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Gartler der ersten Stunde ist Anton Kanberg. Aus einer Ackerfläche hat der 63-Jährige sein Paradies gezaubert.

Lust auf Laube

Glückliche Pächter, lange Wartelisten: Kleingärten werden im Landkreis immer beliebter.

Gärten sind im Kommen, die Lust auf Laube liegt im Trend. Das kann Gottfried Kaiser bestätigen. Er ist Vorsitzender der Kleingartenanlage Taufkirchen „Am Wald“ und damit Herr über 141 Parzellen. Naturliebhaber mit unerfülltem Gartenwunsch sind bei ihm richtig.

„Ein fertiger Garten ist ein toter Garten heißt’s hier am Englwartinger Weg“, erläutert Kaiser. Immer gebe es noch etwas zu tun. Das nehmen die Kleingärtner genau, Besucher können das spüren. Vögel zwitschern, Bienen summen. Überall pralles Leben inmitten gebändigter Natur. Ansonsten erholsame Stille, Zeit durchzuatmen. Ein gut sechs Hektar großes Idyll. Von oben wie ein dreieckiges Tortenstück mit 141 Ingredienzien.

Die Zeit scheint hier fast still zu stehen, nicht aber der Eifer der Pächter. Kein Garten gleicht dem anderen, blühende Phantasie ohne Grenzen. Es sei denn, die Gartenordnung wird tangiert. Eigner des Grunds ist die Gemeinde. „Es gibt aber eigentlich nur wenige Vorgaben“, erklärt Gottfried Kaiser. Stille Örtchen, die berühmten Türen mit Herz, wird man dennoch nicht finden. „Plumpsklos sind hier verboten“, sagt der Vorsitzende. Campingtoiletten nicht. Auch gibt es keinen Zugang zum Stromnetz. Findige Hobbygärtner greifen bereits zum Solarpanel. Die Rote Karte gibt es für Koniferen. Aus gutem Grund. „Sie dienen als Zwischenwirt für den Birnengitterrost“, erklärt Kaiser. Ein Pilz, der sich schnell ausbreite und die Bäume enorm schädigte.

Ein Gartler der ersten Stunde ist Anton Kanberg. „Früher war das alles nur Ackerland“, erinnert sich der 63-Jährige noch. Seit 1999 ist er jetzt hier. Gemeinsam mit Ehefrau Sabine hat er sich den Traum vom eignen Grün erfüllt. Die Etagenwohnung in Taufkirchen hat nur Balkon. Zu wenig für ein Gärtnerherz. So oft er kann ist der gebürtige Kärntner auf seiner Scholle. „Das ist meine Gesundheitsoase, ich wohne fast hier“, sagt er und lacht.

Er hat früher als Koch gearbeitet, später in der Pharmaindustrie. Heute ist er Gartenprofi, ein Autodidakt. Gemüse, Obst, Wein und Stauden: Die Parzelle 132 ist ein Schmuckstück. Im Laufe der Zeit hätte er sich alles selbst angeeignet, sagt er. Und für den Rest gebe es ja die Beratung über den Gartenzaun. „Die Kameradschaft unter den Gartlern ist schon schön“, sagt Kanberg. Bis zu 400 Euro für Unkosten zahlen die Pächter jährlich, je nach Größe des Grundstücks. Rund 15 000 Euro kostet die Übernahme zu Beginn. „Momentan haben wir eine Warteliste mit zwölf Interessenten, aber nur zwei freie Gärten“, sagt der Vorsitzende.

Das Durchschnittsalter der Pächter schätzt er auf etwa 63 Jahre. „Das jüngste Mitglied ist noch keine 30, das Älteste an die 90 Jahre alt“. Etwa ein Drittel des Gesamtareals ist Gemeinschaftsfläche. Es gibt ein gemütliches Vereinsheim, einen großzügigen Spielplatz, Streuobstwiese und eine Vogelschutzhecke.

Kathrin Kohnke

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