Werbeagentur trommelt für Ortsmitte

Die Gemeinde Kirchheim hat sich professionelle Hilfe geholt: Eine Werbeagentur organisiert Infoveranstaltungen und stellt Werbematerial bereit. Alles für ein Ziel: die geplante neue Ortsmitte bekannt und beliebt machen.

Von Bert Bosch

Im Juli sollen die rund 9000 wahlberechtigten Kirchheimer über das neue Strukturkonzept „Kirchheim 2030“ abstimmen. Dass nach 40 Jahren ergebnisloser Diskussion im Gemeinderat nun tatsächlich auch die Bürger den Kompromiss mittragen, dafür sollen monatliche Informationsveranstaltungen sorgen. Weil das, laut Verwaltung, mit dem Gemeinde-Personal nicht geleistet werden kann, ist die Münchner Werbeagentur „Hendricks & Schwarz“ verpflichtet.

Daniel Schreyer, Vertreter der Agentur, umreißt das Aufgabengebiet: „Viele Projekte scheitern daran, dass sich einzelne Gruppen, Personen und Organisationen übergangen fühlen, ihre Ideen, Kritik und Vorschläge unter den Tisch fallen. Wir suchen daher den Bürgerdialog auf Augenhöhe.“ Seine Agentur sei von Februar bis zum Bürgerentscheid im Juli dafür zuständig, Werbe- und Informationsmaterialien zu erstellen und Treffen mit den Bürgern zu organisieren. „Wir werden die vorgegebenen Stichworte des Gemeinderats – Transparenz, Information, Beteiligung und Mitbestimmung – umsetzen.“ Dazu hat die Agentur eine Internet-Seite sowie eine Facebook-Seite gestartet und pflegt beide.

Die Agentur erhält für ihre Tätigkeit pauschal 15 000 Euro im Monat. Diese Kosten werden, ebenso wie die für Projektabwicklung, Planung und Rechtsberatung, auf die Grundstücks-Eigentümer umgelegt. „Die Agentur ist nicht zuständig für den eigentlichen Bürgerentscheid, nur für die Information der Bürger bis dahin“, sagt Kirchheims Bürgermeister Maximilian Böltl (CSU).

Gemeinderat Wolfgang Heinz-Fischer (VFW) ärgert sich darüber, „dass wir das alles schon in ausführlichen Bürger-Werkstätten vor vielen Jahren besprochen und beschlossen hatten. Jetzt geben wir viel Geld aus für inhaltlich genau das Gleiche. Da fühlen sich die Bürger von damals veräppelt“. Böltl entgegnet, dass seit 2008 viele Bürger weg- und zugezogen seien, zudem sich Themen geändert hätten. „Das müssen wir nochmal neu zusammenfassen in unserer Mitmachgemeinde.“ Agentur-Vertreter Schreyer ergänzte, Materialien bis aus dem Jahr 2009 würden einbezogen. „Wir nehmen also alle Informationen und Ideen von damals auf, da wird niemand übergangen oder veräppelt.“

Gemeinderätin Ilse Pirzer (SPD) ist irritiert, dass Schreyer dem Gemeinderat ein fertiges Konzepte präsentierte und dass nicht mehr Agenturen zur Auswahl stehen. „Wir sollen doch heute erst den Auftrag vergeben.“ Böltl sagte, er hab die Agentur bisher aus dem Bürgermeister-Etat finanziert, „nun beschließen wir das große Konzept für 2017. Leider hat sich nur noch eine weitere Agentur beworben und die war deutlich teurer.“

Marcel Prohaska, Tanja Heidacher und Thomas Etterer (SPD) begrüßen die Kampagne und bedauern, dass man Geld ausgebe, um die Bürger zu überzeugen. „Wir haben so Tolles geleistet, alle Ideen untergebracht – nun müssen wir die Kirchheimer mitnehmen. Dieses Mal muss es klappen“, sagte Heidacher. Franz Glasl (CSU) findet es „toll, dass wir so viel Einigkeit mit der SPD in diesem Konzept gefunden haben“. Gegen die Stimmen der Grünen und von Heinz-Fischer wurde die Agentur beauftragt.

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