Kutschen und Rösser bestaunt

Oberhaching - Gut 1000 Menschen säumten am Sonntag den Kirchplatz in Oberhaching, um Ross und Reiter zuzuwinken und vor allem die Pferdesegnung vor der Kirche St. Stephan nicht zu verpassen.

Alle Jahre wieder steht der prächtige Umzug unter einem guten Stern, was vielleicht auf Organisator Florian Schelle zurückzuführen ist, der sich bereits ´Tage zuvor in den Stall zurückzieht, um seinen Kaltblütern gut zuzureden.

Aber es sind viele ehrenamtliche Engelchen, die für das Gelingen des prunkvollen Umzuges mitverantwortlich sind. Herbert Schlicht zum Beispiel bezeichnet sich selbst als „Reservemesner“ und hat schon als kleiner Bub die Kutschen um die Kirche rollen sehen. Behandschuht und mit Ohrenschützern auf dem Kopf trabt er munter auf und ab und hat das Geschehen im Blick, während am „Forstner“ mit Schöpfkellen Glühwein ausgeschenkt wird, die Kinder auf kleinen Schneehügeln werkeln und die Erwachsenen Weihnachtsgrüße austauschen.

Auf dem Wagen, der für Pfarrer Rüdiger Karmann zur Pferdesegnung aufgestellt wurde, hat Schlicht Partikelmonstranz und Weihwasser zurechtgerückt. Er kümmert sich auch um funktionierende Mikrofone, legt ihre Position fest und die genaue Lautstärke. Außerdem gibt er nach dem „Vater unser“ des Pfarrers das Zeichen, um die fünf Kirchenglocken von St. Stephan zu läuten, die als Begleitung ertönen, wenn sich der Tross mit den 80 bis 90 Rössern in Bewegung setzt und die erste Runde um die Kirche dreht. Anschließend schwingt nur noch die Stephansglocke mit ihrem tiefen, vollen Klang und gibt den Takt bei der zweiten und dritten Umrundung vor.

Diesmal trifft der Umzug etwas verspätet am Kirchplatz ein, da ein Pferd gescheut hatte und ein Wagen umgespannt werden musste. „Aber wir sind immer noch gut in der Zeit, verglichen mit den Verspätungen der Bahn“, scherzt Dritter Bürgermeister Florian Schelle kurz vor dem Eintreffen des Zuges - allen voran die Pferdestaffel der Polizei. Dahinter folgen im Trab Bürgermeister Stefan Schelle und in der Kutsche Altbürgermeister Nikolaus Aidelsburger. Den Segen bekommen auch der Trachtenverein Oberhaching und Unterhaching, der örtliche Burschenverein, die Schützen, viele private Reiter und zum ersten Mal auch der Pfarrgemeinderat. Außerdem haben sich die Kindergartenkinder in hübsche Gewänder geschlagen. Sie trotzen der Kälte in Sternsingerkostümen ebenso wie ein Bub, der als Klausner in der Mönchskutte nachdenklich vor seiner Einsiedelei hockt.

Mit viel Liebe sind auch heuer wieder die Wagen mit den zwei Miniaturkirchen St. Bartholomäus und St. Stephan hergerichtet worden, und der Adventsschmuck an den Kutschenseiten kam hübsch zur Geltung genauso wie die Glocken am Pferdekummet. So schien eins ins andere zu greifen, und als Pfarrer Karmann die Hilfe der Heiligen anrief, da wieherte eines der Pferde durchs winterlich-feierliche Treiben. So als ob es die Fürbitte hätte bekräftigen wollen. msc

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