Lutz Kosack aus Andernach stellt das Projekt heute im Gemeinderat vor. Damit auch auf Haarer Grünflächen Nutzpflanzen einmal so üppig ins Kraut schießen wie in seiner kleinen Stadt am Rhein. Fotos: Maurer

Knackiges Projekt: Haar zum Anbeißen

Haar - Äpfel frisch vom Spalier der Wand am „Haus des Kindes". Quitten direkt vom Strauch aus Eglfing. Und Blühpflanzen als bunte Pracht zwischen den Häusern: Alles für alle und zwar kostenlos. Paradiesisch? In Haar vielleicht bald Realität.

Es ist ein unkonventionelles Projekt, über das die Gemeinderäte in Haar heute Abend entscheiden. „Haar zum Anbeißen“ heißt es knackig. Und meint den Anbau von Obst und Gemüse auf öffentlichen Flächen, das die Haarer dann kostenlos ernten dürfen.

Auf diese Weise könnten einmal rund 200 Quadratmeter im Ort bewirtschaftet werden, schätzt Michael von Ferrari, der Leiter des Haarer Umweltamtes und selbst ein gelernter Gemüsegärtner. Erste Vorschläge, wo in Haar gesät, gepflanzt und geerntet werden könnte, gibt es auch: südlich des „Haus des Kindes“ an der Ferdinand-Kobell-Straße und im Grünzug Eglfing.

Die Standorte sind bewusst gewählt, denn ehe die Menschen mit Obst und Gemüse frisch aus der öffentlichen Grünanlage nach Hause gehen können, müssen die Beete gepflegt werden. Das könnten unter anderem Haarer Kinder und Jugendliche übernehmen, findet von Ferrari. Er hofft, dass die Jungen Lust und Engagement fürs Garteln mitbringen. Und natürlich müssen sie die Verantwortung für das Projekt nicht alleine tragen: Mitarbeiter des örtlichen Bauhofes sollen die Anlagen vorbereiten. Sogenannte Kümmerer dann in kleinen Teams die Kinder und Jugendlichen anleiten. Die „Kümmerer“ müssten sich auch in den Ferien Zeit nehmen, um zu gießen und nach dem Rechten zu sehen. „Die ,Kümmerer’, das können junge und alte Menschen aus der Gemeinde sein. Einfach Leute, die gärtnerische Erfahrung haben und Spaß daran, ihr Wissen weiterzugeben“, sagt von Ferrari. Ein Engagement, das ehrenamtlich gedacht ist, denn der Etat fällt nicht übermäßig üppig aus: 1000 Euro sind im Finanzhaushalt des laufenden Jahres eingestellt. Doch von Ferrari ist zuversichtlich. Das Geld wird ausreichen. Die Verwandlung der öffentlichen Flächen könnte bereits im April beginnen - wenn die Gemeinderäte heute zustimmen.

Überzeugungsarbeit jedenfalls wird in der Sitzung Lutz Kosack aus Andernach leisten. Der Landschaftsplaner ist einer der Initiatoren des Projektes, das in der Stadt am Rhein „Die Essbare Stadt Andernach“ heißt und seinen Ursprung in einem Konzept der Stadtverwaltung findet. In der 33 000 Einwohner-Kommune haben Lanzeitarbeitslose die Pflege der „Bürgergärten“ übernommen. Und es läuft so gut, dass Kosack und sein Team mittlerweile Anfragen aus dem gesamten Bundesgebiet haben. Ärger gebe es nicht, sagt Kosack. Weder habe man maßlose Konsumenten ausgemacht, noch nächtliche Diebe oder grobe Beetramponierer. Ganz im Gegenteil: Gerade im Hinblick auf die „soziale Komponente“ habe sich die „Essbare Stadt Andernach“ prächtig entwickelt.

Und was sieht der Mann vom Rhein im raueren Klima östlich von München wachsen? Neben Spalierobst und Quitten setzt er auf Nüsse und Beerensträuche. Selbst der Kiwi räumt er eine Chance ein.

Mitmachen

Wer sich an dem Projekt beteiligen möchte, kann sich an Michael von Ferrari wenden, unter Tel. 089/46 00 23 12. Oder an Silvia Engelhardt von der Volkshochschule Haar, unter Tel. 089/45 69 85 27. Die Volkshochschule bietet zudem eine Infoveranstaltung an. Sie findet am Mittwoch, 19. Februar, im kleinen Sitzungssaal des Rathauses statt, Bahnhofstraße 7. Beginn ist um 19 Uhr, Ende um 21 Uhr. Der Eintritt ist frei. bw

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