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Überschaubarer Verkaufsraum: Rudolf Dworzak hat Getränke, Süßigkeiten, Zigaretten, Zeitschriften und vieles mehr zur Auswahl.

Kiosk-Geschichten

Das kleinste Kaufhaus in Haar

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Haar - Krieg ich bei Dir auch Klopapier?“ Diese Frage hört Rudolf Dworzak (62) nicht mehr so oft, seitdem die Supermärkte aufgrund der liberaleren Öffnungszeiten länger öffnen können.

Sein „Kiosk mit Imbiss“ an der Wasserburger Landstraße entwickelte sich seither weg vom Universal-Laden für Bedürfnisse jeder Art und zu fast jeder Zeit, wo man noch etwas bekommt, wenn alles andere längst geschlossen hat.

Seit einigen Jahren dominiert der Verkauf von Getränken, Süßigkeiten, Zigaretten und Zeitschriften sein Kiosk-Geschäft. Eine Not-Ration hat Dworzak, der übrigens der Bruder von Altbürgermeister Helmut Dworzak ist, aber immer noch: also Pflaster, Waschmittel, Damenbinden oder Klopapier sind kein Thema. „Das liegt hinten im Lager.“ In Memoriam an die „alten Zeiten“ prangt über seinem Kiosk immer noch der Spruch: „Das kleinste Kaufhaus von Haar´.“ Und der Name verpflichtet. Kurz vor Feierabend wird klar, sein Publikum kommt zum Ratschen, Trinken und nutzt den kleinen Vorplatz, die Tische und Stühle beschattet von hohen Bäumen, als ein Plätzchen, wo man sich mit Freunden zum Feierabend-Bier trifft. Ist auch noch die rote Markise ausgefahren, hat man fast das Gefühl, man sitzt in Nachbars Garten und nicht direkt an der Hauptstraße.

Dworzak herrscht über gut 20 Quadratmeter Ladenfläche. Überall Zeitungen, Zeitschriften, Süßigkeiten, Eis, Hunderte Packungen Zigaretten und Getränke. Dazu stehen draußen noch Ständer mit festgesteckten Magazinen. Morgens um 7 Uhr geht es los, Schluss ist am Abend um 9 Uhr. Seit 24 Jahren betreiben Rudolf, seine Frau Eva und ein Kumpel den Kiosk. Das Gebäude gehört ihm, der Boden der Gemeinde. Sein Arbeitgeber konnte ihm nicht mehr die Sicherheit im Schichtdienst als Datenverarbeiter bieten. „Ich habe nach einem zweiten Standbein gesucht. Als ich hörte, dass der Kioskbetreiber einen Nachfolger sucht, haben wir zugeschlagen“, sagte Dworzak. „Eine glückliche Fügung, denn das Geschäft läuft gut.“ Mit im Team ist Manuela, die seit drei Jahren meist am Wochenende Dienst schiebt, denn Samstag und Sonntag sind gute Tage. Hier kommen viele schnell auf „Kippen“ vorbei und holen sich ihre Zeitung. Dworzaks Kiosk ist auch wegen seiner Biervielfalt beliebt, neben den Münchner Marken hat er auch „Besonderheiten“, wie die Marken Flötzinger oder das Unertl Weißbier mit Schnappverschluss. Sogar die Mitarbeiter eines benachbarten Gasthofs holen sich bei ihm ihr Lieblingsbier aus der Kühlung. Der Umgangston zeigt, dass auch sie Stammgäste sind. Montags hat der Kiosk geschlossen, selbst dann bleiben die Stühle und Tische vor dem Kiosk nicht unbesetzt.

Eine Studentin sitzt eingemummelt mit ihrem Wasser am Tisch und lernt. „Ich habe keinen eigenen Garten, und hier ist es schön zum Sitzen. Ein kleines öffentliches Kleinod sozusagen.“ Kurz vor 18 Uhr gönnen sich fünf Männer noch das eine oder andere Bier, Hund Gipsy wartet geduldig unterm Tisch. „Wir sind alles Haarer, na klar, und hier so gut wie zu Hause!“

Dworzak, dessen Kinn ein geflochtenes, graues, etwa 15 Zentimeter langes Zöpfchen ziert, hat in den über zwei Jahrzehnten viele Schicksale kommen und gehen sehen. Er kennt die meisten seiner Gäste beim Namen. „Viele waren vom ersten Tag an hier. Zwei Kunden halten täglich von 9 bis 12 Uhr ihren Frühschoppen hier ab“, lacht Dworzak. Da das ganze Jahr offen ist, hat er ein beheiztes Stüberl mit zwei Tischen angebaut, nebenan gibt’s eine Toilette. „Sonst wären wir ja ein Straßenverkauf.“ Kleine Speisen gibt es auch: Wiener, Debreziner oder einen Leberkäs. Alles zu vernünftigen Preisen, „etwas höher als im Laden aber billiger als an der Tankstelle. Die Halbe Bier kostet 2,50 Euro!“

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