Knapek kämpft nörgelnd gegen Jammern und Blockaden

- Neujahrsansprache zwischen Kritik und Aufbruchstimmung

VON MARTIN BECKER Unterhaching - Fast eine Stunde dauerte die Zeremonie der persönlichen Begrüßungen: Unterhachings Bürgermeister Erwin Knapek (SPD) und seine Frau Renate schüttelten über 400 geladenen Gästen beim gemeindlichen Neujahrsempfang in der Hachinga-Halle die Hand. Und wenn die Zeit für ein paar kurze Worte zu knapp wurde, standen ja auch noch der Zweite und Dritte Bürgermeister, Volker Panzer (SPD) und Professor Alfons Hofstetter (CSU), parat.

Vor dem gemütlichen Teil des Abends mit kulinarischen Genüssen und zwangloser Plauderei "möchte ich es Ihnen nicht ersparen", so Knapek, "sich noch einige Anmerkungen zum vergangenen Jahr und zur derzeitigen Lage anhören zu müssen". Die Kern-Botschaft von Knapeks Neujahrsansprache lautete: Die Bürger sollen "Mut, Optimismus und Selbstvertrauen haben" und dies "anderen beispielhaft vorleben , um sie damit zu motivieren".

Ein wenig verwunderlich erschien allerdings die rhetorische Systematik, mit der Knapek das Positive des Standorts Deutschland allgemein und der Gemeinde Unterhaching speziell hervorzuheben versuchte. Gegen Ende seiner Ausführungen geißelte Knapek plötzlich "diese Untugend, die von allen am meisten gepflegt wird - das Jammern", und überhaupt habe "dieses faszinierende Land das Herunterreden nicht verdient". Das sollte optimistisch klingen, doch Höhere Hebesätze bei Gewerbesteuer? die vorangegangenen Relativierungen hatten alle noch in den Ohren. Ungefähr 50 Prozent seiner Rede widmete Knapek nämlich in äußerst nörglerischer Form der klammen Finanzsituation der Kommunen und diesbezüglich dem Versagen von Bundes- und Landesregierung.

"Mit Ironie könnte man sagen, wir haben alle den Jahresbeginn 2004 gefeiert, weil wir das alte Jahr überlebt haben", begann Knapek zunächst pessimistisch. Wegfall der Gewerbesteuer, das Abspecken freiwilliger Leistungen, ein Stutzen der kommunalen Selbstverwaltung - bekannte, aber keine guten Nachrichten. Ein wenig verklausuliert deutete Knapek an, dass auch Unterhaching nun zum Handeln gezwungen sei in der Form, dass man "das unterste Limit der Hebesätze" von derzeit 220 bei der Gewerbesteuer wohl nicht mehr halten könne. Im Klartext: Auf die heimischen Firmen kommen in Kürze wohl höhere Abgaben zu.

Irgendwann aber spannte Knapek den Bogen hin zu Erfreulichem. Mit Mut habe der Gemeinderat in den vergangenen beiden Jahren schwierige Projekte auf den Weg gebracht, von denen man auch in ferner Zukunft noch profitieren werde. Und, aus der nationalen Perspektive betrachtet: Zum Beispiel seien die deutschen Naturwissenschaftler so gut, "dass die US-Firmen ihre Forschungslabors gleich neben deutschen Universitäten bauen und gelassen auf Studienabgänger warten können, deren Stellen im Forschungsbereich gerade wieder heruntergekürzt wurden". Einer der vielen Seitenhiebe auf die "große Politik".

Das Aufbranden von Applaus zeigte, dass die Bürger nach Optimismus lechzen. Im diesem Sinne passten Knapeks Schlussworte, bevor die Unterhachinger zu Sekt und Häppchen griffen: "Gehen wir mit Zuversicht in dieses Jahr und verlassen wir unsere Blockaden - wir schaffen das!"

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Bürgermeister Christian Fürst 100 Tage im Amt
Bürgermeister Christian Fürst 100 Tage im Amt
Zerkarien-Alarm: Wieder Bade-Dermatitis in Furth
Die Zerkarien im Further Bad haben sich offenbar trotz großer Bemühungen nicht aus dem Wasser entfernen lassen. Viele Badegäste klagen über Ausschläge und Juckreiz.
Zerkarien-Alarm: Wieder Bade-Dermatitis in Furth
Kein Platz für den Sportverein
Nach der Sanierung dürfen die Mitglieder nicht mehr in der Turnhalle des Lise-Meitner-Gymnasiums trainieren.
Kein Platz für den Sportverein
Lob von allen Seiten: So schlägt sich Neu-Bürgermeister Markus Böck (CSU)
Seit 100 Tagen ist Oberschleißheims Bürgermeister Markus Böck nun im Amt. Die Bilanz, seine eigene und die der anderen Fraktionen, fällt gut aus.
Lob von allen Seiten: So schlägt sich Neu-Bürgermeister Markus Böck (CSU)

Kommentare