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Auf dem Podium: (v.l.) Ernst Böhm, Andreas Lotte und Peter Paul Gantzer.

Diskussionsabend

Parkplätze mit Wohnungen zubauen

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Kirchheim – „Wie kann Wohnraum bei uns wieder bezahlbar werden?“, fragte Thomas Gebhardt, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Kirchheim. Dazu bezogen die Landtagsabgeordneten Peter Paul Gantzer und Andreas Lotte Stellung sowie Ernst Böhm, Aufsichtsratsvorsitzender des Immobilien-Dienstleisters B&O Wohnungswirtschaft.

Gantzer verwies darauf, dass sich Familien oder Singles mit normalem Einkommen in München schon lange keine 4-Zimmer-Wohnung oder ein Haus mehr leisten könnten. Andreas Lotte, wohnungspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, nannte Zahlen: Das Umland von München habe mittlerweile einen Radius von 100 Kilometern. Prognosen gingen davon aus, dass diese Region bis 2030 jährlich um rund 40 000 Menschen wächst, dazu wären jedes Jahr 30 000 neue Wohnungen notwendig.

Mehr sozialer Wohnungsbau nötig

„In München sind mittlerweile 60 Prozent der Bürger beim Einkommen berechtigt für den sozialen Wohnungsbau. 1999 wurden in Bayern noch 250 000 Sozialwohnungen im Jahr gebaut, heute sind es 120 000, trotz steigenden Bedarfs. Damals investierte der Freistaat 600 Millionen Euro jährlich, heute 160 Millionen.“ In Bayern komme auf 97 Bürger eine Sozialwohnung, der letzte Rang in Deutschland. Für jeden Bürger wende der Freistaat nur 20 Euro jährlich für geförderten Wohnungsbau auf, in der Region Wien seien es 400 Euro. 

Mietpreisbindung für 50 Jahre

Lotte plädierte für massiven Wohnungsbau durch die öffentliche Hand mit einer Mietpreisbindung von 40, 50 Jahren, anstelle der heutigen Vergabe von Aufträgen an private Baugesellschaften, die nur 20, 25 Jahre eine günstige Miete garantierten. „Wir brauchen keine Einheimischen-Modelle oder Förderprogramme für Einfamilien- oder Doppelhäuser, die bleiben dadurch für normale Familien trotzdem unbezahlbar. Wir brauchen Geschoss-Wohnungsbau und Genossenschaftsmodelle. Hier ist der Bewohner Teilhaber und Mieter gleichzeitig, die Mieten sind stabil, niedrig und man kann im Alter in kleinere Wohnungen wechseln.“ 

Einheimischen-Modell helfen nicht weiter 

Bauunternehmer Ernst Böhm zählte die Hauptgründe der Misere auf: „München und die Region sind wirtschaftlich so attraktiv, dass immer mehr Menschen vom Land in die Stadt ziehen – das ist weltweit so und kann nicht gestoppt werden.“ Der Mietraum je Bürger habe sich seit 1962 auf 44 Quadratmeter verdoppelt. „Immer mehr Einzelpersonen bewohnen große Wohnungen oder Häuser. Alle Kommunen, Firmen und Gewerkschaften haben ihre vielen günstigen Wohnungen verkauft und Reibach gemacht – heute fehlen sie. Weder Großkonzerne noch Kirchen, Hochschulen, Krankenhäuser oder Kommunen bauen günstige Wohnungen so wie früher.“ 

Kommunen müssen selbst bauen

Böhms Lösungsansätze: Kommunen müssten dringend bauen, auch wenn Zuzug nicht überall positiv besetzt sei – unabhängig von Flüchtlingen. „Langfristig sind kommunale Wohnungen eine exzellente Geldanlage, allerdings müssen Folgekosten, wie Kindergärten, Schulen, Sportanlagen vom Staat übernommen werden.“ Flächen, die schnell nach einer Reform des Baugesetzes zur Verfügung stünden, sind für Böhm Parkplätze vor Supermärkten, Firmen, S-Bahnen, Krankenhäusern, Sport- und Freizeitanlagen. „Die werden alle überbaut, so gehen kaum Parkplätze verloren und wir bekommen viele Wohnungen!“

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