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Ex-Kicker Thomas Hitzlsperger (32) spricht seit seinem Coming-out Anfang letzten Jahres offen darüber, wie es war, als Profifußballer schwul zu sein. Und viele Menschen wollen seine Geschichte hören. „Ich habe Tausende E-Mails bekommen“, sagt er. Eine davon war die von Philipp Aigner, Lehrer am Gymnasium Kirchheim. Er lud Hitzlsperger zu einem Gespräch mit den Schülern ein – und Hitzlsperger sagte zu.

Schwul, nicht schlecht und schwach

Kirchheim - Thomas Hitzlsperger hat ein Tabu gebrochen. Der ehemalige Profifußballer hat 2014 seine Homosexualität öffentlich gemacht. Wie er lebt und welche Folgen das Coming-out für ihn hat, darüber sprach er am Kirchheimer Gymnasium – auf Einladung von Lehrer Philipp Aigner, der selbst schwul ist.

Ex-Kicker Thomas Hitzlsperger (32) spricht seit seinem Coming-out Anfang letzten Jahres offen darüber, wie es war, als Profifußballer schwul zu sein. Und viele Menschen wollen seine Geschichte hören. „Ich habe Tausende E-Mails bekommen“, sagt er. Eine davon war die von Philipp Aigner, Lehrer am Gymnasium Kirchheim. Er lud Hitzlsperger zu einem Gespräch mit den Schülern ein – und Hitzlsperger sagte zu. In T-Shirt, Jeans und Turnschuhen kam er mit einem Becher Kaffee in die Aula und hätte gut und gerne als Jung-Lehrer durchgehen können. Entspannt, erst im Gespräch mit Bürgermeister Maximilian Böltl und Rektor Matthias Wermuth, stellte er sich auf der Schulbühne den Fragen der 16-jährigen Moderatoren Theresa Klotzbücher und Christopher Hell. Im Rund saßen Schüler der zehnten und elften Klassen. „Mich schockt nichts mehr“, sagte er und lachte. So viele Diskussionen und Gespräche habe er im vergangenen Jahr geführt, da habe er keine Angst vor peinlichen Momenten. Dass Hitzlsperger nun ausgerechnet in Kirchheim war, ist Philipp Aigner, seit drei Jahren Englisch- und Französisch-Lehrer am Gymnasium, zu verdanken. Im Zuge des Projekts ‚Werte und Sozialkompetenz‘ und auch aufgrund seiner eigenen Biographie hatte er den ehemaligen Fußballspieler eingeladen. Aigner selbst ist homosexuell und geht damit offen um: „An der Schule weiß man, dass ich schwul bin, niemand hat damit ein Problem, mein Vorschlag wurde sofort aufgenommen.“ Hitzlsperger selbst sagte, ihm sei wichtig, zu zeigen, dass man schwul sein kann und trotzdem ganz „normal“ ist. Man könne schwul sein und es trotzdem bis in die Fußball-Nationalmannschaft schaffen. Ein Homosexueller mache genau das Gleiche wie ein Heterosexueller, sei genauso langweilig oder interessant, könne gut Fußball spielen oder nicht. Es gehe um Akzeptanz und nicht „nur“ um Toleranz. „Ich kann von mir sagen, mir geht’s richtig gut, und der Schritt des Coming-out war der absolut richtige.“ Der Ausdruck „schwul“ werde häufig missbräuchlich oder gar gedankenlos eingesetzt als Synonym für schlecht oder schwach, sagte Hitzlsperger. Hier sieht Aigner als Lehrer einen wichtigen Ansatzpunkt. Das Wort an sich müsse „thematisiert“ werden. Intensive Gespräche mit den Schülern, aber auch Arbeitskreise oder Workshops seien dazu eine gute Möglichkeit. Die Schule ist für ihn der richtige Ort dafür, spiegle sie doch auch die Gesellschaft wieder. „Auch wenn manche Eltern das nicht sehen wollen, wir haben eine Vielfalt nach innen“, sagte Aigner. Und wie reagierten die Schüler? „Mir ist das doch egal, was für eine sexuelle Orientierung der hat. Ich wollte ihn sehen, weil der Hitz geilen Fußball gespielt hat“, sagte etwa Andreas aus der Q11. Auf die Frage, ob er Tipps geben könne für ein Coming-out, antwortete Thomas Hitzlsperger: „Es gibt es keinen Leitfaden, jeder Lebensweg ist individuell. Es kommt auf das Umfeld und auch die Situation an. Manche haben ein offenes und liberales Elternhaus, andere wiederum stoßen auf Ablehnung. Der richtige Zeitpunkt ist gekommen, wenn ich sagen kann: Jetzt geht es mir gut.“

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