Frühstück im Freien: Ab heute sind 34 Gemälde und 24 Zeichnungen von Mgada Roos im Bürgerhaus Unterföhring zu sehen. Repro: KCM-Verlag

Ein kurzes, intensives Leben für die Kunst

Unterföhring - Sie arbeitete höchst konzentriert in der Abgeschiedenheit ihres Ateliers. Die Malerin Magda Roos ist nur 56 Jahre alt geworden, doch sie hat ein beachtliches Werk hinterlassen.

Mit scharfer Beobachtungsgabe und großem künstlerischen Können widmete sie sich in Ölgemälden und Zeichnungen der Darstellung menschlicher Beziehungen, die sie mit einer Brise Ironie reflektiert. „Sozialkritisch, nicht böse, sondern spitz und immer mit einem Fünkchen Humor“, beschreibt ihre Schwiegertochter Christine Modlinger Magda Roos’ farben- und formenreichen Stil.

Elf Jahre lebte die Malerin in Unterföhring: von 1945 bis 1956. Über 50 Jahre nach dieser Schaffensphase ist ab heute ein Großteil ihres zeichnerischen und malerischem Werks erstmals in einer Retrospektive in Unterföhring, im Bürgerhaus zu sehen.

Magda Roos wurde 1920 in Cuxhaven als jüngste von drei Schwestern geboren. Nach den Schuljahren studierte sie an der Kunstakademie Lerchenfeld in Hamburg und schloss ihr Studium an der Münchner Kunsthochschule ab. Während des Krieges wurde sie als technische Zeichnerin dienstverpflichtet bei den Bayerischen Flugmotorenwerken, wo sie ihren Mann, Dr. Richard Modlinger, kennenlernte. Das Paar zog nach Unterföhring, 1945 kam Sohn Andreas zur Welt. Die kleine Familie lebte zunächst auf dem Bauhof, ebenso wie ihre Schwiegereltern, Josef und Maria Modlinger. Ihr Schwiegervater arbeitete als technischer Leiter am Bau des mittleren Isarkanals mit, ihr Mann Richard war als Ingenieur beim Stromversorger Bayernwerke beschäftigt. In den 50er Jahren kaufte er ein Grundstück in der Gartenstraße 12, wo die Familie ein Siedlerhäuschen baute. Hier lebte Magda Roos bis zur Scheidung 1956. Unter dem Dach hatte sie ein Atelier.

Mit ihrem Sohn Andreas, zu dem sie eine innige Beziehung hatte, zog Magda Roos 1956 in den Norden zurück. Zuerst nach Hamburg, wo sie die Kontakte zu Kollegen und Freunden wieder intensivierte. Die Aufnahme in eine Künstlergruppe aber, in der sich ausschließlich Männer zusammengeschlossen hatten, blieb der geschiedenen, alleinerziehenden Frau verwehrt. Neun Jahre später kehrte sie in ihr Elternhaus nach Cuxhaven zurück. Intensiv arbeitete sie an ihrer geliebten Malerei: Rund 400 Gemälde und 1000 Zeichnungen hat sie geschaffen. „Man kann in ihren Bildern spazierengehen“, sagt Christine Modlinger, „man entdeckt immer wieder etwas Neues“.

Darüberhinaus begann sie zu schreiben. Mit der ihr eigenen Reflexion arbeitete die Künstlerin an ihren Texten. In „Feloma“ schrieb sie mit viel Poesie ihre Kindheitserinnerungen auf. In der Cuxhavener Zeitung bekam sie eine eigene Kolumne „Bürger CUX meint“, die sie mit Texten und Zeichnungen zu lokalen Themen bestückte. In zwei Ausstellungen präsentierte sie ihre Arbeit, doch materieller Erfolg stellte sich nicht ein. Dennoch ließ sie nie von der Kunst ab. Mit 46 Jahren erkrankte Magda Roos an Krebs, „zehn Jahre hat sie noch ausgehalten“, sagt ihre Schwiegertochter, 1976 verstarb sie am 16. Juli in ihrer Heimatstadt. Charlotte Borst

Vernissage:

Heute um 19 Uhr trägt Schauspielerin Charlotte Schwab aus dem Buch „Feloma“ von Magda Roos im Bürgerhaus vor, begleitet wird sie von Musiker und Komponist Ulrich Kodja Wendt.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Kindergarten-Notstand in Unterhaching: Immer noch 70 Kinder auf der Warteliste
Die prekäre Betreuungs-Situation in Unterhaching hält an: Noch immer sind viele Kinder ohne Kindergartenplatz. Die Gemeinde ringt um Lösungen, die Eltern machen ihrem …
Kindergarten-Notstand in Unterhaching: Immer noch 70 Kinder auf der Warteliste
„Karambolage-Atlas“: Im Landkreis München gibt es besonders viele Unfälle
Die Straßen im Landkreis München gehören zu den gefährlichsten Bayerns. Häufiger kracht es statistisch nur in zwei Städten. Das heißt aber nicht, dass die …
„Karambolage-Atlas“: Im Landkreis München gibt es besonders viele Unfälle
Drei Maskierte stürmen in Gaststätte - sie bedrohen Mitarbeiter mit einer Pistole
Drei maskierte Täter haben eine Gaststätte in Heimstetten überfallen und die Mitarbeiter mit einer Pistole bedroht.
Drei Maskierte stürmen in Gaststätte - sie bedrohen Mitarbeiter mit einer Pistole
Viel günstiger als eine U-Bahn-Verlängerung: Seilbahn bis nach Unterföhring wird realistischer 
Eine Seilbahn von der Stadt bis nach Unterföhring: Gar nicht so abwegig, sagen Kreis und MVV. Zumal sie deutlich billiger wäre als eine U-Bahn.
Viel günstiger als eine U-Bahn-Verlängerung: Seilbahn bis nach Unterföhring wird realistischer 

Kommentare