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Die Fußballer in Kirchheim dürfen sich auf einen Kunstrasenplatz freuen. Der wird aber ohne Granulat sein.

„Wir Anwohner sind nicht die Fußabtreter des Sports“

Trotz Nachbar-Protest: Gymnasium bekommt Kunstrasenplatz - um 19.30 Uhr muss aber Ruhe sein

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Die Anwohner hatten sich dagegen gesträubt - aus Angst vor Lärm. Doch der Kunstrasenplatz am Gymnasium wird gebaut. Die Sportler müssen aber Trainingszeiten einhalten.

Kirchheim – Neben das neue Gymnasium wird ein Kunstrasenplatz gebaut. Dies beschloss der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung mehrheitlich und setzte sich damit gegen zahlreiche Anwohner-Proteste durch. Als kleinen Erfolg können die Bewohner des Lindenviertels verbuchen, dass die Kicker des SV Heimstetten und des Kirchheimer SC ihren Trainingsbetrieb abends um 19.30 Uhr einstellen müssen.

Auf Antrag der beiden Sportvereine, die enormen Zulauf beim Fußballnachwuchs, aber zu wenige Trainingsplätze haben, beschloss der Gemeinderat im Juli 2019, dass der neue Sportplatz am Gymnasium auch für eine „außerschulische Nutzung“ zur Verfügung stehen soll. Damit war klar, dass kein Natur-, sondern ein Kunstrasen her muss. Denn die hohe Belastung jeden Abend durch Fußballstollen, auch im Winter oder bei Regen, überlebt kein natürliches Grün.

„Stelle den Antrag, dass die dort ohne Trillerpfeifen sporteln müssen“

Bereits damals beschwerten sich die Anwohner des angrenzenden Lindenviertels. „Wir waren zuerst da, jetzt bekommen wir jeden Abend Dauerlärm bei Flutlicht – unsere kleinen Kinder gehen oft um 20 Uhr ins Bett und wir können nicht mehr auf der Terrasse sitzen oder das Fenster offen lassen“, fasste Constanze Friemert als Sprecherin der Anwohner den Ärger zahlreicher Nachbarn zusammen. Ihre Forderung: „Ich stelle den Antrag, dass die dort ohne Trillerpfeifen sporteln müssen. Wir Anwohner sind nicht die Fußabtreter des Sports.“

Unterstützung bekam sie von Gemeinderat Marcel Proffert (LWK). Er plädierte für einen Naturrasen, „da kann man dann auch Speer- oder Diskuswurf drauf machen beim Schulsport oder für Leichtathletik“. Fußballplätze sollten der KSC oder der SVH doch bitte auf ihrem Gebiet bauen, „nicht mitten in ein Wohngebiet“. Auf ihren Sportanlagen, wandte Bürgermeister Maximilian Böltl (CSU) erwiderte, haben die beiden Vereine allerdings keinerlei verfügbare Flächen. „Außerdem habe ich während meiner Schulzeit, die ja noch nicht so lange her ist, nie gehört, dass man Speer- oder Diskuswurf beim Schulsport machen muss.“

Kunstrasen ohne Granulat

Gleichzeitig gab Böltl ein Stück Kunstrasen durch die Reihen der Gemeinderäte, „der ist ohne Granulat, daher gibt es auch kein Mikroplastik, das wird schon erfolgreich eingesetzt beispielsweise in Dachau.“ Ewald Matejka (SPD), 15 Jahre Vorsitzender des SVH, und Petra Mayr (CSU), Vorsitzende des KSC, lobten die Lösung mit dem unverfüllten Kunstrasen. „Ich denke trotzdem, dass die Variante mit Granulat für die Sportler besser wäre, da kann man nämlich rutschen und bremst nicht so abrupt, das gibt bestimmt mehr Verletzungen“, befürchtete Matejka.

Stephan Keck (SPD) wollte sich nicht auf eine bestimmte Art des Kunstrasens festlegen, „es gibt aktuell so viele Neuentwicklungen und wir bauen den Platz erst 2022, da haben wir genügend Zeit für eine Entscheidung, vielleicht kommt ja noch etwas ganz Neues bis dahin.“ Der Schulzweckverband als Auftraggeber von Gymnasium und Sportanlagen möchte laut Böltl jedoch schon jetzt von der Gemeinde eine Entscheidung haben bezüglich Kostenübernahme und Art des Platzes, damit deren Planungen weiter gehen können.

Mit 16:3 Stimmen entschied sich der Gemeinderat für den Kunstrasenplatz ohne Granulat und stellt für Flutlicht und Gerätehaus 433.500 Euro bereit. Die Fußballer müssen allerdings spätestens um 19.30 Uhr ihren Trainingsbetrieb einstellen. BERT BROSCH

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