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Als gruseliger Krampus begleitet Georg Loidl Nikolaus und Englein jeden Advent. Nun hat er erstmals nach einem Auftritt eine Beschwerde bekommen.

Beschwerde-Brief der Eltern

Dieser Krampus soll sich für einen Klaps mit der Rute entschuldigen

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Höhenkirchen - Georg Loidl hat einen Monat nach seinem Auftritt als Krampus bei einer Nikolausfeier einen Beschwerde-Brief bekommen. Er soll sich für einen Klaps mit der Rute entschuldigen. 

Mit dem Advent 2016 hatte Georg Loidl eigentlich schon eine Weile abgeschlossen. Bis er am Neujahrstag von einer Nikolausfeier eingeholt wurde. Denn eine Familie hat seinen Auftritt als Krampus in Höhenkirchen-Siegertsbrunn (Kreis München) noch nicht vergessen – und deshalb einen Brief an ihn geschrieben. Mit der Aufforderung, sich für einen Klaps mit der Rute zu entschuldigen. Loidl, seit 26 Jahren als Krampus unterwegs, versteht die Welt nicht mehr.

Der Auftritt, für den er sich entschuldigen soll, fand Anfang Dezember statt. Die Spielvereinigung Höhenkirchen hatte für die Junioren-Fußballerinnen eine Nikolausfeier organisiert. Eltern waren auch eingeladen. Für jede der neun- bis zehnjährigen Kickerinnen hatten die Trainer einen kleinen Vers und ein Geschenk vorbereitet. Der Nikolaus hat gelobt, der Krampus hat mit der Kette gerasselt, mit der Rute gefuchtelt und gelegentlich einen Klaps verteilt. So wie es Krampusse seit jeher im Advent tun, sagt Georg Loidl. „So wie es eben Brauch ist.“ Noch nie musste er sich entschuldigen. Noch nie hatte er das Gefühl, einem Kind zu viel Angst gemacht zu haben. Wenn er in den vergangenen drei Jahrzehnten einmal bei Kindern eingeladen war, die noch sehr klein waren und vor der gruseligen Krampus-Gestalt Angst bekommen könnten, ließ er Nikolaus und Englein sogar vorsorglich allein, erzählt er. „In solchen Momenten habe ich dann einfach vor der Tür gewartet.“ Auf der Nikolausfeier der Fußballerinnen gab es allerdings keinerlei Anzeichen, dass irgendwer Angst vor ihm hätte, sagt er rückblickend. Die Kinder haben gelacht, sind kichernd vor ihm in Deckung gegangen. Der 44-Jährige ist sicher: Hätte ein Kind Angst bekommen, hätte er es gemerkt.

Umso überraschter war er, als er vor zwei Tagen den Brief las. „Wir möchten Sie hiermit darauf hinweisen, dass es in Deutschland gesetzlich verboten ist, ein Kind zu schlagen oder ihm auch nur einen Klaps zu geben (siehe BGB § 1631 sowie das „Gesetz zur Ächtung von Gewalt in der Erziehung“ aus dem Jahr 2000)“, schreiben die Eltern eines Mädchens, das einen Klaps mit der Rute bekommen hatte. „Wir erwarten, dass sich der Krampus bei uns meldet, sich entschuldigt und versichert, dass er von solchen gesetzeswidrigen Maßnahmen künftig Abstand nimmt.“ Den Brief haben sie an den Burschenverein geschickt, der den Auftritt organisiert hatte. Den Namen des Krampus’ hat der Verein ihnen nicht verraten. Auf Nachfrage unserer Zeitung wollten sie sich zum Brief nicht weiter äußern.

Passionierter Krampus: Georg Loidl will den Brauch weiter pflegen.

Georg Loidl hat kein Problem damit, seinen Namen zu nennen. Er steht zu seinem Auftritt als Krampus, auch zu dem Klaps mit der Rute. „Ich werde mich dafür nicht entschuldigen“, sagt er. „Der Krampus ist ein Stück bayerisches Brauchtum.“ In 26 Jahren hat er diesen Brauch oft praktiziert, rund 80 Auftritte hat er jeden Advent. Nie gab es Tränen, nie Kritik von Eltern.

Thomas Körwien, der Trainer der jungen Fußballerinnen, findet es „extrem schade und bedauerlich“, dass die Feier solche Folgen hat. „Wir wollten mit der Nikolausfeier das Miteinander fördern. Die Mädchen und ihre Eltern sollten sich besser kennenlernen, wir wollten den Zusammenhalt stärken“, betont er. Dass der Krampus-Auftritt nun sogar einen Beschwerde-Brief ausgelöst hat, bedauert er sehr. Er hatte zuvor bereits ein Gespräch mit den Eltern geführt und versucht, die Angelegenheit zu klären. Der Brief kam danach – als auch er die Nikolausfeier bereits abgehakt hatte.

Georg Loidl versucht, den Fall gelassen zu nehmen. Seine Krampus-Dienste will er deswegen auf jeden Fall nicht aufgeben. Dafür ist ihm das bayerische Brauchtum zu wichtig.

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