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Verstreicht hier eine Chance? Der vorläufige Mietvertrag, den die Klinik-Initiatoren für das Bürogebäude an der Sonnenstraße in Kirchheim geschlossen haben, läuft in drei Wochen aus. Er war schon einmal verlängert worden.

Widerstand aus den Nachbarlandkreisen

Kirchheimer Klinik steht vor der Entscheidung

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  • Charlotte Borst
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Die Zeichen stehen auf Entscheidung: Für die Klinikneugründung in Kirchheim geht es jetzt um Alles. 2,5 Jahre haben sich die Befürworter für eine Vorzeigeklinik engagiert. Jetzt liegt es am Gesundheitsministerium. Doch aus den Nachbarlandkreisen regt sich massiver Widerstand gegen das Projekt. 

Kirchheim – Die Initiatoren des „Klinikum München Land Kirchheim“ (KMK) haben über ihren Anwalt erwirkt, dass der Krankenhausplanungsausschuss am 17. Juli eine zusätzliche Sitzung abhält. „Danach muss Gesundheitsministerin Melanie Huml entscheiden“, sagt Franz Gruber. Er hat das 180-Betten-Projekt initiiert und kämpft gemeinsam mit den Professoren Andreas Sendler und Rudolf Hipp seit Januar 2015 für die Realisierung des modernen Krankenhauses.

Ebersberger Landrat befürchtet „Rosinenpickerei“

Sie haben Briefe an Ministerpräsident Horst Seehofer, und Finanzminister Markus Söder geschrieben und mit Wirtschaftsminiserin Ilse Aigner gesprochen. „Alle haben zugesagt, dass sie ein Wort bei Ministerin Huml einlegen“, sagt Franz Gruber, 68, selbständiger Kameramann und Videofilmer aus Kirchheim. Gruber war selbst Krebspatient – mit schlechter Prognose. „Mir wurde gesagt, dass ich noch sechs bis neun Monate zu leben hätte.“ Sein Glück sei gewesen, dass er an Professor Sendler geraten sei. Der Tumorchirurg habe damals in einer Münchner Klinik eine Umgebung geschaffen, in der er gesunden konnte.

Doch es regt sich erheblicher Widerstand: Die Ministerin hatte durch eine Umfrage unter den Landräten der Nachbarlandkreise erfahren, dass kein Bedarf für eine neue Klinik gesehen wird. Die Landräte befürchten wirtschaftliche Einbußen für ihre eigenen Kreiskrankenhäuser. Die neue Klinik in Kirchheim soll auf Onkologie, Tumor- und Wirbelsäulenchirurgie ausgerichtet sein, eine Station für Innere Medizin und eine 24-Stunden-Notaufnahme haben. Sie wird damit zur Konkurrenz für die Kreisklinik Ebersberg werden.

Das aber, so Gruber, dürfe bei der Entscheidung nicht den Ausschlag geben: „Das Projekt ist so besonders, es geht nicht an, dass Lobbydenken Priorität bekommt vor der bestmöglichen medizinische Versorgung der Bürger.“

Für die einen ist der Standort ideal, für die anderen ist das ganze Projekt schlicht überflüssig. Seine Kritik an den Plänen erneuerte der Ebersberger Landrat Robert Niedergesäß (CSU) bei einem Gespräch mit derEbersberger Zeitung: „Das Projekt ist nicht bedarfsnotwendig für die Region“, sagte der Landrat und befürchtet „Rosinenpickerei“. Auch die Oberbürgermeister aus München und Erding, Dieter Reiter und Max Gotz, sowie der Freisinger Landrat Josef Hauner würden das so beurteilen, berichtet Niedergesäß. „Ärzte dürfen sich nicht überall niederlassen, Kliniken anscheinend schon“, kritisiert Landrat Niedergesäß, dass sich die Initiatoren des Projektes auf das Grundgesetz und die Berufsfreiheit berufen.

Der Münchner Kreistag steht hinter der Klinik. Denn auch wenn die Grundversorgung gewährleistet sei, so wären eine weitere Verbesserung, insbesondere der Notfallversorgung und des fachärztlichen Angebotes im Sinne der Bürger, sagt Göbel. Er teilt die Bedenken der Kollegen nicht: „Vor allem im Hinblick auf das zu erwartende Bevölkerungswachstum im Landkreis München halte ich das Projekt für besonders bedeutsam.“

Doch das neue Krankenhaus muss in den bayerischen Krankenhausplan aufgenommen werden. Eigentlich tagt der beratende Krankenhausplanungsausschuss des Gesundheitsministeriums zweimal pro Jahr, im Frühjahr und im Herbst. Doch für Montag, 17. Juli, wurde eine zusätzliche Sitzung erwirkt, teilt das Ministerium mit. Die letzte Hoffnung der KMK-Betreiber für einen Durchbruch.

Die Bedenken aus dem Landkreis Ebersberg glaubte Professor Sendler eigentlich bei einem Treffen ausgeräumt zu haben. Mit der dortigen Kreisklinik strebt er eine enge Kooperation an. „Wir werden Patienten an die sehr gute Urologie und Kardiologie nach Ebersberg weiterschicken, da fungieren wir als Portalklinik und machen das, was die Kassen immer fordern, Schwerpunkte bilden.“

Berechtigte Konkurrenzsorgen oder Neidhammelei?

Auch Personal wolle man nicht abwerben. „Das haben wir Landrat Niedergesäß und Klinik-Geschäftsführer Stefan Huber zugesichert.“ Eine ursprünglich geplante Palliativstation hätten die KMK-Betreiber sogar fallen lassen, „weil die Ebersberger signalisiert haben, dass ihre Palliativstation nicht voll ist. Mehr Entgegenkommen geht nicht.“

Auch Franz Gruber ist irritiert. „Ich war der Meinung, dass wir uns geeinigt haben“, wundert sich der 68-Jährige: „Sie haben Angst vor 180 Betten, das ist Quatsch bei 23 000 Betten in München!“ Den Vorwurf der Rosinenpickerei weist er zurück. „Hier geht’s eher um Neidhammelei gegenüber einem modernen Konzept.“

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