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Grant und Susi wollen unbedingt beim Betreuten Klettern in Heimstetten mitmachen. Grant kann nach einer Gehirnoperation fast alles wieder wie früher, nur viel langsamer. 

„Betreutes Klettern“

„Hochgezogen wird hier keiner!“

Die Gemeinde Kirchheim, der SV Heimstetten und die Kletterhalle „High East“ bieten morgen und in einer Woche kostenlose Kletterkurse für Menschen mit und ohne Behinderung an.

Kirchheim – Sozialreferent Christian Freund ist enttäuscht. „Angemeldet hatten sich bei mir viele Interessenten. Warum die jetzt nicht gekommen sind, verstehe ich nicht“, sagte er bei der Präsentation des Projekts „Betreutes Klettern für Menschen mit und ohne Handicap“. Gemeinsam mit der Abteilung „Sportklettern“ des SV Heimstetten sowie der Kletterhalle „High East“ will die Gemeinde am Freitag, 24. März, und am Donnerstag, 30. März, zwei Schnuppertage durchführen. „Vielleicht kommen dann ja mehr Leute!“, hofft Freund.

Die Idee zum „Betreuten Klettern“ entstand vor knapp einem Jahr. Im Mai 2016 traf sich in Kirchheim erstmals das „Forum für Menschen mit Behinderung“. Von den 1200 Menschen, die einen Schwerbehinderten-Ausweis haben, kamen über 100. „Danach gab es einen 16-köpfigen Arbeitskreis, in dem wir gemeinsam Projekte erarbeitet haben“, berichtet Freund. Eines davon: das betreute Klettern.

Münchner Initiative als Vorbild

Vorbild ist die Münchner Initiative „MS on the Rocks“: Seit über zehn Jahren werden hier Menschen mit Multipler Sklerose von erfahrenen Kletter-Trainern angeleitet. „Daran sieht man, dass wirklich jeder klettern kann“, sagt Petra Kolb, Abteilungsleiterin „Sportklettern“ beim SV Heimstetten. „Das wollen wir auch in Kirchheim anbieten.“

Dritter Partner des neuen Kirchheimer Projekts ist die Kletterhalle „High East“ im Gewerbegebiet Heimstetten: Sie bietet nicht nur Sonderpreise an, sondern stellt auch Trainer bereit sowie Equipment zum Ausleihen. „Acht mal zwei Stunden kosten 76 Euro inklusive Trainern, dazu kommen vier Euro Eintritt und drei Euro für das Ausleihen von Kletterschuhen“, erläuterte Ursi Müller von „High East“.

Notwendig ist allerdings aus Versicherungs-Gründen, ergänzt Kolb, dass jeder Teilnehmer Mitglied beim SV Heimstetten wird. Der Mitgliedsbeitrag liegt bei 100 Euro im Jahr. „Ich weiß schon, dass das nicht billig ist, aber die Versicherungen sind einfach sehr teuer – auch wenn man es privat versichern würde.“ Trotzdem sei das ein Mega-Schnäppchen. „Das können wir wirklich nur jedem mit oder ohne Handicap empfehlen“, lockt Kolb. Sie geht davon aus, dass begeisterte Kletterer auch nach dem Einsteiger-Kurs weitermachen. Somit seien die 100 Euro Jahresbeitrag gut investiert.

Aktuell gibt es in der Sportkletterabteilung 180 Mitglieder von fünf bis 50 Jahren und zehn Trainer. „Wir haben auch jetzt schon einige behinderte Kinder in unseren Gruppen.“ Peter Pointl aus Kirchheim, selbst MS-Patient und Kletterer bei „MS on the Rocks“, berichtet: „Natürlich können wir nicht genauso klettern wie Gesunde. Aber mit den Trainern, die zum Teil mitklettern und die Beine exakt auf die Griffe setzen, und mit den Seilsicherungen geht das.“ Doch eines sei auch klar, schiebt Pointl nach, „hochgezogen wird hier keiner! Jeden Zentimeter Höhe muss sich der Kletterer selbst erkämpfen.“

Es gebe wissenschaftliche Erkenntnisse, dass Klettern für Menschen mit Handicap deutliche Verbesserungen bei der Kraft, Koordination und Beweglichkeit bringe, ergänzt Pointl. „Mir hat es ganz viel gebracht, vor allem auch, weil ich regelmäßig stürze. Ich verletze mich jetzt viel seltener und kann wesentlich besser aufstehen.“ 

Kostenloses Klettern

Am Freitag, 24. März, 19 bis 21 Uhr, und am Donnerstag, 30. März, 11 bis 13 Uhr, gibt es zwei kostenlose Schnuppertage für das neue Projekt „Betreutes Klettern für Menschen mit und ohne Handicap“. Getragen wird die Aktion von der Gemeinde Kirchheim, dem SV Heimstetten und der Kletterhalle „High East“. Interessierte kommen einfach in der Kletterhalle „High East“ im Gewerbegebiet Heimstetten vorbei. Weitere Infos gibt es bei Sozialreferent Christian Freund, Tel. 089/90 909 5000.

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