwerg: Dieser Mini-Percht ist so gefährlich, dass er an die Kette muss.

Wilde Gesellen mit grusligen Masken

Perchten lehren Heimstetten das Fürchten

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Über 300 Perchten und Krampusse  verwandelten den Innenraum des Räter-Einkaufszentrums (REZ) in Heimstetten zu einer brodelnden, qualmenden und pulsierenden Show.

Kirchheim – 30 verschiedene Gruppen aus Bayern und Österreich vertrieben unter lautem Gebrüll, Kettenrasseln und gewaltigen Glocken sowie natürlich viel Feuer und Rauch den Winter. Dazu legte „DJ Mad Mike“ auf. Das Publikum genoss die fast vierstündige Veranstaltung, die wie immer von Tobias Graf sowie Fritz Humpelmayr von der REZ-Centerleitung perfekt in Szene gesetzt war.

Perchtenläufe gibt es mittlerweile zahlreich in ganz Südbayern, doch so etwas wie die vierstündige Show mit über 300 Teilnehmern im REZ, die heuer zum achten Mal stattfand, im weiten Umkreis nicht. Dementsprechend kommen die Zuschauer auch aus der ganzen Region. Perchten sind wilde Gestalten im gesamten Alpenraum, die um die Wintersonnenwende am 21. Dezember auftreten und den Winter austreiben.

Gruslige Gesellen, 300 Perchten trieben dem REZ lautstark die bösen Geister aus.

Die zehn bis 25 Männer und Frauen einer Gruppe (sogenannten Passen) sind entweder gute „Schönperchten“, die trotz ihrer schaurigen Masken und des wilden Auftretens Glücks- und Segensbringer sind. Ganz anders verkörpern die „Schiachperchten“ oder Krampusse das Böse und ziehen mit lauter Rockmusik, Nebel, Feuer und Qualm an den Zuschauern vorbei, die durch stabile Gitter abgetrennt sind. Dank der Metallzäune trauen sich doch einige, die Deifin, Hexen und Monster, egal wie schaurig sie aussehen, zu locken und zu tratzen – so lange, bis diese mit vollem Tempo, lautem Gebrüll, Prügel schwingend und blutrot oder giftgrün blinkenden Augen in die Absperrungen rennen.

Ein Spektakel, das die Kinder besonders beeindruckt

Da zucken selbst die mutigsten Lausbuben zurück. Auch die Halbstarken und Erwachsenen sind froh, dass viele Monster mit dicken, rostigen Ketten um ihren Bauch von anderen Teufeln gebremst werden. Mit Glocken, Schellen und Rätschen treiben sie den Winter und das Böse aus dem Land, den Rest erledigen die kleinen und großen Hexen mit ihren Besen. Angeblich soll es sogar für die Fruchtbarkeit hilfreich sein, wenn eine Hexe mit ihrem Besen über die Schuhe kehrt. Wird man von einem Perchten gestreichelt, kann gar seinen Stier- oder Rossschwanz berühren, soll das Glück bringen fürs ganze Jahr. Meist wird das „Streicheln“ aber mit rußgeschwärzter Hand im Gesicht ausgeführt und wer nicht schnell genug zurückzuckt, der bekommt einen Schlag mit einem Besen oder Kuhschwanz auf den Hintern.

Keine Berührungsangst: So furchterregend sie auch aussehen mögen – den Kindern unter den Zuschauern tun die Perchten nichts. Im Gegenteil: Die Kleinsten genießen ihren besonderen Schutz.

Nur wenn Kinder sichtbar verängstigt oder gar weinend Deckung hinter den Eltern suchen, werden auch die wildesten Gesellen ganz zahm. Sie winken die Kinder dann zu sich und klatschen mit ihnen ab. „Wir wollen die großen Madln und Burschen, die frech sind, schon erschrecken – aber doch nicht die Kinder. Das sind unsere Freunde, die müssen keine Angst vor uns haben“, betont Nici von den „Thantos Teifin“ aus dem österreichischen Ens.

Auch Florian (9) aus Baldham und Joss (8) aus Vaterstetten warfen den vorbeiziehenden Gestalten verächtliche Gesten zu – in respektvollem Abstand von zwei Metern zum Gitter, „so kann uns keiner erwischen“, grinst Florian. Mutiger war da schon Danilo (11) aus Isen. Ganz vorne am Zaun versuchte er einen Schwanz oder Horn zu berühren. Als aber plötzlich ein riesiger Deifi, mit schwarzer Zottelmähne, langen Hörnern, blutgefletschten, langen Zähnen und rotblinkenden Augen auf ihn zurast, dagibt’s für den Knirps nur noch den Schutz hinter dem Papa. „Ich find die eigentlich total cool – aber das war echt zu viel“, sagt Danilo und beruhigt sich nur langsam. Den Rest des Zuges ist er vorsichtiger.

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