Kommunalwahl 2020

Wer erobert das Landratsamt? Die Landratskandidaten im Check

  • Charlotte Borst
    VonCharlotte Borst
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Am kommenden Sonntag haben die Landkreisbürger die Wahl: Sechs Kandidaten bewerben sich um den Posten als Landrat. Doch für was stehen sie? Was haben sie vor?

Landkreis – Sechs Kandidaten treten bei der Landratswahl am 15. März an und trauen sich zu, die Herausforderungen im einwohner- und wirtschaftsstärksten Landkreis Bayerns anzugehen: An erster Stelle sind dies Verkehrskollaps, Wohnungsnot und Klimaschutz.

Klarer Favorit ist Amtsinhaber Christoph Göbel (CSU). „Ich bin ein begeisterter Kommunalpolitiker“, sagt Göbel von sich. Der 45-Jährige ist der Jüngste im Bewerberfeld, optimistisch, beliebt, bekannt und verbindlich. Sogar in den Reihen seiner Konkurrenten wird er als Titelverteidiger gehandelt. Trotzdem lehnt sich der Jurist im Wahlkampf keineswegs siegessicher zurück. Der Vater von – demnächst drei – Kindern sammelt mit großem persönlichen Einsatz Stimmen für sich und die CSU-Fraktion, vielleicht auch, um einer Stichwahl vorzubeugen. „Die Mobilität der Menschen“ ist für ihn „der Schlüssel unserer Region“.

Im Landratsamt ist die Zahl der Mitarbeiter kontinuierlich gewachsen und hat sich in seiner ersten Amtszeit auf 1300 Angestellte verdoppelt. Im Kreistag hat es der Jurist verstanden, bei vielen Beschlüssen Konsens zu erreichen. Die größte Herausforderung war bisher der Asylansturm. Göbel hat sich an die Spitze der Willkommenskultur im Landkreis gestellt, im Schulterschluss mit seinen Stellvertretern.

Allerdings kamen von den Fraktionen der SPD, Grünen und Freien Wähler seit 2014 wichtige Impulse. Die MVV-Reform wäre nur ein Reförmchen geworden, hätten die Kreis-SPD und die Bürgermeister der Nordkommunen nicht vehement mehr gefordert. Die Grünen stellen den Klimaschutz in den Focus und die Freien Wähler brachten die totgesagte Idee der Magnetschwebebahn wieder ins Gespräch.

Nadler will mindestens die Stichwahl erreichen

Ein Wahlkampf-Recke ist Christoph Nadler (Grüne). Der Betriebswirt aus Taufkirchen kandidiert zum zweiten Mal für den Landratsposten. Diesmal will der 64-Jährige zumindest die Stichwahl erreichen. Nadler arbeitet in der Versicherungsbranche und ist im Aufsichtsrat verschiedener Solarunternehmen. Dass grüne Themen in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind, freut ihn. Er setzt den Klimaschutz an erste Stelle und ist überzeugt, dass Klimapolitik vielen Wählern am Herzen liegt: „Der 15. März wird ein schöner Tag.“ Nadler ist seit 30 Jahren bei den Grünen, seit 2001 Fraktionssprecher im Kreistag, seit 16 Jahren Gemeinderat in Taufkirchen. Im Wahlkampf verpflichtete er einige Promis wie Toni Hofreiter oder Robert Habeck. Dass der für heute geplante Höhepunkt mit dem Bundesvorsitzenden der Grünen wegen der Corona-Debatte ausfällt, sei „sehr schade“, aber „vernünftig“.

Alternative im Lager der Konservativen

Otto Bußjäger stammt aus einer landwirtschaftlichen Familie, die seit dem Jahr 1730 im Landkreis ansässig ist. Der 49-Jährige will Klimaschutz und Ökonomie im wirtschaftsstarken Landkreis in Einklang bringen. Bußjäger ist Handwerksmeister und Kommunalberater, war Bürgermeister von Grasbrunn, ist Gemeinderatsmitglied in Höhenkirchen-Siegertsbrunn und hat sich als Stellvertreter des Landrats profiliert. „Gemeinsam geht’s besser“, ist das Motto seines engagiert geführten Wahlkampfs. „Vertrauensvoll haben wir in allen Fraktionen beim Asylthema zusammengearbeitet, ebenso bei der Strukturreform und der Standortfrage für das Landratsamt“, sagt er. Sein Ziel: „Die Fraktion der Freien Wähler vergrößern.“

AfD will erstmals in den Kreistag

Die AfD will erstmals in den Kreistag einziehen und schickt als Landratskandidat wieder den Putzbrunner Gerold Otten ins Rennen. Kurz vor Meldeschluss hat er seine Kandidatur erklärt. Die Aufstellungsversammlung fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Im Wahlkampf lässt sich Otten nur auf Wahlplakaten sehen. Er nahm an keiner Podiumsdiskussion der Landratskandidaten teil. Die AfD organisierte auch keine öffentlichen Wahlveranstaltungen. In der Breite gelang es ihr nicht, Bewerber aufzustellen. Von den 29 Landkreis-Kommunen gibt es nur in Unterschleißheim Kandidaten für den Stadtrat. Otten (64) war Berufsoffizier und Salesdirector bei der Airbus Defense and Space. 2017 zog er für die AfD in den Bundestag ein.

Kämpferisch für die SPD auf Liste 5

Auch Annette Ganssmüller-Maluche ist eine Stellvertreterin von Göbel, und daher auf und ab im Landkreis präsent. Die erfahrene Kommunalpolitikerin hat eng mit dem Amtsinhaber zusammengearbeitet. Trotzdem kämpft die 58-Jährige jetzt erneut mit aller Energie um Stimmen und verweist auf den Einsatz der SPD bei der MVV-Reform oder beim Ausbau der Buslinien. Sie fordert mehr Nachdruck beim U-Bahnbau nach Martinsried und beim Ausbau der S-7, sie wünscht sich eine modernere Baugesellschaft München-Land und kritisiert die Behördenreform im Landratsamt: „Wir erhöhen die Arbeitskräfte systematisch, aber die Arbeit wird nicht schneller erledigt.“ Sie kandidierte schon 2014 als Landrätin, damals gelang ihr ein Überraschungscoup, als sie Göbel in die Stichwahl zwang. Umso zerknirschter war sie, als sie 2018 den erhofften Einzug in den Landtag verpasste. „Ich bin sehr demütig geworden“, sagt die Mutter dreier erwachsener Kinder. Eine Ansage macht die erfahrene Kommunalpolitikerin nicht: „Natürlich will ich Landrätin werden“, sie wisse aber absolut nicht, „wo wir in der Wählergunst stehen. Deswegen beschäftige ich mich damit nicht, mache Wahlkampf und hoffe, dass uns die Wähler auf Liste 5 finden.“

Ritz hält die Flagge der Liberalen hoch

Für die FDP kandidiert Michael Ritz. Der Jurist und Versicherungsmakler aus Grünwald ist Kreisvorsitzender der FDP und will für liberale Positionen eintreten, egal ob es im Kreistag um Mobilität, Energie, Wohnungsbau, Digitalisierung oder Wirtschaft geht. Der 58-Jährige war sechs Jahre im Gemeinderat Kirchheim und ist seit 2009 Gemeinderatsmitglied in Grünwald. Im Rennen um den Landratsposten spielt er nur eine Nebenrolle, ihm geht es vor allem darum, für die Liberalen in der Kreistagsfraktion und in den Kommunalparlamenten ein gutes Ergebnis einzufahren. In Grünwald kandidiert er zeitgleich als Bürgermeister.

Die Bürgermeisterkandidaten aller Gemeinden aus dem Landkreis München, haben wir für Sie in unserem Überblicksartikel zu den Kommunalwahlen 2020 aufgelistet. Alle weiteren Hintergrundberichte finden sie auch auf unserer Themenseite zu den Kommunalwahlen 2020 im Landkreis München.

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