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Vor allem Frauen kamen zur Lesung von Gunna Wendt.

Lesung in Kirchheim

Ruth Drexel war nicht „die Mama“ 

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Kirchheim – „Wir haben extra Werbung in Feldkirchen, dem letzten Wohnort von Ruth Drexel gemacht“, begrüßte Elvira Herfurtner, Leiterin der Bücherei Kirchheim, zur Vorstellung der Drexel-Biografie. Autorin Gunna Wendt ließ mit einer Mischung aus Erzählung, Lesung und Musik die große Schauspielerin lebendig werden.

Aus Feldkirchen war zwar niemand gekommen, dafür aber Heinrich Führmann aus Garching. Er arbeitete als Tonmeister an den Kammerspielen in München und hatte dabei mehrfach mit der aus Niederbayerin stammenden Schauspielerin Ruth Drexel zu tun, die 2009 im Alter von 78 Jahren in Feldkirchen nach langer Krankheit starb und dort auch begraben liegt.

Ebenfalls mit Drexel zusammengearbeitet hat Musikerin Michaela Dietl. Autorin Gunna Wendt begrüßte sie persönlich und nutzte eines von Dietls Liedern als Untermalung. „Ich selbst hatte leider nicht das Glück, direkt mit Frau Drexel zu arbeiten. Wir hatten uns zwar verabredet, dass ich eine weitere Biografie über sie erstellen soll, doch bevor es zu einem Treffen kam, verstarb sie leider.“ 

So hat Gunna Wendt mit 28 Menschen, die Drexel entweder beruflich, privat oder familiär nahe standen, ausführliche Gespräche geführt, aus denen sie ihr Buch zusammenstellte. „Darum hat es auch so lange gedauert, immer wieder hatte ich Zweifel, ob es überhaupt fertig würde. Doch dann haben sich wieder einige Zeitgenossen gemeldet – und es ging weiter.“

In lockerer Form berichtete die Autorin über das Leben von Ruth Drexel, abwechselnd als Erzählung, dann aus ihrem Buch zitierend oder passende Musik einspielend. Bei Haindlings „Paula“, dem Titellied aus der Kultserie „Zur Freiheit“, wippten fast alle mit und jeder hatte die geldgierige Weißwurst-Paula und Mama von Otti Fischer vor Augen.

Diese Rolle war die Initialzündung zu ihrer bekanntesten, der „Mama Berghammer“ aus dem Bullen von Tölz. „Dabei legte sie laut allen ihren Bekannten allergrößten Wert darauf, sie sei eben nicht die Mama! Sie könne nicht kochen und spiele auch hier nur eine menschliche Rolle.“ Filmpartner Ottfried Fischer betonte, dass Ruth Drexel keineswegs eine typische Mama gewesen sei, sondern „der Inbegriff der emanzipierten Frau, die eigentlich immer das letzte Wort hatte.“

So lernten die Zuhörer in der Gemeindebücherei zahlreiche unbekanntere Seiten der laut Gunna Wendt „ziemlich öffentlichkeitsscheuen“ Ruth Drexel kennen, die einen engen Bezug zum Großvater hatte, weil der Vater im Krieg fiel, die unheimlich gerne die „Musik der Besatzungs-Amerikaner nach dem Krieg hörte“ und die schon immer gerne Menschen ihrer Umgebung beobachtete. 

„Sie wurde übrigens nur aus Trotz Schauspielerin, weil die Mutter ihr das Psychologie-Studium verbot. Doch Psychologie war ihr ganzes Leben lang das große Hobby“, sagte Wendt. Auf die Schauspielschule schaffte Ruth Drexel es erst im zweiten Anlauf, den Abschluss aber mit Bravour.

Es folgten zahlreiche Theater-Engagements in ganz Deutschland, darunter auch beim genialen Bertolt Brecht in Berlin, später die bekannten Fernsehrollen und schließlich wurde sie auch noch Regisseurin und Intendatin. „Beliebt beim Publikum und der Kritik, aber nicht einfach zu Kollegen und der Familie – eine Frau mit ganz viel Eigensinn“, sagt Gunna Wendt.

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