Abgeholzt wird erst nach langer Diskussion

Komplizierte Debatte um Baumfällungen in Kirchheim

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Geplante Baumfäll-Arbeiten diskutiert der Kirchheimer Gemeinderat derzeit sensibel – abgeholzt wird trotzdem

Kirchheim – Nicht leicht macht es sich die Gemeinde Kirchheim derzeit bei der Entscheidung, ob ein Baum geschützt und erhalten werden – oder sie die Erlaubnis für eine Fällung erteilen soll. Für letzteres sind gute Gründe nötig, die der Gemeinderat ausführlich diskutiert. Oft schließlich doch mit dem Ergebnis der Fällung.

Diese Debattenfreudigkeit könnte auch daran liegen, dass Bürgermeister Maximilian Böltl (CSU) derzeit mit eisigem Gegenwind aus der Bevölkerung zu kämpfen hat, was die Rodung am Kirchheimer Wall angeht, über die sich so manche Bürger getäuscht fühlen. „Jeder Baum braucht einen Fürsprecher“, betonte der Rathauschef nun mit Blick auf andere Rodungsvorhaben. Und: „Er hat ja sonst niemanden der sich für ihn einsetzt.“

Erste Instanz ist das Kirchheimer Umweltamt, das nach Begutachtung des fraglichen Baums dem Bauausschuss eine Empfehlung ausspricht. Seit 2014 läuft das so, verbunden mit der Verpflichtung für den Antragsteller, dass er im Falle einer Fällung eine Ersatzpflanzung bezahlen muss, erläuterte Böltl.

Jede Fällung wird ausführlich debattiert

Und so kommt es nun bei jedem Baum, der zur Fällung ausgeschrieben steht, zu einer Einzelfallentscheidung zwischen dem Recht des Anwohners und dem des Baums. Das hat ausgiebige Diskussionen zur Folge, wie etwa bei einem Feldahorn, der auf Gemeindegrund am Spielplatz Wiesenweg steht, und den die Anwohner der Graf-Andechs-Str. 37 gerne fällen lassen würden. Er verschatte den benachbarten Garten, die herunterfallenden Früchte seien störend, das Wurzelwerk zerstöre die umliegenden Rasenstücke und Anpflanzungen. Dem Umweltamt reicht das bei dem gesunden Baum nicht.

„Für mich ist die Sicht des Umweltamts doch sehr subjektiv“ meinte Ewald Matejka (SPD), da stimme die Verhältnismäßigkeit nicht. Die Anwohnerinteressen seien für ihn gewichtiger, zumal der Baum auch noch wachse und künftig zu weiteren Problemen und Beschwerden führe. „Der Schutz des Eigentums geht hier vor.“

Die Durchwurzelung und „auch, dass er seine eigentliche Aufgabe für Schatten am Spielplatz zu sorgen, nicht erfüllt“, sind für Ilse Pirzer (SPD) Grund, dass der Baum weichen muss. Da jedoch das Umweltamt Durchwurzelung und Verkehrssicherheit noch nicht abschließend geprüft hat, hat der Ahorn noch eine Schonfrist, bis ein Ergebnis vorliegt.

Die Tage von zwei Robinien an der Zugspitzstraße, die zu nah an der Häuserfassade stehen, einer Rosskastanie in der Feldkirchener Straße zugunsten einer Gartenneugestaltung sowie einer Tanne am Theresienweg jedoch sind gezählt. Die Tanne steht auf Privatgrund direkt am Haus von Marianne Wiese, die seit 35 Jahren dort wohnt, „mittlerweile ist sie so groß, dass sie schon fast über das Haus wächst, und sie wächst noch weiter.“ Sie habe massive Beeinträchtigungen, „aber ich werde wieder einen Baum pflanzen und dafür auch die Kosten übernehmen.“

So große Bäume sind einfach störend und „haben dort nichts zu suchen“, argumentierte Franz Graf (CSU), einem Argument dem die Räte einstimmig folgten. „Eine Entscheidung, die wir uns natürlich früher gewünscht hätten, denn nun können wir aufgrund der Baumfäll-Schonfrist bis September erst einmal wieder nichts machen“, bedauert Bernd Pfisterhammer, Sprecher der Eigentümergemeinschaft, die Wieses Anliegen unterstützt. „Leider sind unsere Bemühungen, im Januar auf die Tagesordnung zu kommen, gescheitert.“ SABINA BROSCH

Rubriklistenbild: © dpa / Christian Charisius

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