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Das Neubaugebiet am Ortsrand (rot) passt den Anwohner nicht. Bullenställe (blau) in direkter Nachbarschaft will die Gemeinde nicht.

Wohnbaupläne in Kirchheims Norden

Wegen der Sicht: Anwohner wollen keine neue Nachbarn

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Die Anwohner am Pappelweg lieben die Idylle vor der Haustür. Darum wehren sie sich gegen ein Neubaugebiet, das ihnen die Sicht  nimmt. Sie sind sauer auf die Gemeinde.

Kirchheim – Der Pappelweg, am nördlichsten Zipfel Kirchheims gelegen, ist ein Idyll: Eine Zufahrt gibt’s nur über die wenig befahrene Flurstraße, das ehemalige landwirtschaftlichen Anwesen wurde weitestgehend erhalten. Im Norden und Osten nur Äcker. Natur pur. Doch nun gibt’s Ärger im Idyll. Bewohner sind von den Plänen der Gemeinde empört.

Sie hat die Fläche westlich der Flurstraße gekauft und will dort zur Ortsabrundung 16 Wohneinheiten für Familien in acht Häusern bauen. Wegen dieses Projekts hat der Gemeinderat kürzlich das Vorhaben von Landwirt Franz Sepp abgelehnt, in 350 Meter Entfernung Mastbullenställe zu bauen. Der Hauptgrund: Angst vor Gestank für die künftigen Bewohner. Diejenigen Kirchheimer, die dort schon wohnen, fürchten weniger den Geruch der Bullen als vielmehr um ihre Aussicht, wenn die Gemeinde acht neue Häuser baut. Sie gründeten die „Interessensgemeinschaft (IG) Pappel“. Sie wollen die Wohnhäuser verhindern.

Viele offene Fragen

Den acht Anwohnern, die sich in der IG zusammengefunden haben, ist klar, dass heute im Ballungsraum München keiner mehr Anspruch auf Unverbaubarkeit der Aussicht hat. Keiner sei so naiv, sagen Karin und Stefan Hänseler, die Ansprechpartner für die IG. Als solche stehen sie auf der professionell gestalteten Internetseite (www.ig-pappel.de). Ihre Namen möchten die weiteren Mitglieder nicht in der Zeitung lesen und sich auch nicht zitieren lassen. Sie fürchten Ärger. 

Auf dieser Wiese sollen die Häuser gebaut werden.

Ihre kilometerweite Sicht in Richtung Abfanggraben und Speichersee über Mais- und Rapsfelder ist ihnen heilig. Sie ärgern sich über Kirchheims Politik und haben viele Fragen: Warum kauft die Gemeinde den Acker als landwirtschaftlich genutzte Fläche, macht daraus Bauland und hat schon acht Häuser geplant? Warum behauptet Bürgermeister Maximilian Böltl (CSU) beim Bürgerentscheid „Kirchheim 2030“, dass sich die Kommune im Zentrum, zwischen Kirchheim und Heimstetten, entwickeln soll und baut nun in der Randlage weiter? Warum schließt die Gemeinde mit der früheren Grundstücksbesitzerin einen Vertrag, wonach sie ihr Grundstück zurückkaufen kann, wenn bis 2020 nicht gebaut wird? So habe sich die Gemeinde doch selbst unter Druck gesetzt, formuliert es die IG Pappel in einem Flugblatt, auf ihrer Website und auf ihrer Facebook-Seite. Und: Die Pappelweg-Bewohner haben von den Plänen der Gemeinde aus der Zeitung erfahren.

Neue Hoffnung 

Aktiv auf sie zugegangen sei die Gemeinde erst, als sich die IG Pappel gegründet habe – mit dem Ziel, die Wohnhäuser zu verhindern. Laut den Hänselers gab es Treffen vor Ort, sie durften die Pläne sehen und Änderungswünsche äußern. Zudem habe die Gemeinde Zugeständnisse gemacht. Die IG Pappel schöpft daraus Hoffnung: Vielleicht werde ja doch nicht gebaut.

Weg frei fürs neue Gebiet

Der Bauausschuss hat nun aber den Bebauungsplan für genau dieses Areal „Westlich der Flurstraße“ genehmigt. „Die Flurstraße ist eine klassische, kleine Abrundung der Gemeinde, mit der die bisherigen Entwicklungslinien zusammengeführt werden. Deshalb steht dieses Vorhaben nicht im Widerspruch zu Kirchheim 2030“, betont Böltl. Durch die von der IG Pappel geforderte Rückabwicklung des Kaufs würde der Gemeinde ein erheblicher Schaden entstehen. „So sehr ich die Interessen der direkten Anlieger verstehe. Gemeinderat und Verwaltung müssen das Gemeinwohl im Blick haben.“

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