Kleinkarolinenfelder feiern mit Andacht den 200. Geburtstag ihrer Siedlung

- Viel besuchte Grotte selbst gilt als Kleinod und Zentrum von "Kloakaro"

GTEXT=Kleinkarolinenfeld - Es wurde der 7. August 1802 geschrieben. An jenem Tag kamen sieben Siedler - laut Protokoll "überrheinische Pfälzer Kolonisten" - in den Gasthof zur Post nach Peiß. Hier erhielten sie per Losverfahren je ein gleich großes Grundstück im Hofoldinger Forst an der "Miespacher Chaussee", nämlich zehn Tagwerk von Forstwiesen. Sie konnten sogleich Besitz davon nehmen. Dieser denkwürdige Tag darf wohl als Geburtsstunde von Kleinkarolinenfeld angesehen werden. Der Name selbst geht auf die Gemahlin des damaligen Kurfürsten Max IV. Joseph zurück: Karoline Wilhelmine von Baden.

Die Einwohner des Ayinger Ortsteiles haben den 200-Jahrtag mit einer Marienandacht in der Lourdesgrotte begangen. Bürgermeister Hans Eichler, selbst ein Kleinkarolinenfelder, bezeichnete den 7. August als "Festtag" und "Geburtstag". Trotz ungünstiger Witterung kamen viele, die noch heute in "Kloakaro" (so die liebevolle Abkürzung) wohnen oder dort ansässig waren. Der Leiter des Pfarrverbandes Darching (Kreis Miesbach), Pater Rudolf Nikolai Lochner, stand der Feier vor.

Die Grotte selbst darf als das Kleinod und Zentrum der Kleinkarolinenfelder bezeichnet werden. Zwar steht sie abseits von der Kreisstraße, gut beschützt im Forst, aber die etwa 150 Einwohner des Ortsteiles haben eine sehr liebevolle Beziehung zu diesem Gotteshaus. Laut Aufzeichnungen soll 1898, die mündliche Überlieferung spricht von 1880, eine Nische in eine mächtige Eiche eingeschlagen worden sein. Hinein kam eine Marienfigur. Die Eiche selbst soll eines der ältesten Baumdenkmäler Bayerns sein. Die Datierung ist recht ungenau: 1900 heißt es, sie soll bereits 300 bis 400 Jahre alt gewesen sein. Als Durchmesser wurden damals 1,4 Meter errechnet.

Schon bald wurde diese "Marieneiche" Anziehungspunkt vieler Hilfesuchender und Andächtiger. Die Kleinkarolinenfelder kümmerten sich stets um den Erhalt dieser Gnadenstätte. Die Eiche gibt es heute noch, wenngleich nur noch als Rudiment. Heute ist der Eichenstamm nämlich quasi der Kirchturm. Auf den Stamm wurde 1992 ein neues Dach mit Kugelkreuz gesetzt. Vor das Gnadenbild kam im Laufe der Zeit ein Gitter, dann wurde die Grotte noch erweitert.

Ziel des Gebets ist die Darstellung "Unserer Lieben Frau von Lourdes". Die Nische des Baumholzes ist mit Tuff ausgeschlagen, unter der Mariendarstellung kniet die heilige Bernadette. Nachgestellt ist das Erscheinungswunder von Lourdes. In dem einfach gehaltenen Holzbau sind viele Kerzen vorzufinden, volkstümliche Darstellungen von Jesus und den heiligen Maria und Anna. Über der Nische ist eine Ex-voto-Tafel der Familie Hubert angebracht. Neben einem Betstuhl liegen Hefterl zum Dorffeste tragen zum Erhalt bei Eintragen von Gebetsanliegen. Die zahlreichen Eintragungen stellen unter Beweis, wie häufig Christen zu dieser eher unbekannten Grotte kommen.

Für den Erhalt der Waldkapelle kommen die Kleinkarolinenfelder auf. Sie hielten Dorffeste ab, um mit dem Erlös die notwendigen Ausbesserungsarbeiten zu bestreiten. Immer wieder schauen sie vorbei, ob etwas herzurichten ist. Vor einiger Zeit erneuerten sie die Betbänke vor dem Gotteshaus. Jahr für Jahr werden Andachten hier abgehalten. Vor allem im Advent ist diese recht rege besucht. Großen Zulauf wird die Grotte vermutlich am 8. September erfahren. Aus Anlass des 200-Jährigen Bestehens findet hier dann der Festgottesdienst statt.

Wolfgang Rotzsche

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