Kreis wirft MVV Reformstau vor

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Behäbig und nicht wirklich auf der Höhe der Zeit: Das ist das Bild, das viele Kreisräte vom MVV haben. Sie fordern zukunftsweisende Veränderungen.

Landkreis – Ob autonomes Fahren, Leih-Bikes oder die Seilbahn als Instrument urbaner Mobilität. Ungeahnte Möglichkeiten kündigen sich an. Der Landkreis München hingegen droht womöglich abgehängt zu werden. Das zumindest glauben immer mehr Kreisräte aus immer mehr Fraktionen, die dem Münchner Verkehrsverbund (MVV) keine Reformen zutrauen. Auch Landrat Christoph Göbel (CSU) selbst äußerte Zweifel.

Von daheim mit dem Leihrad bis zur S-Bahn, dann raus aus dem Zug und ins Auto des nächstbesten Carsharing-Anbieters. So stellen sich die Grünen die Mobilität der Zukunft vor – als Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr.

Obwohl es Angebote wie Carsharing und Leihräder längst gibt im Landkreis, sei es bis heute nicht möglich, Leihrad, S-Bahn und Carsharing für einen Weg zu nutzen, beklagte Markus Büchler (Grüne) im Kreis-Mobilitätsausschuss: „Das funktioniert ganz einfach nicht, weil es verschiedene Anbieter sind.“ Die Grünen wollen daher den MVV in die Pflicht nehmen. Anstelle irgendwelcher Meta-Apps, die als übergeordnete Dienstleister unterschiedliche Angebote für den Nutzer verbinden, soll der MVV die neuen Formen der Fortbewegung gleichberechtigt neben Bus und Tram in ein ganzheitliches Verkehrskonzept aufnehmen. Aus dem Verkehrsverbund MVV soll ein Mobilitätsverbund werden.

Und das möglichst bald; denn dem Landkreis, der Metropolregion München, droht der Verkehrskollaps. Mobilität wird in den kommenden 20 Jahren eine Entwicklung erfahren, wie die Telekommunikation in den zurückliegenden zwei Jahrzehnten. Die Prognose stammt aus dem Mund des Ingolstädter Professors Harry Wagner, der auf Einladung des Landratsamts über die Seilbahn als Standbein urbaner Mobilität informierte. Solcherlei Weitsicht wünscht Büchler sich im Hinblick auf Reformen beim MVV. Wer, wenn nicht der flächenmäßig größte und finanziell potenteste Partner im Verbund wäre sonst dafür geeignet, Reformen anzustoßen? Die Einschätzung der Grünen wird fraktionsübergreifend geteilt. Er frage sich, ob der MVV überhaupt noch der richtige Partner für die Zukunft sei, meinte Rolf Zeitler (CSU), Alt-Bürgermeister von Unterschleißheim. Geprägt durch kleinräumige Interessen würden notwendige Entwicklungen eher behindert. Zeitler empfahl den Landräten der acht MVV-Landkreise, das Heft in die Hand zu nehmen, „mit einer Stimme zu sprechen“.

So einfach freilich ist das nicht. Den acht Landkreisen im MVV, die insgesamt nur eine Stimme haben, stehen in der Gesellschafterversammlung unter Umständen die Interessen des Freistaats und des Landeshauptstadt München gegenüber. Beide verfügen über jeweils eine Stimme. Das Problem ist systemimmanent, der Reformstau ist selbst gemacht.

Der Ausschuss nahm den Antrag der Grünen einstimmig an. Landrat Göbel ist damit beauftragt, sich in der Gesellschafterversammlung für die Weiterentwicklung des MVV zu einem umfassenden, modernen Mobilitätsverbund einzusetzen. Ganz in seinem Sinne übrigens. Er selbst sieht Bedarf für die ein oder andere Reform: „Selbst wenn wir Landkreise im MVV mit einer Stimme sprechen, werden wir von zwei Stimmen niedergebügelt“, rügte er. „Derzeit ist das einfach zu starr!“ Ob sein Vorstoß angesichts der Mehrheitsverhältnisse beim MVV von Erfolg gekrönt sein wird, darauf ging Göbel nicht explizit ein. Sein Kommentar lässt aber vermuten, dass wohl noch einiges an Zeit verstreichen wird, bis messbare Ergebnisse zu erwarten sind. „Ich kenne den MVV“, resümierte Göbel zynisch: „Ich kenne ihn als reform- und innovationsfreudigen Verbund.“

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