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Markanter Bau: Das Bürgerhaus prägt Garchings Stadtzentrum.

Sanierungskosten explodieren

Reißen die Garchinger ihr Bürgerhaus ab?

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Garching - Je länger die Garchinger Stadträte über die Sanierung des Bürgerhauses diskutieren, desto teurer wird es. Nun gibt es sogar Stimmen, die über einen Abriss und Neubau des Gebäudes räsonieren.

Wann immer der Punkt Bürgerhaus-Sanierung auf der Tagesordnung steht, laufen die Sitzungen nach einem bestimmten Muster ab. Zunächst erklärt Architekt Andreas Irl vom Münchner Büro Raumtailor in langen Worten, welche vielfältige Möglichkeiten der Renovierung und des Umbaus an dem Gebäude möglich wären. Ungleich kürzer äußert er sich danach über „neue Situationen“, die sich ergeben hätten und die „problematisch sind“. Konkret geht es um Kostensteigerungen – meist wegen Brandschutzauflagen. Ganz zum Ende kommt der Architekt zur Gesamtsumme, die er geschickt aufteilt – mal in verschiedenen Varianten, mal in Paketen und zuletzt im Bauausschuss in Stufen.

Kostenschätzung schon bei 10 Millionen Euro

Demnach gibt es eine erste Stufe mit „notwendigen Maßnahmen“. Sie umfasst die Sanierung von Fenstern, Dächern und Böden in Saal und Foyer; eine neue Klimaanlage, die Umstellung der Foyer- und Saal-Beleuchtung auf LED sowie weitere Renovierungen. Darunter fällt laut neuen Erkenntnissen auch der Rückbau des Bücherei-Lesegartens, weil dieser zum einen problematisch hinsichtlich des Wasserabflusses sei, so Irl. Zum anderen fehle ein zweiter Rettungsweg. Geschätzte Kosten für die erste Stufe: sieben Millionen Euro.

Drei Ausbaustufen

In Stufe zwei – die „empfohlenen Maßnahmen“ – soll der Lesegarten wieder aufgebaut werden; überdies ist eine Erweiterung des Foyers geplant, die Umstrukturierung der Hausmeisterwohnung sowie der Kellerräume, die Sanierung der Toiletten und der Einbau eines behindertengerechten WC. Gesamtkosten: gut 2,5 Millionen Euro. 

Die dritte Stufe sind „weitere Maßnahmen“ wie das Umrüsten der Bühnenbeleuchtung auf LED und der Bau überdachter Radstellplätze für 360 000 Euro. Macht summa summarum neun Millionen Euro – ohne einen möglichen Restaurantumbau, der noch einmal 1,1 Millionen kosten würde. Der Haken: Im Haushalt ist für das Bürgerhaus kaum die Hälfte eingeplant, nämlich 4,4 Millionen Euro.

Fass ohne Boden

„Jetzt sind wir bei zehn Millionen, und wenn diese Maßnamen vollzogen werden, sind wir bei fünfzehn Millionen“, unkte Jürgen Ascherl (CSU). „Da stellt sich irgendwann die Grundsatzfrage: Ist die Sanierung überhaupt noch rentabel?“ Auf Nachfrage von Harald Grünwald (UG) erklärte Andreas Irl, dass Nachbargemeinden für den Neubau eines vergleichbaren Gebäudes etwa 30 bis 35 Millionen Euro ausgegeben hätten. Diese Zahl veranlasste Salvatore Disanto zu der Warnung: „Irgendwann wird so ein Ding ein Fass ohne Boden. Ein Neubau ist für mich durchaus eine Alternative bei diesen Summen, die im Raum stehen.“

Bauunterhalt vernachlässigt

Sein Fraktionskollege Manfred Kick erklärte dagegen: „Ich bin der Meinung, dass das Bürgerhaus durchaus sanierungswürdig ist.“ Ähnlich äußerten sich Grüne und SPD, und Alfons Kraft (BfG) betonte: „Was ist in den letzten zehn Jahren an Bauunterhalt geleistet worden an dem Gebäude? Nichts!“ Deshalb solle man nun zügig an die Sanierung gehen. Positiv schätzten die Stadträte auch die Möglichkeit ein, bei der Klimaanlage auf eine neuartige Technik zu setzen, bei der die Geothermie der Energie-Wende-Garching (EWG) zum Einsatz käme. Zwar würde dies Mehrkosten von 65 000 Euro bedeuten, jedoch könnte man in der Folge 6000 Euro pro Jahr einsparen – und würde überdies klimaneutral kühlen.

Fraktionen beraten

Nach Beratungen in den Fraktionen will der Stadtrat über sein Vorgehen entscheiden. „Völlig klar“ sei aber, so Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD), „dass wir im Zuge der Haushaltsberatungen schauen müssen, wo wir das Geld herbekommen.“ Denn: „Unterm Strich wird’s teuer.“

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