Die Künstler präsentieren ihre aktuellen Bilder: (v.l.) Manfred Wimmer, Heike Brossman (vorne), Terese Mc Mullen, Günter Bartl (vorne), Heinz Kremer, Alfred F. Müller und Ilona Fauth. Foto: Ulla Baumgart

Kunst hilft bei der Stressbewältigung

Feldkirchen - Eine zähe blaue Masse liegt mitten über einem Bilderrahmen, der auf einer Künstlerstaffelei präsentiert ist. Unter dem festen Blau sind Fotos zu erkennen, das vom Krieg zerstörte München, ein Kalaschnikow-Gewehr, das eine Friedenstaube erschießt. Das Thema ist klar: Es geht um Krieg.

Doch ein genauerer Blick auf die Collage verrät noch mehr: Die Fotos wirken nicht so, als wären sie Jahrzente alt, sondern sehr modern. Sie zeigen die Zerstörung in Schwabing, nach dem Bombenfund vor zwei Jahren. Und auch die blaue Masse stammt von dort. Die Künstlerin Uschi Roidl (71) hat sie zusammen mit ihrem Lebensgefährten Manfred Wimmer (74) nach der Bombensprengung von einem Gitter abgekratzt.

Ursprünglich war das ein Sichtschutz, der durch die Explosionshitze mit dem Gitter verschmolzen war. „Zwei Jahre habe ich überlegt, was ich daraus mache“, sagt Uschi Roidl. Schlaflose Nächte hätte sie gehabt, doch jetzt „bin ich sehr stolz darauf“.

Gerade rechtzeitig zur Ausstellung der Feldkirchner Künstler im Rathaus ist ihre Bomben-Collage fertig geworden. 21 Künstler aus oder mit engen Verbindungen nach Feldkirchen zeigen bereits zum sechsten Mal im Rathausfoyer ihre Werke. Das Repertoire ist breit: Skulpturen, Collagen, Zeichnungen oder Fotografien. „Jeder kann das machen, was er machen will“, sagt Manfred Wimmer.

Heike Brossmann (57) beispielsweise. Sie arbeitet hauptberuflich in einem Bürojob und hat als Ausgleich vor 15 Jahren die Kunst entdeckt. „Durch Kunst kommt Kreativität ins Leben“, sagt sie. Sie helfe, nach der Arbeit „runterzukommen und loslassen zu können“. Vor allem in Collagen und Zeichnungen von Gesichtern und Akten lebt sie sich aus, will sich aber thematisch nicht einschränken: „Ich male, was mir in den Sinn kommt.“

Einen Pinsel muss Günter Bartl (43) für seine Kunst nicht in die Hand nehmen. Sein Arbeitsgerät ist trotzdem recht unhandlich: ein Fotoapparat. Der Feldkirchner ist bereits zum dritten Mal bei der Künstlerausstellung dabei und präsentiert heuer eine Fotoreihe aus Venedig. Eine Woche verbrachte Bartl zum Knipsen in der Stadt, sogar seine Frau habe er zuhause gelassen, sagt er. Das Ergebnis sind großflächige Bilder, die er im sogenannten Alu Dibond Butlerfinish-Verfahren drucken ließ. Dabei wird das Foto auf ein speziell behandeltes Aluminium gedruckt, dadurch werden die Farben besonders brillant. „Wie wenn jemand das Licht angeknipst hätte“, sagt Günter Bartl: „Das gibt eine Tiefe, die sich entwickelt.“

Die Rentnerin Uschi Roidl hat heuer bereits zum vierten Mal die Feldkirchner Künstler zur Ausstellung versammelt. Sonst sehen sie sich eher unregelmäßig. Die Vernissage der Ausstellung fand Uschi Roidl „sehr schön“. Während der restlichen Ausstellungsdauer ist sie aber ein bisschen enttäuscht von dem geringen Besucherinteresse: „Man ist so vollgestopft mit Ausstellungen, in dieser kurzlebigen Zeit.“ Doch wer weiß, wie viele Menschen einfach tagsüber auf ihrem Weg ins Rathaus im Foyer stoppen und sich einen kurzen Blick auf die schöpferische Vielfalt in Feldkirchen genehmigen. Es lockt nicht nur ein Stück Geschichte von der Schwabinger Bombe. bew

Öffnungszeiten:

Die Ausstellung läuft bis Donnerstag, 30. Oktober, im Rathausfoyer und ist zu den allgemeinen Öffnungszeiten zu sehen: Montag bis Freitag: 7.30 bis 12 Uhr, Donnerstag zusätzlich 15 bis 18 Uhr. Benedict Witzenberger

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