Protest gegen den Niedergang der Reisebranche.
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Die Reisebranche befindet sich schon länger in der Krise.

IHK-Regionalausschuss warnt: Umsatzeinbruch kann wohl frühestens 2022 kompensiert werden

Trübe Aussichten für Tourismus, Gastro und Co.

  • Bert Brosch
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Den ersten Lockdown haben die Firmen im Landkreis verhältnismäßig gut überstanden. Jetzt sind die Aussichten trüb.

  • Die IHK für München und Oberbayern hat ihre Mitglieder zur Konjunktur befragt
  • 4000 Unternehmen nahmen teil
  • Fazit: Die Umsatzeinbrüche sind schwer oder gar nicht zu kompensieren

Mit Ausnahme der schwer gebeutelten Branchen Reisen, Tourismus, Veranstaltung und Kunst und Kultur hatte sich die Stimmung bei den Unternehmen wieder aufgehellt. Nun trübt sie sich deutlich ein, was auch die negativen Azubi-Zahlen belegen. Dies ergab eine digitale Sitzung des Regionalausschusses München-Landkreis der IHK. Notwendig seien deutliche Senkungen von Steuern und Abgaben sowie rasche direkte Hilfen.

Umfrage zur Konjunktur in Bayern

Von rund 43 000 Unternehmen haben über 4000 bei der Umfrage zur Konjunktur in Bayern teilgenommen, erläuterte Jochen Wiegmann, Referent für Wirtschaftspolitik bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) für München und Oberbayern. „Nach dem ersten Lockdown hatte sich die Stimmung bei fast 70 Prozent der Unternehmen wieder deutlich aufgehellt. Es geht – mit Ausnahme der vier genannten Branchen – den meisten besser, als sie erwartet hatten“, sagte Wiegmann. Allerdings verschlechtert sich die Lage wieder, was auch durch Kurzarbeit, Soforthilfen und Steuerstundungen nicht mehr aufgefangen werden könne. „Die Zukunftsaussichten sind nicht gut, es herrscht eine große Unsicherheit durch Corona, aber auch durch den bevorstehenden Brexit und den sehr unwägbaren Handelsaussichten zu den USA.“ Aus Sicht von Wiegmann könne der teils deutliche Umsatzrückgang frühestens 2022 aufgeholt werden, kritisch sei zudem, dass aktuell kaum ein deutsches Unternehmen investieren wolle. Christoph Leicher, Vorsitzender des IHK-Landkreis-Regionalausschusses, bewertet diesen Aspekt als sehr kritisch. „Das wird vielen Firmen schaden, die Arbeitslosenzahlen steigern und auch den Markt für die jahrelang händeringend gesuchten Fachkräfte schwierig machen.“

Weniger Lehrlinge

Andreas Burkhardt, Leiter der IHK-Geschäftsstelle Region München, lieferte weitere negativen Zahlen. So haben zum neuen Lehrjahr im hiesigen IHK-Bereich nur knapp 41 000 junge Menschen eine Lehre begonnen – 15 Prozent weniger als im Vorjahr. „Das ist eine dramatische Entwicklung, die aus der Demografie bedingt ist, viele sehen aber in Handwerk und Lehre keine Sicherheit mehr und studieren lieber“, sagte Burkhardt. Hier müssten die Betriebe schnell gegensteuern, damit sie nicht in absehbarer Zeit große Probleme hätten.

Wichtige Überbrückungshilfen

Burckhardt plädierte im Namen der IHK für eine deutliche Reduzierung von Steuern und Abgaben sowie weitere staatliche Soforthilfen, die bis 2021 ausgedehnt werden müssten, und zwar für die Branchen Gastronomie, Hotels, Veranstaltungen, Kreativ und Messebau. „Die Hilfen müssen schnell, gezielt und hoch sein, aber nicht mit der Gießkanne an alle gehen.“ Die IHK habe für Unternehmen ihre Strukturen für Überbrückungshilfen zur Verfügung gestellt, von 21 869 Anträgen wurden bis Ende Oktober 16 800 bearbeitet. Für die Monate Oktober bis Dezember könnten die Firmen nun neue Anträge stellen.

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