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Kulturhäuser im Landkreis kämpfen mit leeren Sälen und suchen nach Lösungen

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Von: Carina Ottillinger

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Der Saal des Kleinen Theaters Haar ist leer: „Wir stecken in einer tiefen Kulturkrise“, sagt Matthias Riedel-Rüppel, Intendant des Theaters.
Der Saal des Kleinen Theaters Haar ist leer: „Wir stecken in einer tiefen Kulturkrise“, sagt Matthias Riedel-Rüppel, Intendant des Theaters. © archivFoto: privat

Die Kulturhäuser im Landkreis sind unterschiedlich betroffen, was den Publikumsschwund angeht. In Haar und Ottobrunn ist er jedenfalls deutlich spürbar.

Landkreis – Schon wieder hat das Kleine Theater in Haar eine Veranstaltung absagen müssen, nachdem nur sechs Karten verkauft worden waren. Andere Kulturhäuser berichten Ähnliches. Sie fragen sich: Was ist nur los mit den Kulturliebhabern?

Die Absage des Vortrags im Kleinen Theater Ende Oktober ist kein Einzelfall, beileibe nicht. „Immer wieder fallen bundesweit Veranstaltungen aus“, sagt Matthias Riedel-Rüppel, Intendant des Kleinen Theaters. „Zum einen, weil Künstlerinnen und Künstler erkranken, zum anderen aber, weil der Kartenverkauf so schlecht ist, dass eine Durchführung der Veranstaltung einfach nicht möglich oder sinnvoll ist.“ Riedel-Rüppel möchte nicht frustriert klingen und aufgeben, stattdessen zeigt er Kampfgeist: „Wir suchen nach Lösungen, die Menschen zu erreichen. Wir werden Dinge probieren. Aber dazu gehört auch, dieses Thema immer wieder auf die Tagesordnung zu bringen. Wir stecken in einer tiefen Kulturkrise!“

Weniger Gäste bei Pepe Romero

Diese Krise bemerkt auch das Wolf-Ferrari-Haus in Ottobrunn. Das Gitarrenkonzert mit dem Weltstar Pepe Romero war die letzten drei Male komplett ausverkauft. Vergangene Woche waren nur 70 Prozent der Plätze besetzt. Einen kompletten Ausfall gab es im Ottobrunner Kulturhaus bisher nicht. Trotzdem ist auch Horst Frank nicht zufrieden mit der Besucheranzahl in seinem Haus. Der Leiter des Wolf-Ferrari-Hauses nennt drei Faktoren: die finanzielle Situation der Familien wegen der Energiekrise, die Nachwirkungen von Corona und die Bequemlichkeit. „Viele Leute finden es zuhause auf ihrem Sofa auch schön“, sagt Frank.

Besucher daheim erreichen

Um die potenziellen Besucher daheim auf der Couch zu erreichen, setzt das Kleine Theater Haar demnächst wieder auf digitale Formate. Bei hybriden Veranstaltungen können die Menschen von zuhause aus mitstreamen – in der Hoffnung, dass sie das zu einem Besuch im Kleinen Theater animiert. Ein weiterer Weg sei Kooperation statt Konkurrenz. „Wir Kulturtreibenden müssen uns besser vernetzen und uns um Gäste bemühen, sie motivieren und ihnen Mut machen sich aufzuraffen“, sagt Riedel-Rüppel. Das Theater Haar wolle den Gastspielbetrieb erhöhen und mit regionalen Theatern Aufführungen auf den Weg bringen.

In Unterföhring alles gut

In Unterföhring hingegen scheint die Kulturwelt noch in Ordnung zu sein. „Ich kann mich nicht beschweren“, sagt Kulturamtsleiterin Barbara Schulte-Rief. „Wir im Bürgerhaus haben einen treuen Publikumsstamm und in den letzten Jahren nur wenige Abonnenten verloren.“ Der Grund könne die enge und persönliche Bindung des Bürgerhauses zu seinen Zuschauern sein. „Während Corona haben wir versucht, immer in Kontakt zu bleiben über Newsletter und Briefe“, sagt Schulte-Rief. „Das Bürgerhaus hat beständig Kulturarbeit betrieben, wenn auch mit verkürzten Programmen und unter zermürbenden Bedingungen. Aber es gab nie lange kulturelle Pausen.“

Manche haben Spielbetrieb eingestellt

Als Landesvorsitzende der Interessengemeinschaft der Städte mit Theatergastspielen e.V. (Inthega) weiß Schulte-Rief allerdings von den Schwierigkeiten ihrer Kollegen. Manche hätten den Spielbetrieb komplett eingestellt, andere würden ihr Programm begrenzen. Bei manchen laufe alles, wie in Unterföhring, ganz normal weiter. Die Kulturhäuser müssten sich an das digitale Zeitalter anpassen. Inthega hat im Sommer daher Seminare zur digitalen Kommunikation angeboten.

Auch das Kulturamt Unterföhring hat sein Auftreten geändert und eine Social-Media-Managerin eingestellt. Schulte-Rief fällt auf, dass die Leute mehr selektieren und ihr Geld vorsichtiger ausgeben würden. „Das Theater wird immer mehr zum kulturellen Zufluchtsort. Viele Leute wollen mehr Kabarett, sie sehnen sich nach Bekanntem“, sagt Schulte-Rief „Es braucht daher einen vielfältigen Spielplan, um allen Besuchern gerecht zu werden.“

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