Knapek wütend auf Landratsamt: Tempo-30-Limitierung abgeschafft

- Sorge um Sicherheit von Kindern und Senioren

VON MARTIN BECKER Unterhaching - Wer letztlich dahinter steckt? Niemand weiß es. Nur eins steht anscheinend fest: "Die Person muss sich im Verwaltungsapparat ungeheuer gut auskennen", mutmaßt Unterhachings Bürgermeister Erwin Knapek (SPD). "Einen ähnlichen Fall gab es ja schon 1997..." Genau wie damals geht es wieder um die von-Stauffenberg-Straße. Dort gilt derzeit rund um die drei Zebrastreifen Tempo 30, doch nur noch bis Samstag. Ab dem 1. Februar, so eine "rechtsaufsichtliche Weisung" des Landratsamts, in in der gesamten von-Stauffenberg-Straße eine Geschwindigkeit von 50 km/h zuzulassen. Eine Entscheidung, die möglicherweise im Betreiben eines verärgerten Rasers wurzelt.

Kinder benutzen die von-Stauffenberg-Straße als Weg zur Schule, Eltern bringen die Kleinsten zum Kindergarten, Senioren gehen dort zum Einkaufen: Die Gemeinde Unterhaching hatte gute Gründe, eine Tempo-30-Zone einzuführen. Plötzlich wurde 1997 ein leitender Beamter aus dem Ottobrunner Rathaus wegen überhöhter Geschwindigkeit geblitzt, und der Experte in Verwaltungsfragen hebelte das Tempo-Limit aus. Von ihrem Charakter her - relativ breit und gerade - handele es sich um eine klassische Tempo-50-Straße. Und siehe da, die Abteilung für Verkehrsrecht im Landratsamt gab dem Ottobrunner Beamten recht. Erst eine Intervention bei Rechtskundiger Raser steckt offenbar dahinter Landrat Heiner Janik (CSU) ergab 1997 den Kompromiss, dass wenigstens an den drei Zebrastreifen Tempo 30 einzuhalten sei.

Jetzt also das gleiche Spiel: Wieder hat sich jemand beim Landratsamt über das Tempo-Limit beschwert, wieder befürwortete die übergeordnete Behörde diese Argumentation. Laut Landratsamt müsse die Gemeinde Unterhaching die von-Stauffenberg-Straße durch bauliche Veränderungen quasi langsamer machen, dann sei Tempo 30 gerechtfertigt - andernfalls nicht.

Landtags-Vizepräsident und Rechtsanwalt Peter-Paul Gantzer vertritt Unterhaching juristisch gegenüber dem Landratsamt, seine Intervention liegt schon auf dem Schreibtisch von Heiner Janik. "Ich hoffe, dass uns Herr Janik hilft wie schon 1997", sagt Knapek. "Ansonsten gibt das hier einen Riesen-Aufstand von den Bürgern." Den Vorschlag mit den baulichen Veränderungen möchte der Bürgermeister keinesfalls akzeptieren: "In Zeiten knapper Kassen stecke ich dieses Geld lieber in wichtigere Projekte. In einem zivilisierten Land sollte ein normales Verkehrsschild eigentlich genügen." Auch die Stellungnahme der Polizei, die dem Landratsamt mitgeteilt hatte, in der von-Stauffenberg-Straße gebe es kaum Unfälle, wundert Knapek sehr. "Das ist doch logisch - wegen des Tempo-Limits!" Ab Sonntag dürfen die Autofahrer in der von-Stauffenberg-Straße wieder kräftiger aufs Gas drücken, die Tempo-30-Schilder werden abmontiert, und Knapek sehnt ein rasches Machtwort von Heiner Janik herbei. "Oder", drängt Knapek, "muss erst ein Kind angefahren werden, bis etwas passiert?"

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