Klassentreffen: Sogar ein Fußball-Weltmeister stammt aus dem Haarer Jahrgang '44

Haar - Ingenieure, Zahnärzte, Möbelhausbesitzer, ein Professor, ein Bundestagsabgeordneter und ein Fußball-Weltmeister. Das sind nur einige der Berufe, die der Geburtsjahrgang 1944 aus Haar hervorgebracht hat. Sie alle feiern heuer den 70. Geburtstag und haben sich deshalb getroffen, um zurückzublicken.

Wer gefehlt hat beim Klassentreffen, war der Maier Sepp. Der ehemalige Bayerntorwart und Weltmeister von 1974 ist auch 1944 geboren, in Haar aufgewachsen und zur Schule gegangen. Ja, sogar seine Maschinenschlosserlehre hat er in Haar abgeschlossen, übrigens zusammen mit Josef Mayerhofer in den Wanderwerken. Also müsste die „Katze von Anzing“ eigentlich „Katze von Haar“ heißen. Auch wenn Maier während seiner Zeit bei Bayern München lange in Anzing lebte, in Haar war er früher. „Der Maier Sepp hatte meistens Blödsinn im Kopf“, erinnert sich Richard Fechter an die Schulzeit, „aber diese Bauernschläue hatte er damals schon.“ Im Winter war Sepp Maier der einzige, der draußen in der Kälte trainierte. Und beim Wettbewerb um den besten Klassenfußballer war sein Sieg klar - dafür bekam Maier ein Spielzeugauto. Beim TSV Haar war der junge Sepp Maier Feldspieler, bis er eines Tages ins Tor wechseln musste, weil der Torhüter ausgefallen war. Einem Bayern-Scout ist er dann aufgefallen und wurde deshalb nach seiner Lehre Profifußballer in München, damals flossen allerdings keine Millionengehälter. Maiers Erfolge waren bei den Klassentreffen nie wichtig: „Die Vergangenheit war interessant, nicht der FC Bayern“, sagt Josef Mayerhofer. Sepp Maier hat es heuer leider nicht zu dem Klassentreffen geschafft, doch immerhin 30 Schulkameraden haben sich versammelt.

So wie Richard Fechter, heute 70 Jahre alt. Er war eines der Kinder, die während des Zweiten Weltkriegs in einem Gebäude des heutigen Isar-Amper-Klinikums zur Welt gekommen sind, weil in München die Krankenhäuser zerstört oder überlastet waren. Im ersten Volksschuljahr gingen Fechter und seine Klassenkameraden noch in das Gebäude, in dem heute der Seniorenclub ist, in eine Klasse. Dann zogen sie in die Konradschule, 1957 in den neuen Querbau. Dann war die Haarer Schulzeit für Richard Fechter beendet. Er ging auf das Maria-Theresia-Gymnasium nach München, nahm jeden Morgen den Vorortzug bis zum Ostbahnhof, wurde dann Lehrer in Ebersberg und engagierte sich beim TSV Haar.

Für Josef „Peppi“ Mayerhofer (70) ging die Schulkarriere in Haar noch weiter, bis zur achten Klasse. Danach lernte er Dreher in den Wanderwerken und stieg als Bierfahrer in den elterlichen Getränkehandel ein, wo er bis zum Ruhestand arbeitete und sich nebenbei in Haar bei der Feuerwehr engagierte. Er erinnert sich gerne an seine Schulzeit zurück, am liebsten an die sechste Klasse mit dem Lehrer Meisel: „Das war die schönste Klasse, aber wir haben nichts gelernt.“ So steckten die Schüler dem Lehrermeister Meisel Wäscheklammern hinten an seinen Mantel oder klauten ihm die Zettel, auf denen die Kinder standen, die nachsitzen mussten: „Die haben wir ihm dann am Ende des Schuljahres überreicht“, sagt Josef Mayerhofer nicht ohne Stolz. Zwar gab es in den Fünfzigerjahren noch die Prügelstrafe - „Es gab aber einen gewissen Gewöhnungseffekt“, sagt Richard Fechter, so schlimm fanden sie es damals nicht.

Wie Richard Fechter ist auch Josef Mayerhofer bis heute seinem Heimatort treu geblieben, er wohnt wieder in seinem Geburtshaus, schläft mit seiner Frau in dem Zimmer, in dem er 1944 geboren wurde.

Andere Klassenkameraden sind über die ganze Welt verstreut. Bei dem ersten Klassentreffen 1984, mit 40 Jahren, kamen Schulkameraden aus Australien, Schweden, den USA oder Südafrika. Doch etwa die Hälfte des Jahrgangs lebt noch in und um Haar. Heuer wurden insgesamt 65 Schüler eingeladen, bei acht gibt es keine richtige Adresse mehr. Und 14 Mitschüler aus dem Geburtsjahrgang 1944 sind inzwischen gestorben.

In Zukunft wollen sich die Klassenkameraden wieder häufiger treffen, spätestens in fünf Jahren wieder, zum 75. Über was da geredet wird, nach so vielen Jahren? „Man braucht keinen Anlauf, wie wenn die Zeit stehen geblieben wäre“, sagt Richard Fechter. Allerdings hat er ein paar Klassiker entdeckt: „Bei den Männern ist das Thema Prostatakrankheiten, bei den Frauen die Enkel“, witzelt er. bew

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