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Gewerbe, Wohnen, Erholung: Für all das soll Platz sein im Landkreis, wie hier im Business Campus in Garching.

Kommunalwahl 2020

Erfolgsgeschichte fortschreiben: Das planen die Landratskandidaten für den Landkreis

  • Charlotte Borst
    VonCharlotte Borst
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Die Landratskandidaten für die Kommunalwahl 2020 haben sich den Fragen von Unternehmern gestellt. Klar wurde: Die Erfolgsgeschichte des Landkreises wollen sie fortschreiben.

Landkreis – Wie sieht die Zukunft der Unternehmen im Landkreis aus? Die Industrie- und Handelskammer (IHK) lud die Landratskandidaten zur Podiumsdiskussion ins Garchinger Gründerzentrum Gate ein. Unternehmer Christoph Leicher aus Kirchheim begrüßte die fünf Landratskandidaten, die am 15. März zur Wahl stehen: Christoph Göbel (CSU), der seit sechs Jahren im Amt ist, seine Stellvertreter Annette Ganssmüller-Maluche (SPD) und Otto Bußjäger (Freie Wähler) sowie Fraktionschef Christoph Nadler von den Grünen, der überzeugt ist: „Der 15. März wird ein schöner Tag.“ Sie alle sind erfahrene Kommunalpolitiker, nur der Liberale Michael Ritz (FDP) will neu in den Kreistag einziehen. Verhindert war Gerald Otten (AfD) wegen einer Sitzung in Berlin.

Wann gibt es eine bessere Anbindung an den Flughafen? Wie können Anträge schneller bearbeitet werden? Wie wollen Sie den Verkehrskollaps aufhalten? Die Fünf stellten sich hoch konzentriert – zwei Stunden im Stehen und nur mit einer Flasche Wasser ausgerüstet – den Fragen von 30 Unternehmern. Harte Bandagen hatten die Kandidaten nicht mitgebracht. Eher wirkte es, als wollten Ganssmüller-Maluche, Bußjäger und Nadler auch weiterhin Seite an Seite mit Göbel die Erfolgsgeschichte des Landkreises fortschreiben, und nur ein paar neue Schwerpunkte setzen.

Auf dem Podium: (v.l.) Otto Bußjäger (FW), Michael Ritz (FDP), Christoph Göbel (CSU), Annette Ganssmüller-Maluche (CSU), Gastgeber Christoph Leicher und Christoph Nadler (Grüne).

Die Kandidaten liegen bei vielen Themen eng beieinander. Alle befürworten beschleunigte Expressbusse und Tangentialverbindungen im MVV-System. Alle setzen auf Innovation mit Gondeln und Magnetschwebebahnen, hierfür wird die Machbarkeit geprüft. Sie wollen digitalisierte Verkehrssysteme voranbringen und sind sich einig, dass auch in Gewerbegebieten Wohnungen gebaut werden.

„Wachstum per se ist nicht gut“

„Der Raum soll nicht urbanisiert werden“, sagte Göbel, der Jüngste in der Runde. Der Landkreis sei unter Druck in der „Sandwich-Situation“ zwischen München und der Region. „Wachstum per se ist nicht gut. Es muss mit wachsender Steuerung versehen werden.“ Der 45-jährige Vater von bald drei Kindern stellte sich an die Seite der Unternehmer: „Wirtschaftskraft schafft Wohlstand.“ Doch will er die Vernetzung innerhalb der Metropolregion von Augsburg über Ingolstadt bis Rosenheim verbessern. „Mobilität ist der Schlüssel der Region.“ Auch kommunaler Wohnungsbau sei nötig, „für die Menschen, die sich die hohen Lebenshaltungskosten nicht leisten können“. Die „gute alte Betriebswohnung“ soll eine „Renaissance“ erleben. Sein Vorschlag: „Wir müssen die riesigen Parkflächen überbauen.“ Er verspricht, dass mehr Behördenprozesse digitalisiert und automatisiert werden. In puncto Energie ist Göbel überzeugt: „Die dezentrale Stromversorgung und -speicherung wird uns künftig stark beschäftigen.“

Grünen-Kandidat will Windräder bauen

Michael Ritz (59) plädiert besonders für den Ausbau von Glasfaser und 5G, damit auch auf dem Land Arbeit im Homeoffice möglich ist. „Dadurch wird Verkehr reduziert.“

Deutlicher als Göbel kreiden seine Mitbewerber Bund und Land fehlende Investitionen in den ÖPNV an. „Wenn München hustet, kränkelt Bayern“, sagte Bußjäger. Der 64-jährige Nadler wünscht sich die ICE-Anbindung des Flughafens, „so wie in Frankfurt“. Seine wichtigste Forderung sind „radikale Veränderungen“ zugunsten des Klimas: „Bisher erzeugt der Kreis nur 19 Prozent seines Bedarfs aus regenerativer Energie, wir müssen in zehn Jahren auf 100 Prozent kommen, um die EU-Ziele zu erreichen.“ Er setzt auf Fotovoltaik und Windkraft. „Der Bau eines Windrads darf in Bayern nicht mehr sechs Jahre dauern.“ Im Hofoldinger Forst zeigten die Proteste, „dass es versäumt wurde, rechtzeitig mit den Menschen zu reden“.

Bußjäger: „Wir müssen so schnell wie möglich CO2-frei werden“

Bußjäger (49) kennt als Handwerksmeister und Berater die Sichtweise der Unternehmer. „Gemeinsam geht es besser“, ist sein Slogan, um unkomplizierte, schelle Lösungen zu finden. „Eine gute Zukunft fällt uns nicht in den Schoß.“ Er bat die Unternehmer, Ökologie und Ökonomie zusammen zu denken. „Wir müssen so schnell wie möglich CO2-frei werden.“

Ganssmüller-Maluche sieht im Norden „die Lebensader des Landkreises“. Kämpferisch spricht die 58-Jährige Probleme an. „Wir prüfen und bürokratisieren uns zu Tode“, sagt sie über die Tendenz zu immer neuen Gutachten. Beim Radschnellweg gehe es zu langsam, auch die Verlängerung der U-Bahn nach Martinsried lasse auf sich warten. „Mit nur Nett-Sein kriegen wir den ersten Spatenstich nicht hin. Wir schaffen nur, Dinge voranzubringen, wenn wir nerven und dicke Bretter bohren.“ Konkret könne der Kreis vorankommen, mit Expressbussen und Vorrangspuren für Busse. Die Seilbahntechnik müsse im Landtag auf den Weg gebracht werden. „Es wird das erste Thema sein, das ich angehe“, kündigte die SPD-Kandidatin an.

Die Bürgermeisterkandidaten aller Gemeinden aus dem Landkreis München, haben wir für Sie in unserem Überblicksartikel zu den Kommunalwahlen 2020 aufgelistet. Zudem können Sie sich in unserem Artikel zu den Landratswahlen über die dort antretenden Kandidaten informieren. Alle weiteren Hintergrundberichte finden sie auch auf unserer Themenseite zu den Kommunalwahlen 2020 im Landkreis München.

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