Königin holt Protestanten ins Land: 175 Jahre evangelische Kirche in Feldkirchen

Feldkirchen - 175 Jahre ist es her: Die Evangelische Kirche Feldkirchen wurde 1837 erbaut. Im Münchner Land gibt es kein älteres evangelisches Gotteshaus.

Die Schotterebene hat dem Münchner Umland nicht nur zahlreiche Kiesgruben beschert, sie ist auch der Grund dafür, dass sich Anfang des 19. Jahrhunderts mitten im katholischen Oberbayern Protestanten niedergelassen haben.

Der schlechte Boden machte den ansässigen Landwirten arg zu schaffen. Karoline von Baden ging deshalb eines Tages zu ihrem Mann, Maximilian I Joseph, König von Bayern. „Sie erklärte ihm, die evangelischen Bauern aus der Pfalz wüssten mit diesem Boden umzugehen“, erzählt Alfred Krauth, evangelischer Pfarrer von Feldkirchen. Der König hielt die Idee seiner Gemahlin für gut, der Zuzug begann. 1811 gab es in Feldkirchen schon eine evangelische Schule - eine katholische übrigens nicht. 1836 entstand das „Bet-, Schul- und Vikarhaus“, die heutige evangelische Kirche Feldkirchen, bezahlt aus Spenden aus ganz Deutschland, der Schweiz und England.

Heute ist die Feldkirchner Kirche die älteste evangelische im gesamten Umkreis. Und eine besondere dazu. Der Betsaal befindet sich nämlich noch immer im ersten Stock. Im Parterre waren ursprünglich die Vikarswohnung und der Schulsaal untergebracht.

Von 1843 bis 1849 lebte darin der Vikar J.K. Rüger aus Bayreuth. Ein sehr gestrenger Mann. Offensichtlich ein wenig zu streng für den Feldkirchner Geschmack. „Die Leute dachten sich irgendwann, ,der spinnt doch.“ Mit ihrer Meinung hielten die Feldkirchner dabei nicht hinter dem Berg. Einige nächtliche Schüsse durch das Fenster des Pfarrhauses vertrieben den ungeliebten Vikar aus dem Ort.

Den Umstand, dass ihr Betsaal immer im ersten Stocklag, haben die Feldkirchner Protestanten lange als Makel gesehen. Nachdem die Kirche 1870 sogar einen Turm bekommen hatte, wollten sie Anfang des 20. Jahrhunderts „endlich eine richtige Kirche“, wie Krauth erzählt. Doch für den Neubau fehlten im Jahr 1912 10 000 Goldmark „und Schulden zu machen, erlaubte die Kirche nicht“. Das Gotteshaus blieb wie es war - bis heute. Doch einen Makel stellt das für Krauth in keiner Weise mehr dar. „Es ist ein Glück, heute ist unsere Kirche etwas besonderes." Und seit 1999 auch barrierefrei, ein Lift wurde eingebaut. Im Erdgeschoss befindet sich heute das Gemeindezentrum. hor

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