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Volles Haus, aber nicht jeder Zuhörer bezahlt den vollen Preis: In Kirchheim kam ein Kreis von gut 250 Personen bislang in den Genuss von Freikarten. Ab der nächsten Kulturreihe „Kirchheim Vokal“ (ab 11. Juni) ist damit Schluss.

Nach Rüge des Prüfungsverbands

Kirchheim streicht Gemeinderäten die Kultur-Freikarten

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Kirchheim - Kirchheim muss seinen Gemeinderäten und -mitarbeitern die Freikarten fürs Kulturprogramm streichen. Die Ehrenamtlichen trifft es auch. Schuld ist eine Rüge des Bayerischen Kommunalen Prüfungsverbands.

Der Bayerische Kommunale Prüfungsverband (BKPV) hat moniert, dass die Gemeinde Kirchheim Gemeinderatsmitgliedern und Gemeinde-Mitarbeitern kostenlose Karten fürs Kulturprogramm zukommen lässt. Daraufhin hat der Gemeinderat dieses Zuckerl gestrichen; zusätzlich gleich auch noch alle Freikarten für Ehrenamtliche. Es geht um einen Kreis von gut 250 Personen, die bislang in den Genuss von Karten gekommen sind, insgesamt um gut 500 Freikarten.

Es trifft auch die Ehrenamtlichen

 Dieses Mal war es nicht das selbst auferlegte Spardiktat, das den Gemeinderat zum Handeln zwang. Auch wenn heuer für Kabarett, Konzerte und sonstige kulturelle Veranstaltungen mit einem Defizit von gut 23 000 Euro kalkuliert wird. Nun war es die höchste Prüfungsinstanz in Bayern, die die bisherige Praxis der Freikarten für Gemeinderäte und Beschäftigte der Gemeinde kritisierte. „Die prüfen stichprobenartig und wollen immer etwas finden, das letzte Mal strichen sie Geburtstagsgeschenke, jetzt eben die Eintrittskarten“, berichtete Bürgermeister Maximilian Böltl (CSU). Wobei es nicht um die Anzahl der Karten gehe, sondern um die generelle Praxis.

"Grundsätzlich nicht zulässig"

Demnach seien die Mitglieder des Gemeinderats zwar ehrenamtlich tätig, erhielten dafür aber eine Entschädigung in Form von Sitzungsgeld, Ersatz des nachgewiesenen Verdienstausfalls oder Reisekosten. Weitere Entschädigungen seien weder in der Gemeindeordnung noch in der Hauptsatzung vorgesehen. Der BKPV hält daher zusätzliche Zuwendungen in Form von kostenlosen Eintrittskarten „für grundsätzlich nicht zulässig“. Dies sei auch nach dem Grundsatz der sparsamen und wirtschaftlichen Haushaltsführung nicht gerechtfertigt und gelte für Gemeinderatsmitglieder ebenso wie für Beschäftigte der Gemeinde.

Laut Johannes Pinzel, Rathaus-Geschäftsleiter, erachtet die Verwaltung die Auffassung des BKPV für zutreffend und wolle bereits für die nächste Kulturreihe „Kirchheim Vokal“ (ab 11. Juni) die kostenfreie Ausgabe von Eintrittskarten einstellen. 

Susanne Merten-Wente (Grüne) hat damit kein Problem, merkte jedoch an: „Wenn wir keine Karten mehr bekommen, dann bitte auch die vielen Vereinsvorsitzenden nicht mehr, das sind ja auch Ehrenamtliche.“ Es handelt sich dabei um mehr als 250 Personen, also über 500 Karten, wie Böltl auf Nachfrage von Rüdiger Zwarg (Grüne) sagte. „Doch die Freikarten für Ehrenamtliche sind rechtlich zulässig“, sagte Böltl. Er selbst, so der Bürgermeister, bezahle seine Karten immer und habe nie Freikarten.

Bleiben jetzt viele Plätze leer?

Die Streichung sämtlicher Freikarten hält Marcel Prohaska (SPD) für falsch. „Dann werden einige Veranstaltungen verdammt leer sein!“ Marcel Proffert (LWK) meinte, dass man sich Gedanken darüber machen solle, warum manche Veranstaltungen nur mit Freikarten zu füllen seien. Mit jeweils 18:5 Stimmen beschloss der Gemeinderat, künftig keinerlei Freikarten mehr an Gemeinderäte, -mitarbeiter und Ehrenamtsträger zu verteilen. Ob dies auch auf die Bürger mit Ehrenmedaillen zutrifft, wird die Verwaltung prüfen.

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