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Theologen und Politiker auf dem Podium: (v.l.) der ehemalige Verwaltungsrichter Gerhard Reichel, der ehemalige CSU-Bundestagsabgeordnete Martin Mayer, Kirchheims Bürgermeister Maximilian Böltl (CSU), die stellvertretende Landrätin Annette Ganssmüller-Maluche (SPD), Pfarrer Werner Kienle, Pfarrerin Susanne Kießling-Prinz, der ehemalige SPD- Bundestagsabgeordnete Jürgen Vahlberg, der Vorsitzende der SPD in Kirchheim Thomas Gebhardt sowie der Kirchheimer Wolfgang Gerstenberger und (stehend) Moderator Ulrich Braun . 

Staat und Kirche – Eine Frage der Beziehung

Politik und Kirche. Soll man sie trennen? Sollen sie zusammenwirken? Eine Diskussionsrunde in Kirchheim.

Von Sabina Brosch

Kirchheim– Sind Staat und Religion in Deutschland wirklich getrennt? Diese Frage diskutierten 80 Interessierte mit Theologen und Politikern in Kirchheim. Ein einhelliges „Nein“ war die Antwort – allerdings mit ganz unterschiedlichen Argumentationen.

Eingeladen hatte das ökumenische Forum der katholischen und evangelischen Kirche, vertreten durch Pfarrer Werner Kienle und Pfarrerin Susanne Kießling-Prinz. Sie hatte im vergangenen Jahr einem irakischen Ehepaar Kirchenasyl gewährt. Für den ehemaligen CSU-Bundestagsabgeordneten Martin Mayer ein eindeutiger Rechtsbruch. „Im Gegenteil“, verteidigte Gerlinde Reichart, Sprecherin des Helferkreises „Asyl“, dieses Recht stehe jedem privaten Haushalt zu. „Kirchenasyl ist nicht rechtswidrig“, stimmte ihr der ehemalige Verwaltungsrichter Gerhard Reichel zu.

Grundsätzlich bejahten beide Geistliche die Trennung von Staat und Religion, „obgleich jede Gesellschaft einen Glauben braucht“, sagte Pfarrer Kienle. „Die Kirche muss die Stimme erheben, wenn etwas nicht so ist, wie es sein sollte“, sagte Kießling-Prinz.

Die Politiker Jürgen Vahlberg (SPD) und Martin Mayer (CSU) äußerten sich ebenfalls deutlich: Für Meyer muss sich die Kirche aus der Politik heraushalten, „sie hat dazu kein Mandat“, und Vahlberg propagiert eindeutig den Laizismus, wie er etwa in Frankreich praktiziert wird. „Nur ein konfessionsunabhängiger Ethikunterricht kann verhindern, dass auch islamischer Religionsunterricht in unsere Klassenzimmer einzieht. Denn wie sollten wir dem Islam diesen Anspruch auf Gleichbehandlung der Religionen verwehren“, fragte er. Zudem lehne er die Privilegierung der Religionen ab, die ihre Kirchensteuern – für Vahlberg „Mitgliedsbeiträge ähnlich denen von Vereinen“ – nicht selbst, sondern durch den Staat einziehen ließen. „Ich bin nicht gegen die Religion an sich, aber diese ist Privatsache.“

Bürgermeister Maximilian Böltl (CSU) wünscht sich hingegen eine aktive Kirche, die für seine kommunale Arbeit unverzichtbar sei. Der christliche Bezug sei in der Alltagspolitik gegenwärtig, Umweltpolitik bewahre die Schöpfung der Natur, das politische Handeln müsse dafür sorgen, dass denjenigen, die sowieso schon viel haben, nicht auch noch etwas hinterhergeworfen werde.

„Wo kommt denn die Nächstenliebe oder der Grundsatz der Unantastbarkeit der Würde des Menschen her“, fragte die stellvertretende Landrätin Annette Ganssmüller-Maluche (SPD). Es seien die christlichen Werte, die als Basis des politischen Handelns dienten. „Ich habe meine Einstellung hierzu in den vergangenen zwei Jahren vor allem im Zuge der Flüchtlings- und Asylpolitik geändert“, sagte sie.

Ein goldener Weg wurde auch an diesem Abend nicht gefunden, „und das war auch nicht zu erwarten“, gab Moderator Ulrich Braun zu. Die Zuhörer, die sich in die Diskussion einmischten, forderten, dass die christlichen Werte verteidigt werden müssten. Buhten auf Meyers Anregung, „die Kirche hätte genügend Eigenprobleme, mit denen sie sich beschäftigen sollte“, oder forderten eine scharfe Trennung. Toleranz gegenüber Andersgläubigen wollen alle, muslimische Kinder dürften auch Islamunterricht bekommen, schließlich dürfe jeder glauben was er wolle – aber nur unter dem Dach des deutschen Staates und nicht von islamistisch geschulten Geistlichen.

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