Amalienwald Ottobrunn

„Der Klimawandel ist längst da“

Im Amalienwald Ottobrunn beginnen am heutigen Dienstag die Fällarbeiten, die wohl eine ganze Woche andauern. Dem Wald geht es schlecht.

Mit einem sogenannten Harvester rücken heute die Waldarbeiter in Ottobrunn an. Der Name dieses meist sechsrädrigen Gefährts mit dem gewaltigen Greifarm leitet sich vom Englischen „harvest“ ab, was so viel wie „ernten“ bedeutet. Doch dieser Begriff ist ein Stück weit irreleitend. Denn in den Ottobrunner Wäldern, allen voran im Amalienwald an der Bahnhofsstraße, wird der Harvester nichts ernten, sondern mit seinem Säge-Kopf Bäume fällen – und das im großen Stil. 

Weil unzählige Birken, Fichten, Eschen und weitere Gehölze abgestorben sind, müssen sie aus Sicherheitsgründen gefällt werden, erläuterte Michael Matuschek vom Amt für Landwirtschaft und Forsten in Ebersberg. Der Förster ist eigentlich für das Revier Aschheim zuständig, vertritt jedoch aktuell seinen Kollegen Karl Einwanger, der sich ums Forstrevier Brunnthal kümmert, zu dem auch Ottobrunn gehört. Und so ist Matuschek am vorigen Donnerstag zur Bürgerversammlung ins Wolf-Ferrari-Haus gekommen, um die Gründe für die Fällarbeiten zu erläutern, die heute beginnen und wohl noch die ganze Woche andauern. 

„Es ist kein schönes Thema, denn wir haben im Ottobrunner Wald viele Schäden“, eröffnete der Förster seinen Vortrag. Hauptgrund hierfür sei der Klimawandel, der zu einer „Verschiebung im Waldökosystem“ führe, so Matuschek. Und er betonte: „Der Klimawandel ist nichts, was noch kommt, sondern er ist längst da.“ Und er führe dazu, dass Baumarten, die hier seit abertausenden Jahren heimisch sind, mit den Bedingungen nicht mehr zurechtkämen – zumal, wenn ihnen extreme Ereignisse zusetzen wie in den vergangenen Jahren. Angefangen habe es mit Orkan Niklas 2015, der „riesengroße Schäden“ vor allem bei Fichten anrichtete, sagte Matuschek. Noch schlimmer sei der „brutale Hitzesommer“ desselben Jahres gewesen. „Früher hat es bei über dreißig Grad noch hitzefrei gegeben“, sagte Matuschek. „Und jetzt überlegen Sie mal, wie oft es heute so heiß wird.“ Stürme, Hitze und Trockenheit machen dem Wald also zu schaffen – und dazu kommen diverse Schädlinge. Neben dem bekannten Borkenkäfer habe sich infolge der Globalisierung ein Pilz namens namens Hymenoscyphus pseudoalbidus hier eingenistet, berichtete Matuschek. Dieser stamme ursprünglich aus Japan und führe zum sogenannten Eschentriebsterben – einer tödlichen Krankheit, gegen die 95 Prozent der heimischen Eschen nicht resistent seien.

Zuletzt verwies der Förster auf zwei spezifische Probleme von Wäldern im urbanen Raum. Zum einen führe hier das „Stadtinnenklima“ dazu, dass die Temperaturen in den Nächten nicht mehr ausreichend fallen, „und das ist für die Bäume besonders schlimm“. Zum anderen reiche die Bebauung vielerorts – so wie in Ottobrunn – bis unmittelbar an den Waldrand heran, was den Pflanzen ebenfalls zusetze.

Die heute beginnende Fällaktion werde sicher nicht die letzte ihrer Art sein, und sie sei auch nicht die erste – „das geht jetzt schon seit fast zwei Jahren so“, sagte Matuschek. All das sei kein Ottobrunn-spezifisches Problem: Vielmehr, so der Förster würden die Wälder in der kompletten Region ebenso leiden.

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