+
Knirschen im Wäldchen: Igel, Maulwürfe, Mäuse und Krähen sollen nach Meinung einer fachkundigen Anwohnerin geschützt werden. 

Wäldchen am Gymnasium Kirchheim 

Schnelle Rodung tötet Kleintiere

  • schließen

Eine Anwohnerin schlägt Alarm: Igel, Maulwürfe und Krähen sind in Gefahr. Die Biologin Constanze Friemert fordert, dass die geplante Rodung des Wäldchens am Gymnasium auf September verschoben wird. 

Kirchheim– Noch vor dem 1. März, dem Beginn der Vogelbrutzeit, will die Gemeinde den halben Wall und das Wäldchen am Gymnasium zur „Baufeldvorbereitung“ abtragen. Hier sollen im Zuge des Gymnasium-Neubaus Sportanlagen entstehen. Constanze Friemert ist Diplom-Biologin und wohnt im Latschenweg mit direkter Sicht auf das Gelände. Das Vorhaben entsetzt sie: „Igel und Maulwürfe stehen unter Naturschutz, wenn man jetzt rodet, werden sie zugeschüttet oder aufgeschreckt und sterben mangels Insekten den Hungertod. Das ist ein Verstoß gegen den Naturschutz, der bis zu 50.000 Euro kosten kann“, warnt sie.

Abholzung nach dem Winterschlaf

Sie sei als Nachbarin des neuen Ortsparks, der Landesgartenschau und des neuen Quartiers, das mit Kirchheim 2030 entsteht, beileibe keine generelle Gegnerin dieser Entwicklung. „Ich verfolge das aufmerksam und habe zahlreiche Vorschläge gemacht, die zum Teil in die Pläne eingearbeitet wurden und für die mich Bürgermeister Böltl ausdrücklich gelobt hat.“ Doch was die Gemeinde mit Wall und Wäldchen vorhabe, die beide vor über 25 Jahren als Abraumhalden entstanden sind, das kann die Biologin nicht akzeptieren.

Sportanlagen entstehen doch erst 2021

„Der kleine Wald neben dem Wall ist als Biotop in Karten eingezeichnet, den kann man nicht einfach platt machen.“ Man habe schlicht vergessen, dass dies unberührte Gelände mit Totholz, Laub und jeder Menge Boden-Insekten ein idealer Lebensraum für den mittlerweile geschützten Igel sei. Vermutlich gebe es dort eine dreistellige Zahl von Igeln, die nun im Winterschlaf seien, ebenso Mäuse in der Winterstarre, Maulwürfe und unzählige andere Bodenlebewesen.

Außerdem hat Friemert festgestellt, dass es im Wäldchen sechs besetzte Krähen-Nester gibt, auch die stehen unter Naturschutz. Sie geht davon aus, dass die Gemeinde weder für die Wall-Beseitigung noch die Rodung eine Genehmigung habe. Friemert fordert die Verschiebungen der Baumaßnahmen auf August oder September, die Tiere könnten dann in die andere Hälfte des Wäldchens flüchten. Zudem könne man auf dem großen Grundstück, wenn es denn um archäologische Untersuchungen gehe, am anderen Ende anfangen, weit weg von Igel, Mäusen, Krähen. Die geplanten Sportanlagen würden wohl erst 2021, zum Ende der Bauzeit, angelegt, sagt Friemert, also gebe es absolut keine Eile.

Bürgermeister Böltl sagt Schutzmaßnahmen zu

Bürgermeister Maxmilan Böltl (CSU) bestätigt, dass das Wäldchen ein Biotop ist. In Abstimmung mit den Behörden seien Ausgleichsflächen für den Natur- und Artenschutz festgelegt worden. „Die Fläche wird mindestens in doppelter Größe wieder hergestellt“, sagt Böltl.

Von Wall und Wäldchen werde die östliche Hälfte entfernt. Der Rest werde wiederum zur Hälfte für die Wohnbebauung von Kirchheim 2030 gerodet, und das letzte Viertel, das erhalten bleibt, soll in den neuen Ortspark integriert werden. Alle Maßnahmen seien mit der Naturschutzbehörde im Landratsamt abgestimmt.

„Wegen der Saatkrähen arbeiten wir eng mit der Regierung von Oberbayern zusammen“, sagt Böltl, „alle Schritte zur artenschutzrechtlichen Ausnahmegenehmigung sind getroffen.“ Mit dem Bund Naturschutz (BN) überlege man, wie Maßnahmen für die Igel aussehen könnten. Norbert Steinmeier, Sprecher der BN-Ortsgruppe, teilt mit, dass man die Gemeinde gebeten habe, den Wall möglichst „sanft“ zu roden, „damit Kleintiere zwischen Rodung und Abtrag umsiedeln können“. Der BN schlägt vor, Saatkrähen „anzuregen“, in den Restwald umzuziehen und zudem einen Krötenzaun aufzustellen, sodass Kleintiere umgeleitet werden. „Ein Zeitabstand zwischen Rodung und Wallabtrag ist ökologisch sinnvoll“, sagt Steinmeier. Böltl ist selbst BN-Mitglied und begrüßt die Vorschläge. Die Gemeinde prüfe, wie sie umgesetzt werden könnten.

Bürgersprechstunde

Bürgermeister Maximilian Böltl bietet am Montag, 11. Februar, um 17 Uhr eine Bürgersprechstunde vor Ort an.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Horror-Unfall auf A99: Münchner Promi-Berater und Ehemann sterben in ihrem Audi - Szene trauert
Auf der A99 kam es in Kirchheim bei München zu einem schrecklichen Verkehrsunfall. Zwei Männer starben noch am Unfallort. Jetzt gibt es neue Details über die Opfer.
Horror-Unfall auf A99: Münchner Promi-Berater und Ehemann sterben in ihrem Audi - Szene trauert
Raus aus den Schlagzeilen: SPD verspricht „neuen Politikstil“ für Gemeinderat
Die SPD Neubiberg will weg von Konfrontation und Konflikt im Gemeinderat und hin zu mehr Dialogbereitschaft. Das verspricht der Ortsverband für die Kommunalwahl 2020.
Raus aus den Schlagzeilen: SPD verspricht „neuen Politikstil“ für Gemeinderat
Neuer Laden im Ortszentrum: Die „Frische-Post“ im Herzen Kirchheims
Eineinhalb Jahre stand das Gebäude am Pfarrer-Caspar-Mayr-Platz in Kirchheim leer. Nach eine Atelier ist nun ein Obst- und Gemüseladen eingezogen. Das ist dort alles …
Neuer Laden im Ortszentrum: Die „Frische-Post“ im Herzen Kirchheims
Auto erfasst Radfahrer frontal - Der hat Riesenglück
„Auto gegen Radfahrer“ - diese Alarmierung lässt Rettungskräfte mit dem Schlimmsten rechnen. In Oberschleißheim kam es diesmal anders.
Auto erfasst Radfahrer frontal - Der hat Riesenglück

Kommentare