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Gigantisch groß: So soll das Rechenzentrum an der Marsstraße in Kirchheim aussehen.

Kirchheim: Riesiger Daten-Tresor entsteht an der Marsstraße

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Das Münchner Unternehmen „SpaceNet“ baut in Kirchheim ein großes Rechenzentrum. Es ist gesichert mit Panzersperren, Kameras und Sicherheitspersonal.

KirchheimDer zwölf Meter hohe, fast fensterlose Betonkubus an der Kirchheimer Marsstraße wird von doppelten Zäunen gesichert sein. Wie ein gewaltiger Tresor. Dazu Panzersperren, Kameras, Bewegungsmelder und Sicherheitspersonal, das ganze Gebäude rundum blickdicht bepflanzt und gesichert. „Unsere Kundendaten sind enorm wichtig“, sagt Sebastian von Bomhard (57), Vorstand der Münchner „SpaceNet AG“, die in Kirchheim ein 5400 Quadratmeter großes Data-Center baut. 37 Meter lang und 30 Meter breit, mit enorm dicken Mauern und Kühlschächten, die mehr als 17 Meter hoch sind.

Von Bomhard ist studierter Mathematiker, arbeitete lange als Programmierer sowie als Journalist für Computerzeitungen. Ende der 1980er-Jahre informierte er sich über ein neues Phänomen aus den USA: das Internet. Die damals wenigen Server wurden vernetzt, damit alle miteinander kommunizieren können. „Das fand ich toll, das wollte ich auch nach Bayern holen“, erzählt der gebürtige Gräfelfinger. Die Technik dazu gab es in Deutschland, doch exklusiv für Universitäten und Forschungsanstalten. „Ich wollte das für jeden. Das war schwierig, weil sich keiner für das Internet oder den Teilbereich world wide web interessierte“, sagt von Bomhard. Im Jahr 1993 gründete er dann mit zwei Kumpels „SpaceNet“. Heute ist das Unternehmen nach eigenen Angaben einer der führenden Internet-Serviceprovider in Bayern. „Wir konnten rasch wachsen, irgendwann entdeckten Firmen das Internet. Unsere Zielgruppe waren und sind bis heute mittelständische Unternehmen, darunter etwa Antenne Bayern und der MVV“, sagt von Bomhard.

Als Fullservice-Internet-Provider bietet „SpaceNet“ alles rund ums Internet: Hosting, E-Commerce, Cloud-Lösungen und Datenspeicher. Für einige der, laut von Bomhard, 1200 festen Kunden übernimmt das Unternehmen mit 125 Mitarbeitern die komplette Unternehmens-IT.

„Aus Kosten- und Sicherheitsgründen lagern immer mehr Firmen ihre sensiblen Daten in Rechenzentren aus. Wir betreiben daher bereits zwei Datencenter“, sagt von Bomhard. Nun entsteht das dritte, an der Marsstraße in Kirchheim. Hier vereinen sich laut von Bomhard alle wichtigen Standort-Voraussetzungen: So muss der Neubau unter anderem verkehrsgünstig gelegen und für größere Meetings geeignet sein, er darf nicht überflogen werden, nicht direkt neben Chemiebetrieben oder an einer Autobahn liegen. Schwere Unfälle und Unglücke dürfen keine Auswirkung auf die Daten haben, zudem darf Hochwasser kein Thema sein. Und natürlich muss eine gute Stromversorgung gewährleistet sein. Bis zu 72 Stunden sei das Data-Center aber autark vom öffentlichen Strom- und Wassernetznetz, sagt von Bomhard.

Das neue Rechenzentrum soll Speicherplatz für 280 Petabyte bieten. Ein Petabyte (PB) sind 1000 Billiarden Byte, eine 1 mit 15 Nullen. Zwar werden in Kirchheim ab Herbst 2018 nicht mehr als vier Menschen im Rechenzentrum arbeiten, doch wurde extra eine eigene GmbH gegründet. So partizipiert auch die Gemeinde über die Gewerbesteuer. Andere Unternehmen siedeln sich zudem erfahrungsgemäß gerne neben Rechenzentren an – dort liegen ja die ganz schnellen Leitungen im Boden.

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