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Ausweichquartier: Der Vorstand des Jugendtreffs, (v.l.) Carolin Keller, Florian Kohler und Dominique Lehne, vor dem Wohnwagen am Wertstoffhof.   

Immer weniger Besucher

Nach Wasserschaden: Jugendtreff  plagen Zukunftssorgen

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Der Jugendtreff Rülps hat Probleme: Seit einem Wasserschaden musste er in einen Wohnwagen ziehen. Wann die jungen Leute wieder in die Räume dürfen, ist unklar. Wenn überhaupt.

Kirchheim – Die Verantwortlichen des alternativen Jugendtreffs Rülps in Kirchheim plagen akute Sorgen: Seit dem Wasserschaden im Keller des Hauses an der Hauptstraße 35, ist der Verein heimatlos. Seit Februar treffen sich die Mitglieder in einem uralten Wohnwagen am Wertstoffhof, teilen sich die Toilette mit dem Burschenverein und der Hundeschule. „Das ist so weit draußen und so klein, es werden immer weniger Leute“, sagt Florian Kohler (22), Vorstandsmitglied von Rülps. Früher trafen sich die Jugendlichen täglich, alle zwei, drei Monate gab es ein Konzert. „Das ist jetzt natürlich alles vorbei.“

Noch schlimmer: Im Keller des Gebäudes an der Hauptstraße, der durch eine folgenschwere Kombination von Pfusch beim Bau, Wartungsmängeln und einem Handwerker-Fehler im November 2017mit Fäkalienwasser geflutet wurde, standen Sofas, eine selbst gemauerte Theke sowie selbst gebaute Lautsprecher und Verstärker von Rülps. „Das musste alles raus. Einiges davon liegt wild durcheinander im Keller unter der Silva-Schule, vieles ist kaputt“, bedauert Carolin Keller (24), ebenfalls Vorstandsmitglied bei Rülps.

Sanierungsfall: Weil Fäkalien mit in die Räume gespült wurden, muss der gesamte Estrich und Boden im Jugendtreff erneuert werden. 

Kosten auf der einen, Ungewissheit auf der anderen Seite ärgert die Verantwortlichen. „Wir haben bei der Gemeinde mehrfach nachgefragt, wann wir wieder einziehen können, doch dazu keine Antwort erhalten“, sagt die Dritte im Rülps-Bunde, Dominique Lehne (30). Die Jugendlichen irritiert vor allem, dass es erst hieß, die Renovierung dauert bis Februar 2018, dann bis zum Sommer und jetzt steht auf der Homepage des JUZ, das Kellergeschoss könne bis März 2019 nicht mehr vermietet werden. Zum Hintergrund: „Wir sind zwar im gleichen Haus und nutzen gemeinsam Räume, haben aber sonst nichts mit dem Jugendzentrum zu tun, wir organisieren uns selber. Auch von der Gemeinde erhalten wir außer den kostenfreien Räumen wenig Unterstützung“, fügt Kohler hinzu.

Und nun „hätten wir gerne eine verbindliche Auskunft“, fordert Keller. Keineswegs wollen die Rülps-Mitglieder rumstänkern oder mehr finanzielle Unterstützung von der Gemeinde. Ihnen würde eine Starthilfe für das vom Wasserschaden beschädigte Material und eine klare Aussage reichen. „Die Gemeinde redet so viel von Kultur in Kirchheim – doch die ist meist konservativ und für volkstümlich Interessierte. Für uns, die wir Punk, Rock, Metal, Folk und Rap lieben, gibt es außer dem Rülps nichts“, sagt Kohler.

Die Sorgen sind nicht unbegründet. Wie Bürgermeister Maximilian Böltl (CSU) auf Nachfrage sagt, werden aktuell erst die Aufträge für die Estricharbeiten im Keller des Hauses an der Hauptstraße vergeben. „Die Sanierung wird noch bis Herbst 2018 laufen.“ In der Zwischenzeit soll es eine Befragung der Kirchheimer Jugendlichen geben. „Dabei geht es um deren Wünsche für die Zukunft des JUZ. Wir wollen wissen, wie der Bedarf ist, um das richtige Raumangebot zu erarbeiten“, sagt Böltl. Über die konkrete Raumaufteilung an der Hauptstraße – und damit die Zukunft des Rülps insgesamt – macht der Bürgermeister hingegen keine Aussage. Auch nicht dazu, ob es nach der Sanierung überhaupt wieder Platz für den selbstverwalteten Jugendtreff gibt. „Das wird der Gemeinderat entscheiden.“

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