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Die Münchner Tierrettung hat Alois Spies aus Kirchheim ihre Hilfe versagt - weil er kein Mitglied ist. Für Nicky, Spies‘ Cocker Spaniel, das Todesurteil.

Weil Besitzer kein Mitglied ist

Hund Nicky starb tragisch - Tierrettung weist Vorwürfe zurück: „Haben so schon alle Hände voll zu tun“

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Die Münchner Tierrettung hat Alois Spies aus Kirchheim ihre Hilfe versagt - weil er kein Mitglied ist. Für Nicky, Spies‘ Cocker Spaniel, das Todesurteil.

  • Cocker Spaniel Nicky ist tot.
  • Er starb, nachdem die Münchner Tierrettung ihren Dienst verweigerte.
  • Der Grund ist für Nickys Besitzer Alois aus Kirchheim unfassbar.

Update Freitag 10. Januar: Wäre Nicky, der süße Cocker-Spaniel aus Kirchheim (Kreis München), noch am Leben, wenn sich die Tierrettung rechtzeitig auf den Weg in die Gemeinde gemacht hätte? Die Redaktion hatte am Dienstag (7. Januar) über den Hund berichtet, der starb, nachdem ein Tumor in seinem Bauch geplatzt war. Sein Herrchen beschwerte sich über die Tierrettung, die keinen Wagen geschickt hatte. Die Organisation weist die Vorwürfe aber zurück.

Hund Nicky stirbt tragisch - Tierrettung München weist Vorwürfe zurück

Dr. Evelyne Menges, Vorsitzende der Tierrettung, berichtet, dass der Verein vor 20 Jahren als tierärztlicher Notdienst gegründet wurde, der rund um die Uhr erreichbar sein sollte. 365 Tage im Jahr. Am Anfang sei die Zahl der Einsätze noch überschaubar gewesen, so Menges. Mit der Zeit aber wuchs die Zahl der Mitglieder – und auch die Notrufehäuften sich. „Ein Zustand“, so Menges, „der nicht länger tragbar war.“

Also beschlossen die Tierretter, eine Grenze zu ziehen – und nur noch das Stadtgebiet mit seinen unmittelbar angrenzenden Gemeinden anzufahren. „So leid es uns tut“, erklärt Menges, „mehr war auf Dauer einfach nicht möglich.“ Schließlich haben die Tierretter mit rund 4000 Einsätzen im Jahr auch so schon alle Hände voll zu tun.

Tierrettung nicht Schuld an Nickys Tod - Keine Ausnahmen „auch nicht für Mitglieder“

Ausnahmen gebe es keine, „auch nicht für Mitglieder“. Ob Nicky, der Cocker- Spaniel aus Kirchheim, trotzdem eine Chance gehabt hätte? Menges weiß es nicht. Sie betont aber: Auf das Eintreffen der Tierretter zu warten, hätte in jedem Fall länger gedauert, als einfach selbstständig in die benachbarte Tierklinik nach Haar zu fahren.

Originalmeldung von Dienstag 7. Januar

Kirchheim bei München - Der Kirchheimer Heimatpfleger und Feldgeschworene Alois Spies (77) hat vor wenigen Tagen seinen Vierbeiner verloren – ausgerechnet an Weihnachten. Ob sein „Sonnenschein“, sein geliebter Nicky (8) noch leben würde, wenn Spies Mitglied bei der Tierrettung wäre? Diese Frage quält den 77-Jährigen, der in Kirchheim aufgrund seiner vielfältigen Ehrenämter bekannt ist.

Gut gelaunt ging Gerda Spies (78) am Morgen des 24. Dezember mit ihrem Hund in den Garten. Die Sonne schien, „alles war wie immer.“ Nichts deutete auf das Drama hin, das sich nur wenige Minuten später ereignen sollte. „Auf einmal hat sich unser Nicky im Schlafzimmer verkrochen“, erzählt Alois Spies. „Ganz schwer geschnauft hat er, sein Kopferl konnte er auch nicht mehr richtig heben.“

Hund Nicky liegt im Sterben - Tierrettung fragt nach Mitgliedschaft

Also griff Spies zum Hörer, wählte die Nummer der Tierrettung und bekam sofort Hilfe zugesagt. „Die Dame war nett“, erzählt Spies, „wollte direkt einen Wagen schicken.“ Ein Hoffnungsschimmer, der jedoch bald wieder verpuffte. Schließlich rief die Tierrettung ein paar Minuten später noch einmal an, um zu fragen, ob Spies Mitglied bei ihnen sei. Der 77-Jährige verneinte. „Und plötzlich war kein Wagen mehr frei – stattdessen meinte die Dame, wir sollen unseren Nicky nehmen und selbstständig in die Tierklinik fahren.“

Ein Schock, der nach wie vor anhält. „Das muss man sich mal vorstellen“, schimpft Spies, „da liegt ein Hund im Sterben – und das Einzige, was zählt, ist die Mitgliedschaft!“

Nicky hätte gerettet werden können - bei sofortiger Hilfe

In höchster Not schleppte Alois Spies seinen Vierbeiner schließlich zum Auto. „Aber weit gekommen sind wir nicht“, erzählt er, „unser Nicky ist noch während der Fahrt gestorben.“

In der Klinik dann die schockierende Diagnose: Der Cocker Spaniel hatte einen Tumor im Bauch, der plötzlich platzte. Ob er noch eine Chance gehabt hätte? „Vielleicht“, meinten die Ärzte, „wenn sofort Hilfe gekommen wäre.“

Trauer, Enttäuschung und Wut: Tierrettung ignoriert Anfrage des Hundehalters

Um seine Trauer, seine Enttäuschung und seine Wut in Worte zu fassen, hat Alois Spies noch im Dezember eine E-Mail an die Tierrettung verfasst – „aber bis heute keine Antwort erhalten“. Auch die Anfrage vom Münchner Merkur/ tz blieb unbeantwortet.

Auf seiner Internetseite informiert der Verein allerdings darüber, dass es während der Feiertage zu Engpässen kommen kann. „Die Tierrettung ist eine Solidargemeinschaft von Tierfreunden“, heißt es im Netz. Die anfallenden Kosten seien immens, weshalb zuweilen zwischen Mitgliedern und Nicht-Mitgliedern unterschieden werden müsse. So wie im Fall von Alois Spies. Ob sich er noch einmal einen Hund anschafft, ist unklar. Schließlich sei Nicky ein ganz besonderer Bursche gewesen. „Ein echter Sonnenschein.“

Andere Vierbeiner hatten mehr Glück. So retteten die Helfer der Tierrettung München Hund Bela, als dieser am Oberföhringer Wehr 15 Meter tief in die Isar stürzte. Auch Kater „Mylady“ konnte gerettet werden. Er hatte sich im heimischen Wohnzimmer eingeklemmt.

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