Wie kleine Astronauten mit "Tsch-tsch"-Gebrumm auf die Piste

- Einen Tag lang unterwegs mit dem Kindergarten-Skikurs

VON NORA GOEBBEL Ottobrunn/Sauerlach - Da standen sie zitternd vor Kälte und Aufregung, klapperten mit ihren Skistöcken oder drückten sich noch einmal an ihre Mütter, als der Reisebus in die Einsteinstraße bog: die Kinder vom Kindergarten "Pusteblume" in Ottobrunn vor ihrem ersten Skitag. Schon vor 21 Jahren hatte Jutta Sailer, Skilehrerin der "Skischule Hachinger Tal", die Skikurse für Kindergarten-Kinder ins Leben gerufen. "Ganztagskurse am Wochenende sind für die Kleinen einfach zu anstrengend. Deswegen fahren wir lieber unter der Woche für wenige Stunden auf halbwegs leeren Pisten", sagt Sailer. Und so wurden am Donnerstag die "Zwergerl" vor den Kindergärten in Ottobrunn und Sauerlach eingesammelt.

Als sich die großen Bustüren mit einem Zischen öffneten, konnten es die vier- bis fünfjährigen Kinder dann doch kaum erwarten. Drängelnd schubsten sich die quirligen Energiebündel in den Bus. Schnell waren die winkenden Mütter draußen vergessen, denn endlich ging es ab ins Kinder-Skigebiet am Hirschberg bei Kreuth.

"Guten Morgen", tönte es aus den Lautsprechern, als die Skikursleiterin der Skischule Hachinger Tal, Karin Weißofner, die 41 Kinder begrüßte. Erst kam die Antwort zaghaft zurück, dann tauten die Kleinen bei aufgedrehter Heizung und Bibi Blocksbergs "Hex-hex" aus dem Kassettenrekorder auf.

"Das ist der Elefantenbus, deswegen sitzt vorne im Fenster Dumbo, der fliegende Stoffelefant, damit ihr unseren Bus wiedererkennt", lauteten die letzten Anweisungen vor der Ankunft. "Jaaa-aaaaaaaah!", kam es aus den hinteren Reihen laut zurück. Wieder quirliges Gewusel, fliegende Skibrillen und Handschuhe, krabbelnde Zwergerl auf der Suche nach fehlenden Utensilien. Draußen strahlender Sonnenschein und glitzender Pulverschnee auf unberührten Hängen.

Nun kamen die nagelneuen Carving-Skier in Miniformat zum Vorschein. Mit einem "Klack-klack" schnalzten die Skibindungen zu, und die windschnittigen Helme wurden festgezurrt. Wie kleine Astronauten eroberten die Kinder die weichen Hügel. Erst einmal machten sie es Gummibärchen als Belohnung für gelungene Liftfahrt Dumbo nach: Wie Elefanten stampften sie über die Ebene, später rutschten sie mit ausgebreiteten Fliegerarmen das sanfte Gefälle hinunter.

"Rollerfahren" auf einem Ski machte den Kindern genauso viel Spaß wie das Eisenbahnfahren mit lautstarkem "Brumm-brumm" oder "Tsch-tsch", wobei die einzelnen "Waggons" mit Skistecken eine Kette bildeten. An steileren Stellen wurden Fischgräten in den Schnee gezeichnet. "Wer sich traut, Skilift zu fahren, bekommt oben Gummibärchen", lockt Skilehrerin Dagmar Henkel die Kleinen. Tapfer hielten sich die Kinder am Seil fest und eroberten die Hügelspitze.

Die Fortgeschritteneren übten sich schon im Kurvenfahren und schlängelten sich durch den Hütchen-Parcour. "Denkt dran - die Skispitzen machen Bussi-Bussi und die Skienden Winke-Winke!", ruft Skilehrerin Rosi van Dyck ihren Schützlingen zu. "Damit sich die Kinder Bewegungen bildlich vorstellen können und zum Skifahren spielerisch Zugang finden", erklärt sie später und fügt hinzu:" Spaß sollen die Kleinen haben!"

Den hatten sie. "Ich fand die Schanzen total toll", schwärmte Korbinian Mitter und strahlte wie die anderen über das ganze Gesicht. Dementsprechend fröhlich traten die frisch gebackenen Skifahrer mit dem Schlachtruf "Gummibärli-Gummibärli-mampf-mampf-mampf" die Heimreise an.

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