Raser-Eldorado: Schnurgerade Straße, keine mobile Geschwindigkeitsanzeige und schlecht sichtbare Tempo 30-Markierungen. Ein Bürger ist der Meinung: In der Heimstettener Straße wird gerast. Jetzt kommt Tempo 20. bert brosch
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Raser-Eldorado: Schnurgerade Straße, keine mobile Geschwindigkeitsanzeige und schlecht sichtbare Tempo 30-Markierungen. Ein Bürger ist der Meinung: In der Heimstettener Straße wird gerast. Jetzt kommt Tempo 20.

Vorerst während Bauphase

Wegen Rasern: Nur noch Tempo 20 an Schule

Die Heimstettner Straße in Kirchheim lädt offenbar zum Rasen ein. Das Problem: Sie führt an einer Schule vorbei. Nun will die Gemeinde das Tempo auf 20 km/h drosseln.

Kirchheim – Die Bürgerversammlung in Kirchheim ist wegen der Pandemie ausgefallen, die Bürger konnten ihre Anträge dennoch schriftlich bei der Gemeinde einreichen. Einer davon war von Markus Kunze. Er kritisierte, dass auf der Heimstettner Straße zwischen Grund- und Mittelschule sowie Gymnasium viel zu schnell gefahren werde. Jetzt reagierte der Hauptausschuss.

Kunze hatte detailliert dargelegt, dass seiner Meinung nach durch die Baustelle für das neue Gymnasium sowie den Durchstich der Heimstettner Straße zur Räterstraße wesentlich schneller gefahren werde im Bereich der Schulen. Weil auch die mobile Geschwindigkeitsanzeige auf Höhe der Grund- und Mittelschule als Regulativ hin zum Durchstich versetzt worden sei, würden sich die Autofahrer überhaupt nicht mehr an Tempo 30 halten. „Das aufgemalte Tempolimit ist zudem verblichen, so verleitetet die schnurgerade Straße geradezu zum Rasen“, schrieb Kunze.

Er forderte daher eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 20 km/h und die erneute Installation des Tempomessers an der Grund- und Mittelschule. In der Dezember-Sitzung beschloss der Gemeinderat, dass die Verwaltung den Antrag und die Vorwürfe prüfen sollte.

Tempo-Messungen zeichnen ein anderes Bild

Diese Prüfung kam zum Ergebnis, dass es eine „Anordnungsbefugnis“ für Geschwindigkeiten unter 30 Stundenkilometer in der Straßenverkehrsordnung gar nicht gebe. Deshalb habe man bislang auf eine Stellungnahme der Polizei verzichtet. Zudem sei die Behauptung der Geschwindigkeitsüberschreitungen anhand von Messungen der kommunalen Verkehrsüberwachung nicht eindeutig belegbar. Seit September 2018 wurde an einer Messstelle der fließende Verkehr in der Heimstettner Straße auf Höhe der Grund- und Mittelschule bis Dezember 2020 an 21 Terminen, somit fast einmal pro Monat, überwacht. Gemessen wurden 8642 Fahrzeuge, davon waren 361 zu schnell, was einem Anteil von 4,2 Prozent entspricht. Davon fuhren 255 Autos weniger als 10 km/h zu schnell, 82 Fahrzeuge waren 11 bis 15 km/h zu schnell und 23 lagen zwischen 16 und 20 km/h. Im punktebewährten Bereich, also einer Geschwindigkeitsüberschreitung über 21 Kilometer, war lediglich ein einziges Fahrzeug mit 56 km/h.

„Wenn hier also wirklich im großen Maßstab gerast würde, hätten wir längst etwas unternommen“, sagte Bürgermeister Maximilian Böltl (CSU). Der Vorschlag von Christian Zenner (Grüne), während der Baustellen-Phase auf 20 Stundenkilometer zu begrenzen, wurde mit 6:5 Stimmen angenommen. Zuvor soll eine Stellungnahme der Polizei eingeholt werden. Mit 6:5 Stimmen abgelehnt hat der Ausschuss, den Antrag, die mobile Geschwindigkeitsanzeige wieder vor die Schule zu versetzen.

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