Der Heimstettener Bahnhof im Jahr 1950
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Blick in die Vergangenheit: Der Heimstettener Bahnhof im Jahr 1950 mit Schrankenwärterhäuschen, Wartesaal und Fahrkartenverkauf.

Umbau für zehn Millionen Euro

Vor 124 Jahren hielt am Bahnhof Heimstetten der erste Zug

  • Bert Brosch
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Am 1. Mai 1897 bekam Heimstetten einen „Halteplatz für den Vorortverkehr“ an der neu eröffneten Eisenbahnstrecke von München nach Neuötting. Im Jahr 1972 wurde die heutige Haltestellefür die S-Bahn zur Olympiade in Betrieb genommen. Nun wird alles für Millionen Euro barrierefrei gemacht.

Zwischen den Jahren 1857 und 1860 nahmen die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen auf der Strecke von München über Rosenheim nach Salzburg den Betrieb auf. Gleichzeitig gingen die Bayerischen Ostbahnen auf den Strecken München–Regensburg und Geiselhöring–Passau in Betrieb. Das Gebiet zwischen München, Salzburg, Passau und Straubing blieb hingegen ohne Eisenbahnanschluss und wurde als „eisenbahnloses Viereck“ bezeichnet.

Viele Anträge zur Erschließung

Bürgerkomitees, Abgeordnete und Grundbesitzer stellten zahlreiche Anträge zur eisenbahntechnischen Erschließung. Die Generaldirektion der Königlichen Verkehrsanstalten erstellte 1863 ein Gutachten zu Streckenvarianten. Die von München über Neuötting erwies sich mit Kosten von 12,2 Millionen Gulden als günstiger als die durch das Rottal mit 16,3 Millionen Gulden. Der Bayerische Landtag beschloss 1867 die Errichtung der Strecke auf „kürzestem Wege“ von München über Neuötting nach Braunau und genehmigte 15,4 Millionen Gulden.

Im Frühjahr 1868 begannen die Bauarbeiten an der Strecke, die Trasse wurde für einen späteren zweigleisigen Ausbau ausgelegt. 1871 startete der Betrieb bis Neuötting, kurz danach war auch die Innbrücke fertiggestellt und damit die Strecke bis Braunau. Die Baukosten für die 124,51 Kilometer lag bei 31 Millionen Mark und damit um 5,4 Millionen Mark über den 1863 veranschlagten Kosten. Die Strecke wurde bis 1907 auf 19 Bahnhöfe und fünf Haltepunkte erweitert, einer davon war Heimstetten, der 1897 als „Vorortverkehr“ eröffnet wurde.

Streckenkapazität reicht bald nicht mehr

Die Zahl der verkauften Fahrkarten verdoppelte sich in drei Jahren, bald reichte die Streckenkapazität nicht mehr aus und so ging 1911 das zweite Gleis in Betrieb. In den beiden Weltkriegen war die Strecke München–Simbach von großer Bedeutung für Rüstungstransporte von den Chemiewerken rund um Mühldorf. Kriegsbedingt baute die Reichsbahn das zweite Gleis ab 1941 von Feldkirchen nach Markt Schwaben vollständig ab, 1956 baute es die Bundesbahn wieder auf.

Viele freie Fläche umgab den Bahnhof noch im Jahr 1963. Das hat sich mittlerweile geändert.

Im Vorfeld der Olympiade in München nahm die S-Bahn am 28. Mai 1972 ihren Betrieb von München über Markt Schwaben nach Erding auf – Hauptursache für die starke Zunahme der Einwohnerzahl in Kirchheim.

Die Haltestelle Heimstetten erhielt 1970 zwei Außenbahnsteige, kurz danach einen Ausweichanschluss, über den die Industriebetriebe im Gewerbegebiet Heimstetten mit Gleisanschlüssen angebunden wurden. Das Gebäude des ehemaligen Schrankenpostens stand bis Ende 2020, wurde dann abgerissen. Viele Jahrzehnte gab es dort einen Wartesaal, in dem Fahrkarten verkauft wurden. Bereits 1907 eröffnete wegen „des starken Verkehrsaufkommens“ eine Bahnhofswirtschaft, der heutige Gasthof „Eberle“.

Bis zur Landesgartenschau 2024 soll alles fertig sein: Seit März wird der Bahnhof Heimstetten für zehn Millionen Euro umgebaut.

Umfangreiche Umbauarbeiten

Nun wird der S-Bahnhof Heimstetten für zehn Millionen Euro umgebaut: Bahnsteige, Zugänge und die Unterführung werden erneuert und erhalten ein Blindenleitsystem. Die Erhöhung der Bahnsteige sorgt für einen niveaugleichen Ein- und Ausstieg. Mit zwei neuen Aufzügen gelangen Fahrgäste von der Unterführung und der Straßenebene auf den Bahnsteig. Richtung München schützt ein 85 Meter langes Bahnsteigdach die Wartenden vor Wind und Wetter. Die Station erhält ein Infodisplay, Vitrinen, Sitze und Wetterschutzhäuschen bis zur Wegeleitung und Lautsprechern. Auch der Verbindungstunnel wird nicht schmäler, sondern bleibt mit drei Metern so breit wie bisher. Rechtzeitig zur 2024 stattfindenden Landesgartenschau soll alles fertig sein für täglich 5000 Ein- und Aussteiger.

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