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Rauchfahnen: Das Heizkraftwerk München-Nord.

Im Heizkraftwerk Unterföhring

Kreistag fordert Stadt auf: Weniger Kohle verfeuern

Unterföhring – Der Landkreis verstärkt die Front gegen das Heizkraftwerk München-Nord bei Unterföhring. Mit deutlicher Mehrheit fordert der Kreistag die Stadtwerke München auf, Schadstoffemissionen schleunigst abzustellen. Ähnlich lautende Resolutionen verabschiedeten bereits die Gemeinden Unterföhring und Ismaning.

Die Gemeinde Unterföhring, die das HKW direkt vor der Nase hat, ging dabei noch einen Schritt weiter. Mitte Dezember kündigte man den Nutzungsvertrag mit den Stadtwerken. Ab 2021 bezieht die Gemeinde keinen schmutzigen Kohlestrom mehr, setzt stattdessen auf umweltfreundliche Geothermie. Dass der Münchner Stadtrat die Anlage bis wenigstens 2035 weiter befeuern will, lässt die Nordgemeinden im Landkreis keine Jubelarien anstimmen.

Der von den Grünen angestoßenen Resolution liegen folgende Daten zu Grunde: 800 000 Tonnen zur Stromerzeugung verbrannter Kohle im Jahr stoßen im Heizkraftwerk Nord 2,5 Millionen Tonnen CO2 aus – weit über die Hälfte dessen, was 2010 im ganzen Landkreis durch die Schornsteine ging.

Eigenen Angaben der Jahre 2011 und 2013 folgend produziert allein der Kohle verbrennende Block 2 des HKW 42 Tonnen Kohlenmonoxid, 1300 Tonnen Stickoxide, 185 Tonnen Schwefeldioxid, drei Tonnen Chlorwasserstoff, unbekannte Mengen Arsen, Blei und Cadmium sowie acht Kilogramm Quecksilber.

FDP hat wirtschaftliche Bedenken

Dass festgesetzte Grenzwerte eingehalten werden, schädliche Umwelteinwirkungen und eine Gesundheitsgefährdung aus Sicht der zuständigen Überwachungsbehörde, der Regierung von Oberbayern, somit ausgeschlossen sind, veranlasste die FDP als einzige Fraktion, sich gegen die Resolution zu stellen. Fraktionschef Tobias Thalhammer fürchtet Auswirkungen auf den Strompreis.

Das von den Stadtwerken beauftragte Öko-Institut bescheinigte den Betreibern bei einer Abschaltung Umsatzeinbußen im dreistelligen Millionenbereich. Eine Stilllegung 2020 soll bis zu 600 Millionen Euro kosten, 2025 noch immer 380 Millionen. 

Der Argumentation folgten die übrigen Fraktionen nicht. 2,5 Millionen Tonnen CO2-Emissionen seien für beachtliche Folgekosten verantwortlich. Allein Stickoxide und Schwefeldioxid aus Block 2 kosteten den Steuerzahler Jahr um Jahr 22,5 Millionen Euro an Biodiversitätsverlusten, Gesundheits-, Ernte- und Materialschäden.

Als nicht aufzulösen steht für die Befürworter der Resolution der Widerspruch zwischen dem Image der Stadt München als erste Metropole, die 2025 so viel Öko-Strom produziert, wie sie verbraucht, und der schmutzigen Realität der oben genannten Zahlen. Gerade in den Nordgemeinden sei spätestens ab 2025 nicht nachvollziehbar, wenn aus rein ökonomischen Gründen Überschussstrom aus fossilen Energieträgern gewonnen wird, der den Klimawandel begünstige und der Gesundheit der Menschen abträglich sei, heißt es aus dem Landratsamt.

Grüne wollen "Dreckschleuder" ausknipsen

Seit Jahren bemühen sich die Grünen, die „Dreckschleuder“ auszuknipsen. Kreisrat Markus Büchler aus Oberschleißheim weiß, dass ihm die Hände gebunden sind, denn die Anlage liegt zwar auf Landkreis-Flur, sie gehört aber der Stadt. Die Resolution dient als erster Schritt auf dem womöglich langen Weg. Der Kreistag ruft die Landeshauptstadt auf, Schadstoffemissionen zügig und nachhaltig zu reduzieren.

Zur Erzeugung von Strom und Wärme soll künftig das mit Erdgas betriebene Heizkraftwerk Süd bis zur Kapazitätsgrenze genutzt, geothermische Erschließung beschleunigt werden. In Fragen der Ökonomie sind die Stadtwerke ermuntert, Folgekosten der Stromerzeugung durch Kohle zu berücksichtigen. Andreas Sachse

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