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Landwirt mit Solar-Start-Up: Strom für Kirchheim auf 20 Hektar Acker

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Von: Bert Brosch

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Jungunternehmer: Auf seinem Acker möchte Franz Glasl genug Strom für halb Kirchheim erzeugen.
Jungunternehmer: Auf seinem Acker möchte Franz Glasl genug Strom für halb Kirchheim erzeugen. © Dieter Michalek

Landwirt Franz Glasl will mit einer Photovoltaikanlage auf 20 Hektar zwischen Heimstettner See und A99 44 Prozent des Kirchheimer Strombedarfs abdecken.

Kirchheim – Erst Ende Juni hat Landwirt Franz Glasl (29) sein Start-Up „Neoampere“ gegründet. „Ich will vor allem Landwirten aufzeigen, wie sie sinnvoll Energie erzeugen können und sie beraten“, sagt Glasl. Sein erstes Projekt ist auf dem eigenen Acker, zwischen „Fidsche“, wie der Heimstettner See im Ort genannt wird, und A 99: der Energiepark Heimstetten.

Franz Glasl sitzt im Gemeinderat Kirchheim

Franz Glasl ist Gemeinderat für die Jungen Union (JU), hat in Weihenstephan an der FH Landwirtschaft studiert und sich danach intensiv im Bereich erneuerbare Energien weitergebildet. „Wir brauchen sehr rasch Lösungen, wie wir Energie erzeugen wollen“, sagt Glasl. Er will Kommunen und Firmen beraten, wie sie sinnvoll PV-Anlagen auf ihren Dächern oder über Parkplätzen planen können und diese Anlagen auch bauen und betreiben.

„Vor allem geht es mir um die Landwirte-Kollegen, die oft skeptisch sind, ob sie auf Biogas, Windanlagen oder Photovoltaik setzen sollen. Die will ich bestmöglich beraten und dann mit ihnen die Anlagen bauen und technisch betreuen“, sagt Glasl.

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Glas hat das Unternehmen „Neoampere“ gegründet

Dazu hat er das Unternehmen „Neoampere“ gegründet. Noch ist er alleine, hat aber bereits engen Kontakt zu Banken, zu Energieberatern und zu Landwirten. „Wir wollen das energetische Bindeglied zwischen großen Energieunternehmen und privaten landwirtschaftlichen Grundstückbesitzern mit großer regionaler Wertschöpfung sein.“ Glasls erstes Projekt, das er im Bauausschuss Kirchheim vorgestellt hat, ist der Energiepark Heimstetten.

Acker zwischen Heimstettener See und der A 99 gehört Glasl fast komplett

„Der Acker zwischen Heimstettener See, dem ,Fidsche’, und der A 99 gehört fast komplett mir. Darauf will ich auf gut 20 Hektar einen Solarpark mit einer Leistung von 23,5 Megawatt bauen“, sagt Glasl. Mit dieser Strommenge könne er 44 Prozent des Kirchheimer Stromverbrauchs decken.

„Im Moment werden nur sieben Prozent durch PV-Anlagen erzeugt, viel zu wenig.“ Glasl möchte dazu rund 15 Millionen Euro investieren. Da er mit einer Baugenehmigungszeit von etwa einem Jahr rechnet, wären die Solarmodule dann auch bestimmt verfügbar. „Ich hoffe natürlich, dass es schneller geht.“

In Hohenbrunn musste ein Anwohner kürzlich seine riesige PV-Anlage abbauen – jetzt will der Solar-Rebell nach Spanien flüchten.

So wenig Flächenversiegelung wie nur möglich

Wichtig ist Franz Glasl der wertschätzende Umgang mit den landwirtschaftlichen Flächen. Die Flächenversiegelung des Energieparks Heimstetten liegt unter einem Prozent der Gesamtfläche, sie ist nur für Trafostationen notwendig. „Die Aufständerung der PV-Anlage wird lediglich in den Boden gerammt.

Durch unsere größeren Zwischenräume zwischen den Modulreihen bleibt viel mehr Platz für die Natur. Das ist die Möglichkeit für Humus-Aufbau durch Bodenruhe und die landwirtschaftliche Nutzung durch Schafe, Hühner oder Bienen“, erläutert Glasl. Ein Fünf-Meter-Grünstreifen rundum ist gleichzeitig Sichtschutz und ein Vogel- und Insektenhabitat.

E-Bike-Ladestationen und Erzeugung von Wasserstoff aus Strom-Überproduktion

Der Jungunternehmer plant auch E-Bike-Ladestationen und die Erzeugung von Wasserstoff aus Strom-Überproduktion. „Durch die regionale Erzeugung und den regionalen Verbrauch der Energie werden keine neuen Stromtrassen nötig. Da die Erzeugung dort erfolgt, wo der Verbrauch stattfindet, droht kein Energieverlust und keine Abschaltung der Anlage, wenn die Stromnetze überlastet sind“, sagt Glasl.

In München prüft die Deutsche Bahn unterdessen, eine riesige Solar-Anlage auf dem Gleis-Dach zu bauen.

Gemeinderäte stehen dem Projekt positiv gegenüber

Die Gemeinderäte stehen dem Projekt durchwegs positiv gegenüber, Bürgermeister Maximilian Böltl (CSU) bat darum, dass die Wege zum Fidsche durch den Solarpark nicht beeinträchtigt werden sollen. „Eine zweite Baumreihe von Heimstetten zum See würde den Weg durch eine schattengebende Allee weiter aufwerten, zudem wären Hecken rund um die PV-Anlage, dass die nicht so sichtbar ist, ganz schön“, regte er an.

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