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Christoph Leicher ist Geschäftsführer von Leicher Engineering in Kirchheim

Wertschätzung ist Stellschraube des Erfolgs

Kirchheimer Unternehmen für Nachhaltigkeitspreis nominiert

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Soziale Verantwortung, ein würdiger Umgang mit Mitarbeitern und faire Löhne – all das ist Christoph Leicher, Geschäftsführer der Leicher Engineering GmbH aus Kirchheim, in seinem Unternehmen wichtig. Als eine von fünf bayerischen Firmen ist der Familienbetrieb, der mechanische Bauteile entwickelt, jetzt für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis in der Kategorie „kleine und mittlere Unternehmen“ (KMU) nominiert worden.

Kirchheim –  Am Stehtisch empfängt Christoph Leicher seine Gäste und berichtet von der langen Geschichte seines Unternehmens, das er seit 25 Jahren führt. „Mein Urgroßvater Franz war Schlosser und Tresorbauer, der gründete das Unternehmen 1870 als „königlich bayerischer Hoflieferant“ in der Münchner Löwengrube.“ Im Jahr 1901 übernahm man eine Drehteile-Fabrik, seither wurden Schrauben aller Art beim „Schrauben Leicher“ produziert. Im Jahr 1973 der Umzug nach Kirchheim mit der Sparte Schrauben.

Berufswunsch war einst ein anderer

Christoph Leicher war in seiner Jugend ein Tier-Fanatiker, wollte eigentlich zu Konrad Lorenz und Verhaltensforscher werden. Er entschied sich dann doch für die Technik, weil die ihm zukunftssicherer schien. „Als ich 1983 nach dem Maschinenbau-Studium ins elterliche Unternehmen einstieg, war meine erste Handlung die Erstellung der „Schraubenfibel“. Sie sollte das Standardwerk für jeden werden, der eine Schraube suchte. Und das wurde sie auch“, sagt Leicher stolz.

Neue Geschäftsidee muss her

Irgendwann kauften die deutschen Handwerker und Maschinenbauer aber nicht mehr Schrauben „Made in Germany“, sondern nur noch nach dem Preis. Im Jahr 2000 entschied Leicher sich daher, das Schrauben- und Tresorgeschäft komplett aufzugeben. „Meine Mitarbeiter und ich stießen immer wieder auf Probleme von Kunden oder Partnern, die sich beklagten, dass Maschinen oder mechanische Bauteile nicht richtig funktionierten, es Stillstände, Produktionsausfälle gab.“ Das neue Geschäft für „Leicher Engineering“ war gefunden: Mechanische Bauteile aus Metall oder Kunststoff optimieren zum Nutzen der Anwender und zur Reduzierung der Kosten.

Was sich hochtrabend anhört, reicht von Nudel-Maschinen über Teigkneter, Fassadenelemente, Druckmaschinen, Düsen, Zahnräder und Schrauben bis zu Motoren. Über 175 Millionen Teile sind es jährlich. „Wir suchen für unsere Kunden die besten Lieferanten und versuchen, Bauteile zu optimieren“, sagt Leicher. Seine Kunden wie auch Lieferanten sitzen weltweit, 90 Prozent außerhalb Deutschlands, über die Hälfte sogar außerhalb Europas. „Unser Lager befindet sich in Salzburg, aber unsere Ideen und das moderne Qualitätslabor befinden sich hier in Kirchheim.“

Soziale Verantwortung

Von Anfang an standen bei Leicher, der auch Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses München Land ist, ökologische Aspekte und das klare Bekenntnis zur sozialen Verantwortung im Mittelpunkt seines wirtschaftlichen Handelns. Schon 1995 wurde das Unternehmen ISO 9001-zertifiziert. Das bedeutet, dass jeder Arbeits- und Produktionsschritt für alle Kunden nachvollziehbar dokumentiert ist. „Wir lehnen nach dem internationalen CSR-Abkommen Kinderarbeit ebenso ab wie menschenunwürdige Arbeitsbedingungen und stehen für eine faire Entlohnung aller Menschen, die für uns tätig sind – egal wo“, unterstreicht Leicher. 35 Mitarbeiter beschäftigt der Betrieb derzeit.

Zum Wohl der Mitarbeiter

Ebenso, wie er sich für seine internationalen Partner einsetzt, will er auch in Kirchheim engagierte, motivierte Mitarbeiter, die möglichst lange bei ihm bleiben. Dafür gibt es moderne, helle Büros, jeder kann bald seinen Schreibtisch hochfahren zum Stehtisch, kann sich kostenfrei gesundheitlich beraten und sogar massieren lassen. Es gibt kostenfreies, frisches Obst, Wasser und ein Mittagsmenü – natürlich frisch gekocht. „Unsere Azubis müssen sich ökologisch engagieren für unsere Mauersegler, Sträucher und Blumenwiesen sowie unseren Teich mit Fröschen und Kröten“, sagt Leicher. Natürlich wolle und müsse sein Unternehmen Geld verdienen – aber eben mit Anstand und ohne die Natur unnötig zu belasten.

Kostenfreie E-Ladestationen

Dafür hat Leicher, der selbst auch ein Elektroauto fährt, kürzlich sechs Ladestationen für Elektroautos und –Räder installieren lassen. Die kann jeder Kunde und Mitarbeiter kostenfrei nutzen. „Ich muss als Unternehmer etwas unternehmen, nicht nur reden.“ Als Mittelständler müsse er ständig kreativ sein, um Aufträge wie auch Mitarbeiter zu bekommen und diese dann auch zu halten. Daher sei die Fluktuationsrate sehr gering im Betrieb.

Preisverleihung am 7. Dezember

Das gesamte Paket aus Ökonomie, Ökologie und sozialer Verantwortung ist dafür verantwortlich, dass Leicher Engineering für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis nominiert wurde. Seit 2011 wird der jährlich von der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis gemeinsam mit der Bundesregierung und kommunalen Spitzenverbänden an Unternehmen vergeben. Am 7. Dezember ist die Preisverleihung in Düsseldorf.

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