+
Das zentrale und kostspielige Element: Der See samt aufwändiger Technik und der Brücke haben die Investitionssumme nach oben getrieben. Dem Gemeinderat gefällt der Entwurf aber.

„Wir schaffen ‘was Einzigartiges im Großraum München“

Die Kostenkröte lauert im See: So teuer wird der neue Ortspark in Kirchheim

  • Bert Brosch
    vonBert Brosch
    schließen

Eigentlich waren 8,5 Millionen Euro für den neuen Ortspark in Kirchheim vorgesehen. Doch der Neubau wird deutlich teurer, wie die Detailplanung nun zeigt.

Kirchheim – Der neue Ortspark, der im Zuge von Kirchheim 2030 entsteht, wird deutlich teurer. Waren zu Beginn noch 8,5 Millionen Euro veranschlagt, treibt die Detailplanung für See, Brücken, Geh- und Radwege sowie die vier Parkteile die Kosten nach oben. Inklusive Kostensteigerung und Risiko-Puffer geht die Gemeinde nun von 15 Millionen Euro aus.

Die Kostenkröte will der Gemeinderat allerdings schlucken. Das Gremium war begeistert von dem, was Landschaftsarchitekt Adolf Walter Faust vom Büro „Sinai“ aus Berlin ihnen in der Sitzung präsentierte: Der See zwischen Rathaus und Gymnasium wird das zentrale Element im Park sein. Er wird von Plattformen und Aussichtsplateaus gesäumt, von einer Brücke überspannt und umgeben von Schilfgräsern und einem Biergarten. Ein acht Meter hoher Aussichtspunkt, der „park peak“, ermöglicht jedem einen Überblick über das Areal, das neben Sportmöglichkeiten und einer Bolder- und Graffiti-Wand auch einen großen Platz für Märkte und Feste umfasst. Geh- und Schnellradwege, an denen große Leimholz-Bänke und Ruhe-Möbel stehen, durchziehen die grüne Oase.

Bürgermeister: „Ich war ja zunächst gegen den See...“

„Wir schaffen ‘was Einzigartiges im Großraum München, einen 7700 Quadratmeter großen, von Grundwasser gespeisten See, Spiel- und Liegebereiche, Erholungsecken, Wildnis, Wiesen, Gärten und Lichtungen“, schwärmte Landschaftsarchitekt Faust vom detaillierten Entwurf. Doch all das hat freilich seinen Preis. Im Vergleich zur ersten Kostenschätzung aus dem Jahr 2018 sei der See samt teurer Technik sowie die Brücke hinzugekommen. Zudem habe man auf Wunsch der Verantwortlichen die Geh- und Radwege verbreitert sowie die Brücke, die Parkwegbeleuchtungen optimiert und die Bushaltestellen überdacht. Hinzu kommen Parkpflege, ein Haus der Natur und Kunst im Park. Unterm Strich liege die Kalkulation nun bei 12,6 Millionen Euro, rechne man einen Risikopuffer sowie eine jährliche Kostensteigerung von drei Prozent mit ein, müsse man mit Kosten von knapp über 15 Millionen Euro rechnen.

Bürgermeister Maximilian Böltl (CSU) zeigte sich – wie fast der gesamte Gemeinderat – „voll überzeugt“ von der Planung: „Ich war ja zunächst gegen den See, doch der passt da perfekt rein.“

Freistaat fördert Ortspark

Mit dem zentralen Element kann sich Franz Glasl (JU) nur bedingt anfreunden. Er kritisierte die enorme Kostensteigerung. „Vor allem der See ist so teuer. Der ist flach und erwärmt sich rasch, muss also ständig umgewälzt werden.“ Der Vorschlag seiner Fraktion: auf den Südteil und die Brücke verzichten, um Geld zu sparen. Sein Antrag wurde nach einem Plädoyer von Landschaftsarchitekt Faust für den Erhalt des Sees („Es ist ein Erlebnis, über dem Wasser zu stehen“) mit 5:17 abgelehnt.

Die Gemeinde rechnet, wie Böltl, erläuterte zudem mit rund fünf Millionen Euro an Förderung durch den Freistaat, „da relativieren sich die Baukosten doch etwas“. Für Ewald Matejka (SPD) sind Park und See wichtige und exzellente Argumente für die Ansiedelung von Firmen, „außerdem haben wir da bestimmt noch nicht alle Fördermittel ausgeschöpft“.

Dann soll der Bau beginnen

Der Gemeinderat billigte die Kostenschätzung einstimmig. Je nach Haushaltslage muss er im Dezember aber entscheiden, ob man auf einzelne Punkte verzichten kann. Zusätzlich wurde das Landschaftsarchitekturbüro „Sinai“ beauftragt, eine direkte Verbindung von der S-Bahn zum REZ und weiter zum Park zu planen.

Mit dem Baubeginn für den Park rechnet Architekt Faust derweil – so alles nach Plan verläuft – im dritten Quartal 2021. Der See, der am längsten dauere, soll im ersten Quartal 2022 angelegt werden. „Bis Herbst 2023, also ein knappes Jahr vor der Landesgartenschau, wollen wir mit allem fertig sein“, versprach Faust.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Corona-Fall nach Abi-Reise: 92 Schüler betroffen - so verteidigt sich der Veranstalter
Nach einer privat organisierten Korfu-Reise von Abiturienten aus Grafing und Vaterstetten wurde ein Schüler positiv auf das Coronavirus getestet. Es folgte eine …
Corona-Fall nach Abi-Reise: 92 Schüler betroffen - so verteidigt sich der Veranstalter
Coronavirus im Landkreis München: Die Zahl der Infizierten bleibt gleich
Das Coronavirus versetzte den Landkreis München in den Ausnahmezustand. Doch die Infektionen werden deutlich weniger. Alle Infos hier im Ticker.
Coronavirus im Landkreis München: Die Zahl der Infizierten bleibt gleich
Obdachloser (37) onaniert bei Spielplatz -Spaziergängerin ruft zweimal Polizei
Ein Obdachloser hat bei einem Spielplatz in Grasbrunn onaniert. Die Polizei nahm ihn noch vor Ort fest.
Obdachloser (37) onaniert bei Spielplatz -Spaziergängerin ruft zweimal Polizei
Einbrecher klauen am Wochenende teuren Schmuck
Schmuck im Wert von mehreren 10.000 Euro haben jetzt Einbrecher in Straßlach erbeutet. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen.
Einbrecher klauen am Wochenende teuren Schmuck

Kommentare