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Unternehmen warnen vor Obergrenze beim Flächenverbrauch

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Die Unternehmen im Landkreis fürchten, dass die Debatte um die Flächennutzung in eine falsche Richtung geht. „Es stimmt nicht, dass die Landschaft mit immer mehr Gewerbeflächen zugepflastert wird“, sagt der Kirchheimer Unternehmer Christoph Leicher, der Vorsitzender des Regionalausschusses der Industrie- und Handelskammer (IHK) im Landkreis ist.

Landkreis –  Im Gegenteil: Der Landkreis ist grün. Ende 2016 waren 79,7 Prozent der Flächen Natur oder wurden landwirtschaftlich genutzt. Nur 2,3 Prozent waren Flächen für Gewerbe, Industrie, Handel oder Dienstleistungen.

Die Zahlen des statistischen Landesamtes belegen, dass der Anteil an Gewerbe und Industrie zwischen 2011 und 2015 sogar leicht abgenommen hat. Gleichzeitig hat die Bruttowertschöpfung seit 2010 um 30 Prozent zugelegt. „Wir gehen effizient und sorgsam mit den Flächen um“, sagt Leicher: „Der Eindruck, dass im Landkreis alles zubetoniert wird mit Gewerbe, Parkflächen und Einkaufszentren, ist falsch.“ Eine pauschale Flächen-Obergrenze für die Kommunen lehnt die IHK ab.

Genau dies ist eine Forderung des Volksbegehrens „Betonflut eindämmen“. Grüne, ÖDP, der Landesbund für Vogelschutz und die Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft fordern darin, dass statt zehn Hektar pro Tag nur noch fünf Hektar täglich versiegelt werden dürfen. Leicher warnt vor den konkreten Folgen einer solchen Obergrenze: „Einer Kommune wie Aying mit 5000 Einwohnern stehen dann pro Jahr nur noch 6000 Quadratmeter für Flächenausweisungen zur Verfügung.“ Wohnen, Gewerbe und Verkehr würden unnötig in Konkurrenz zueinander gesetzt. Und: „Mit einer solchen künstlichen Verknappung der Flächen wird Wohnraum zwangsläufig noch teurer.“

Deswegen plädiert die Wirtschaft für Effizienz bei der Flächennutzung und aktives Flächenmanagement: Baulücken schließen, Flächen revitalisieren oder umnutzen, Baurecht erweitern – etwa durch Zusatzgeschosse, das sind laut IHK einige mögliche Wege.

Aber auch eine Zusammenarbeit der Kommunen und Landkreise könnte helfen, Gewerbeflächen zu konzentrieren und die Landschaft weniger zu zersiedeln. Gerade in der engen Nachbarschaft im Landkreis München hält die IHK mehr Kooperation für nötig. „Kirchturmpolitik bringt uns nicht weiter – ein gemeindeübergreifendes Flächenmanagement hingegen schon“, sagt Leicher. „Wenn man sich auf seine eigenen Gemeindegrenzen bezieht, ist man weit weg davon, die Potenziale auszunutzen.“

Die Gründung von Zweckverbänden könnte nach Ansicht von Robert Obermeier, dem Chefökonom der IHK, ein Weg sein. Damit Kommunen bei den Gewerbeflächen kooperieren, sollte der Freistaat mit einer „Politik des goldenen Zügels“ finanzielle Anreize geben. Als klassisches Beispiel nennt er den Konflikt zwischen Haar und Grasbrunn: Die Haarer finden es höchst unerfreulich, dass die Grasbrunner ihnen das Gewerbegebiet Keferloh mitten im Naherholungsgebiet zwischen B 471 und Keferloher Straße vor die Nase setzen wollen. Andererseits wollte Haar auf der Finckwiese an der B 471 das BMW-Forschungszentrum ansiedeln, das letztlich in Unterschleißheim seinen Sitz fand. Obermeier rät: Die Gemeinden sollten einen Zweckverband in Betracht ziehen, in dem sie sich über Ansiedlungen und die Verteilung der Gewerbesteuern einigen.

„Geben wir den Wettbewerb der Standorte auf, springen wir über unseren Schatten“, appelliert Leicher. Nur so könnten die 29 Kommunen auch in Zukunft flexibel auf Anforderungen der lokalen Unternehmen eingehen. Eine wichtige Botschaft hat Leicher für die Landespolitik: „Wer nur die vermeintlich flächenverschwenderische Wirtschaft an den Pranger stellt und Entwicklung mit Versiegelung und Betonflut gleichsetzt, führt die Bürger bewusst in die Irre.“

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