KZ-Überlebender warnt vor Ausgrenzung

- Ernst Grube diskutiert mit Hauptschülern

Oberschleißheim (mf) - Den Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus nahm die Oberschleißheimer Volksschule Jahnstraße zum Anlass für ein Zeitzeugengespräch: Ernst Grube (71) erzählte 34 Schülern der 8. und 9. Klasse vom dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte. "Empfindet man nicht großen Hass auf die Deutschen", fragten die Schüler, nachdem Grube berichtet hatte, wie er als Kind den Judenstern tragen musste und auf der Straße bespuckt worden war. Hass habe er dabei nicht empfunden. "Als Kind ist man traurig über Trennungen. Wut emfpindet man, wenn man geschlagen wird. Aber als Kind erlebt man das getrennt, man sieht nicht das Ganze."

Ernst Grube hatte als Sohn einer Jüdin und eines Nichtjuden durchaus Grund zur Angst. 1938 sollte die Synagoge in München abgebrochen werden. Ganz in der Nähe wohnte Grube: Doch die Anwohner wollte man aus den Wohnungen raus haben - sie wurden rausgeschmissen oder so lange tyrannisiert, bis sie auszogen. 1945 wurde Grube nach Theresienstadt deportiert - einem Lager, in dem Juden für die Vernichtung in Auschwitz gesammelt wurden. "Hätte der Krieg nur vier oder acht Wochen länger gedauert, würden wir uns heute nicht unterhalten", sagte Ernst Grube. Doch er hatte Glück: Die Rote Armee befreite 1945 erst die Gefangenen in den Lagern.

Betretenes Schweigen, Fragen nach religiösen Bräuchen und nach Gefühlen - die Hauptschüler wollten es genau wissen und Grube freute sich darüber, denn: "Angesichts stärker werdender Fremdenfeindlichkeit ist es eine Notwendigkeit darüber zu sprechen. Ich versuche Verständnis zu wecken, dass andere Leute anders leben und eine andere Kultur haben." Für Grube ist es wichtig, Kinder und Jugendliche so früh wie möglich mit dem Thema vertraut zu machen, um Diskriminierungen und Ausgrenzungen vorzubeugen. Vertraut mit dem Thema machten sich die Hauptschüler bei Workshops, einem Film und beim Innehalten vor dem 1997 mit Ernst Grube eingeweihten Mahnmal für die Kinder aus Theresienstadt, das Kunsterziehungslehrerin Helga Pförtner mit Schülern kreiert hatte.

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