Die Hundemeile im Landschaftspark verläuft entlang des Zauns zur Bundeswehr-Uni
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Die Hundemeile im Landschaftspark verläuft entlang des Zauns zur Bundeswehr-Uni – ein zweiter Zaun würde das Areal zum schmalen Korridor machen.

Gemeinde gibt Bürgerinitiative keine Chance

„Zehn Meter sind nicht genug“: Kontroverse um Hundemeile im Landschaftspark

  • Martin Becker
    vonMartin Becker
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Wie viel Auslauf braucht ein Hund? Um diese Frage dreht sich eine Bürgerinitiative zur Hundemeile im Landschaftspark zwischen Unterhaching und Neubiberg.

Unterhaching/Neubiberg – „Zehn Meter sind nicht genug“ und „Stoppt den Zaun“: So schreibt es die Tierärztin Claudia Thielen aus Neubiberg im Flyer ihrer „Bürgerinitiative Artgerechte Hundemeile“. Ähnlich gehalten ist im Tenor ein Antrag von Esther Kamin zur Bürgerversammlung in Unterhaching, die im Oktober coronabedingt auffallen musste. Die Emotionen kochen hoch wegen geplanter Neuerungen an der Hundemeile im Landschaftspark. Und dies alles, weil die Gemeinde Unterhaching die derzeit bestehende Freilauffläche eigentlich verdoppeln wollte. Doch den Hundebesitzern geht dies nicht weit genug.

Biotop steht einer breiteren Fläche entgegen

Doch der Reihe nach. Schon im Februar hatte die CSU Unterhaching gefordert, die Freilauffläche auf der 1,6 Kilometer langen Hundemeile entlang des Zauns zur Bundeswehr-Uni Neubiberg auf 30 bis 40 Meter zu erweitern; aktuell sind offiziell nur fünf Meter erlaubt. In der Juni-Sitzung des Gemeinderats informierte Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD), warum aus diesem Ansinnen nichts wird: Der Wiesenbereich gilt offiziell als gesetzlich geschütztes Biotop, dieses darf nicht angetastet werden (wir berichteten). Schon im Juni hieß es, die Untere Naturschutzbehörde stelle lediglich in Aussicht, die Hundemeile von derzeit fünf auf zehn Meter zu verbreitern – dann allerdings müsse sie mit einem Zaun abgegrenzt werden. Diesen Kompromissvorschlag beschlossen die Kommunalpolitiker im August. Und lösten damit einen Sturm der Entrüstung aus.

„Zehn Meter sind lächerlich, da kann ich nicht mal einen Ball werfen und Hunde artgerecht ihren Spieltrieb ausleben lassen“, sagt Esther Kamin auf Nachfrage des Münchner Merkur. Das Biotop-Argument zum Schutz von Feldlerche und Wechselkröte erscheint der Unterhachingerin nicht schlüssig: „All diese riesigen Freiflächen werden vielfach genutzt, zum Beispiel fürs Kitesurfen oder um Drachen steigen zu lassen. Der Landschaftspark wird zur Partymeile, aber für Hunde findet sich nicht genug Platz zum Spielen. Sehr traurig.“

Tierärztin rechnet mit zunehmender Aggression

Mit der Unterschriftensammlung ihrer Bürgerinitiative verfolgt Claudia Thielen das gleiche Ziel. „Hunde brauchen Auslauf und Sozialkontakte mit Artgenossen“, begründet die Tierärztin aus Neubiberg ihren Vorstoß. Auf einem zehn Meter engen Streifen könnten „keine artgerechten Hundebegegnungen im Freilauf stattfinden, da keine Ausweichmöglichkeiten bestehen“. Sie fürchtet, dass die korridorartige Enge „zu Stress und als Folge zu erhöhter Aggression unter Hunden führt“.

In Facebookgruppen schaukeln sich Schimpftiraden gegen die Gemeinde hoch, und diese Wucht des Protests sorgt im Rathaus für Verwunderung. „Ich verstehe den Aufruhr nicht“, sagt CSU-Fraktionschef Korbinian Rausch, der mit seinem Antrag im Februar den Anstoß zu der Debatte gegeben hatte. Zehn statt fünf Meter Freilauffläche seien „aus politischer Sicht ein vernünftiger Kompromiss“, mehr gebe die Gesetzeslage nun mal nicht her. „Das Absurde“ sei, „dass wir Wünsche aus der Bürgerschaft im Rahmen des Machbaren umgesetzt haben“. Diese gut gemeinte Verbesserung wird von den Hundehaltern, allein in Unterhaching etwa 2000, aber als Verschlechterung empfunden. Rausch: „Dann hätten sie sich früher in den Prozess einschalten sollen. Das Thema wird seit Februar diskutiert.“

Bisherige Lösung wäre das kleinere Übel

Vielleicht liegt eine Chance darin, dass die Unterschriftensammlung der Bürgerinitiative zwei Ziele formuliert. Aussichtslos erscheint der Wunsch, die Freilauffläche auf die Hälfte der Wiesen zur alten Landebahn zu erweitern – weil dies ein gesetzlich geschütztes Biotop ist. „Dieses sorgfältig austarierte Miteinander zwischen Naturschutz und Freizeitnutzung lässt sich nicht einfach mit ein paar Unterschriften aushebeln, denn diese heben die Gesetzeslage nicht auf“, sagt Rathaus-Sprecher Simon Hötzl. Die Alternativforderung lautet, die Hundemeile in ihrer bisherigen Form zu belassen – ohne Zaun. Der Gemeinderat müsste seinen Beschluss also zurücknehmen; dies wird laut Hötzl geprüft. Der Vorteil für Hundebesitzer: Die alte Regelung mit „Augen-zu-Toleranz“ gegenüber Abstechern ins Biotop wäre das kleinere Übel als die „Aufwertung“ der Hundemeile mit einem Zaun.

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